Harburger Binnenhafen

TU Hamburg: Wachstumskurs trotz Sparvorgaben

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Angelika Hillmer
Arne Webers Hamburg Innovation Port wächst zwischen der Blohmstraße und dem Ziegelwiesenkanal heran.

Arne Webers Hamburg Innovation Port wächst zwischen der Blohmstraße und dem Ziegelwiesenkanal heran.

Foto: MVRDV Architekten / MVRDV

Technische Universität engagiert neue Professoren und braucht zusätzliche 11.000 Quadratmeter Fläche – im Hamburg Innovation Port.

Hamburg.  Die Technische Universität Hamburg (TUHH) muss sparen, so steht es im „Zukunftsvertrag“, den die Universität und die Wissenschaftsbehörde Anfang Februar unterzeichnet haben. Dennoch gibt sich der neue Präsident Professor Andreas Timm-Giel optimistisch: „Unser Wachstumskurs wird weitergehen“, sagt er dem Abendblatt. Damit eng verknüpft ist der Weiterbau am Hamburg Innovation Port (HIP) im Harburger Binnenhafen.

15 neue Professuren bis Ende 2022

„Betroffen von den Sparvorgaben ist unser Grundhaushalt. Gleichzeitig erhalten wir aber bis 2022 jedes Jahr zusätzliche 3,8 Millionen Euro, um das vor drei Jahren beschlossene Wachstumskonzept umzusetzen. 2022 werden uns deshalb 19 Millionen Euro für zusätzliche Professuren und Projekte zur Verfügung stehen“, sagt Timm-Giel. Von den mit der Behörde vereinbarten 15 zusätzlichen Professorenstellen seien elf bereits vergeben, so der TUHH-Chef.

Bei sieben seien die Verträge unterzeichnet, bei den anderen vier laufen derzeit die Verhandlungen. „Wir werden bis zum Ende unserer fünfjährigen Wachstumsphase alle 15 eingestellt haben“, sagt er. Ende 2022 wird das Erreichte extern bewertet werden. Bei positivem Ergebnis soll sich eine zweite, ebenfalls fünfjährige Phase anschließen, in der die Zahl der Studierenden von heute 7800 auf 10.000 ansteigen soll.

Binnenhafen ist ideales Wachstumsgebiet für TUHH

Gestartet war die TUHH anno 1978 mit 2800 Studienplätzen in elf technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen. Über die Jahrzehnte haben sich beide Zahlen mehr als verdreifacht, und die Stadt konnte gar nicht so schnell bauen (lassen) wie der Raumbedarf wuchs. Ähnlich ist die Situation auch heute: „Wir sind komplett voll auf unserem Campus“, sagt Timm-Giel. Da zwischen dem Schwarzenberg und der Eißendorfer Straße keine Wachstumspotenziale mehr schlummern, steht fest, dass sich die TUHH in den Binnenhafen ausdehnen soll.

Ganz im Sinne des gerade ernannten Präsidenten: „Der Binnenhafen ist für uns sehr attraktiv, wir sind dort schon mit mehreren Standorten vertreten. Hinzu kommen Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer Center und das DLR (Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die Red.).“

Hamburg Innovation Port als wichtigster Baustein

Der wichtigste Baustein im sogenannten Hafencampus der TUHH ist der Hamburg Innovation Port an der Blohmstraße. Geplant und gebaut vom Harburger Investor und Bauunternehmer Arne Weber (HC Hagemann) soll der Gebäudekomplex in seiner endgültigen Ausbaustufe 60.000 Quadratmeter (m) Geschossfläche bieten und an Forschungseinrichtungen sowie technologieorientierte Unternehmen vermietet werden. Mehr als 2500 Arbeitsplätze könnten entstehen, kalkuliert Weber. Für Entwicklungs- und Büroflächen, Labore sowie Räumlichkeiten zum gemeinsamen Arbeiten (Coworking-Spaces).

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Der erste Bauabschnitt liefert 5000 m2 Nutzfläche und wurde Ende November 2019 eingeweiht. 4000 m2 gingen an die Technische Universität. Als erstes zog das Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft dort ein, weitere folgten. „Fünf oder sechs Institute sind im HIP untergebracht; im Oktober werden auch dort alle Räume belegt sein“, sagt Timm-Giel.

Er und seine Mitstreiter setzen darauf, dass Arne Weber nun bald den zweiten Bauabschnitt in Angriff nimmt. „Wir haben einen zusätzlichen, von der Behörde anerkannten Raumbedarf von 11.000 Quadratmetern“, sagt Ralf Grote, Leiter des Präsidialbereichs der TUHH.

Zweiter Bauabschnitt mit 20.000 Quadratmetern Fläche

Der zweite Bauabschnitt (HIP Two) wird mit einer Geschossfläche von 20.000 m der größte Abschnitt des HIP-Projekts. Mit dem 65 Meter hohen Büroturm wird in dem Komplex das markanteste Gebäude entstehen. Die Planungen sind angelaufen, doch noch fehlt die Baugenehmigung. Und das grüne Licht aus der Wissenschaftsbehörde, dass die TUHH als Ankermieter verbindlich zur Verfügung steht.

Bevor Mietverträge geschlossen werden können, muss das Geld dafür bereitstehen. Dazu bedarf es eines Beschlusses durch die Bürgerschaft. Der könnte frühestens im Sommer/Frühherbst vorliegen. „Wenn wir die Mietverträge im Juli unterzeichnen, würden wir bis November planen und könnten ab Februar 2022 mit dem Bauen beginnen“, sagt Arne Weber. „Wir sind ja selbst der Projektentwickler, der Bauherr und das Bauunternehmen – somit sind wir schnell und können bis Ende 2022 die ersten Flächen bezugsfertig liefern.

Nicht nur für die TUHH, sondern auch für passende innovative Firmen aus der Wirtschaft, die hier Flächen anmieten wollen. Die Idee des Hamburg Innovation Port ist ja, Wirtschaft und Wissenschaft ,Tür an Tür’ anzusiedeln, um so größtmögliche Synergien zu erzielen.“

Platzbedarf bei neuen Professuren entsteht erst mit der Zeit

Mit diesen Aussichten kann Andreas Timm-Giel leben. „Wenn wir Ende 2022 Flächen bekommen, dann kommen wir hin.“ Für die jetzt berufenen elf Professoren seien Räumlichkeiten vorhanden, so der TU-Präsident. Allerdings sei die Raumverteilung verdichtet worden – „wo wir erst eine Arbeitsgruppe unterbringen wollten, sind es jetzt zwei“. Das sei vor dem Hintergrund, dass neue Professoren zunächst in kleinen Gruppen mit zwei, drei Mitarbeitern starten, machbar. Nach ein bis zwei Jahren seien die Gruppen dann deutlich angewachsen, mit entsprechendem Platzbedarf.

Sollte HIP Two dann noch nicht zur Verfügung stehen, müsste die Wissenschaftsbehörde andere Räume in Nähe der TUHH oder im Binnenhafen anmieten, so Timm-Giel. Solche Zwischenlösungen seien natürlich unschön, weil dann die Wissenschaftler nach einigen Monaten umziehen müssten.

Auch für die Anwerbung neuer Professoren sei es wichtig, dass das Bauprojekt in Fahrt komme, ergänzt Grote: „Wenn man ihnen Perspektiven aufzeigen kann, dann ist es akzeptabel, wenn passende Räumlichkeiten aktuell noch fehlen.“ Die Perspektive kann die Bürgerschaft der TUHH in den kommenden Monaten eröffnen.

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