Nachhaltigkeitspreis

Harburger schaffen Teiche und räumen den Strand auf

| Lesedauer: 5 Minuten
HA
Lessingschüler bauten einen Teich:  Jiyan Dogan, Cheyenne Hustedt, Denise Lüder, Fabian Koch, Tufan Kaya, Hussain Mahmood, Binyamin Celik, Erdinc Gendigelenoglu, Robin Gerber, Mailin Dietrich, Zoé Kientopf, Merle Plambeck, Robin Timus, Sergio Moura Amorim (Teile der Biologie-Profilklasse damals 12c, jetzt 13c)

Lessingschüler bauten einen Teich: Jiyan Dogan, Cheyenne Hustedt, Denise Lüder, Fabian Koch, Tufan Kaya, Hussain Mahmood, Binyamin Celik, Erdinc Gendigelenoglu, Robin Gerber, Mailin Dietrich, Zoé Kientopf, Merle Plambeck, Robin Timus, Sergio Moura Amorim (Teile der Biologie-Profilklasse damals 12c, jetzt 13c)

Foto: Halpick/Baudy / HA

Serie zum 8. Nachhaltigkeitspreis von Harburg21: Heute mit Schülern der Lessing-Stadtteilschule und dem Projekt des DRK-Kreisverbandes.

Harburg. Unter dem Motto „Mit gutem Beispiel voran. Für Harburg. Für alle. Für heute und morgen“ ehrt die Bezirksversammlung Harburg seit 2013 jährlich Akteurinnen und Akteure, die sich für die Sicherung unserer natürlichen und sozialen Lebensgrundlagen für heute und morgen im Bezirk Harburg engagieren. Eine Jury aus Vertretern verschiedener Gesellschaftsbereiche prämiert vorbildliche und zukunftsweisende Projekte.

Diesjähriger Sponsor ist erneut die Sparda-Bank Hamburg. Da die feierliche Überreichung der Preise in diesem Jahr nicht in gewohnter Form stattfinden kann, präsentieren „Harburg21“ und das Abendblatt alle 18 Bewerber in einer Serie.

Schulgarten-Biotop für die Lessing-Stadtteilschule

Mit dem achten Projekt „Ein Schulgarten-Biotop für die Lessing-Stadtteilschule“ besuchen wir das grüne Klassenzimmer der Harburger Schule. Wasser ist lebensnotwendig und vor allem voller Leben. Also gehört es auch in jeden Garten. Erst recht in einen Schulgarten, fanden die 15 Schülerinnen und Schüler der Biologie-Profil-Klasse 12c der Lessing-Stadtteilschule und machten sich an die Arbeit. Sie recherchierten, sammelten Sach- und Geldspenden und besorgten eine Teichfolie aus Pflanzenöl-Material. Dann bestimmten sie auf dem Außengelände zwischen Kräuterspirale, Schulacker und Kaninchenstall ein Areal und legten Hand an.

Begeisterte Unterstützung erhielten sie von den Mitgliedern der Arbeitsgruppen „Schulgarten“ und „Schulzoo“. Buddeln, Steine schleppen, Folie auslegen, solarbetriebene Teichpumpe installieren, das Ganze mit Wasser auffüllen. Es war ein hartes Stück Arbeit, bis das kleine Wasserbiotop von sechseinhalb mal vier Metern endlichfertig war. Der Teich bleibt ohne künstlichen Fischbesatz und sich selbst überlassen. Sicherlich zur Freude von Grasfröschen, Teichmolchen, Mücken, Wasserläufern, Rückenschwimmern, Libellen und was da sonst so fleucht und kreucht.

Biodiverses Leben im und am Wasser

Wenn der Plan aufgeht, freuen sich im Biologieunterricht auch Mittel- und Oberstufenklassen über das biodiverse Leben im und am Wasser – für ihre Studien am intakten Ökosystem mit heimischer Artenvielfalt. „Am besten lernen wir alle mit der Natur und von der Natur“, erklärt Biologielehrer Fabian Koch das Projektziel. „Das führt zu mehr Wertschätzung unserer Umwelt mit all ihrer Vielfalt und ihrem Ressourcenreichtum und damit letztlich auch zu einem nachhaltigeren Lebensstil.“

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Das Projekt rechnet sich in verschiedener Hinsicht, nicht nur geldlich. Das Mikroklima im Schulgarten profitiert ebenso vom Teich wie die gesamte Schule von den teambildenden und partizipativen Lernmöglichkeiten.

Obdachlosenherberge Harburg-Huus wird zum Strand-Huus

Teil 9 beleuchtet die soziale Grenzen überschreitende Umweltaktion „Obdachlosenherberge Harburg-Huus wird zum Strand-Huus“ des DRK-Kreisverbandes Harburg. Wer wünscht sich das nicht: gesund und sicher im Warmen und Trockenen zu wohnen, statt auf der Straße leben zu müssen, gesellschaftlich relevant zu sein und teilhaben zu können statt stigmatisiert zu werden. Wohnungs- und mittellosen Menschen geht es haargenau so. Und Hamburg hat viele davon.

Mehr als 1000 Menschen ohne festen Wohnsitz zählte die Stadt in ihrer jüngsten Umfrage. Sie beziehen Arbeitslosengeld (ALGII), Sozialhilfe, kleine Renten, arbeiten im Niedriglohnsektor oder gehen Gelegenheitsjobs nach und betteln. „Es gibt viele Gründe, warum Menschen in die Obdachlosigkeit gleiten: Armut, Krankheit oder persönliche Schicksalsschläge. Hinzu kommen steigende Mieten und der Wohnungsmangel“, beschreibt Dr. Simone Thiede vom DRK die Lage von Obdachlosen.

Mindestmaß an Existenzsicherung und Stabilisierung

Da herauszukommen ist nicht ohne ein Mindestmaß an Existenzsicherung und psychische und soziale Stabilisierung möglich. Hier setzt das Strand-Huus-Projekt an: Mit der ehrenamtlichen Beteiligung am weltweiten „World Cleanup Day“ im September hat die Obdachlosen-Unterkunft seinen Gästen eine einfache Möglichkeit geschaffen, mitzumischen und aktiv für Mensch, Tier und Umwelt einzutreten.

Im Verbund mit Kindern, Mitarbeitenden eines Buslogistikunternehmens und Umwelt-Aktiven befreiten sie einen Strandabschnitt an der Elbe von Dönertüten, Joghurtbechern, Deckeln und anderem Unrat. Sozialer Status oder Bildungsstand spielten keine Rolle. Was zählte, war das gemeinsame Bestreben, Hamburg lebens- und liebenswerter zu gestalten.

Aktionen wie diese öffnen allen Beteiligten die Augen

Aktionen wie diese öffnen allen Beteiligten die Augen, schaffen Raum für Begegnung auf Augenhöhe und mehr Akzeptanz. Vor allem aber erfahren diejenigen unter ihnen, die sich in psychisch und wirtschaftlich schwierigen Lebensumständen befinden, Wertschätzung. „Das stärkt ihr Selbstwertgefühl und die Bereitschaft, ihre Lage zu verbessern“, sagt Thorben Goebel-Hansen, Einrichtungsleiter des Harburg-Huus. Denn es gilt: Leave no one behind! Dieses integrative Projekt ist sozial, ökologisch und wirtschaftlich tragfähig aufgestellt.

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