Harburg

TU-Studenten fürchten Infektion bei Klausur

| Lesedauer: 5 Minuten
Lars Hansen
Studierende sitzen unter Wahrung der Abstandsregel in einem Hörsaal und warten auf den Beginn der Klausur. An der TUHH reicht dies etlichen Studierenden nicht aus.

Studierende sitzen unter Wahrung der Abstandsregel in einem Hörsaal und warten auf den Beginn der Klausur. An der TUHH reicht dies etlichen Studierenden nicht aus.

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Rund 15.000 Prüfungen stehen im kommenden Semester an der TUHH auf dem Programm. Der AStA fordert Alternativen zu Präsenz-Klausuren

Harburg. Wenn Studierende in diesen Tagen vor ihren Prüfungen ein mulmiges Gefühl haben, liegt das nicht nur an der Furcht davor, nicht zu bestehen. Eine ganz andere Angst gesellt sich dazu: Die vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus, wenn man sich mit vielen anderen Menschen in einem Raum befindet. Auch an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) haben Studierende diese Furcht. Die TUHH betreibt einen großen logistischen Aufwand, um die Ansteckungsgefahr so weit es geht zu verringern, doch vielen Studierenden reicht das nicht. Die Studierendenvertretung hat sich in einem offenen Brief an das Hochschulpräsidium gewandt und fordern Alternativen zur klassischen Präsenzprüfung.

Petition fordert Alternativen zur Präsenzprüfung

Eine Online-Petition von Studierenden mit der gleichen Forderung kam innerhalb kürzester Zeit bereits auf 1500 Unterschriften und kann immer noch gezeichnet werden. Ob die Proteste etwas nützen, ist fraglich: Die Prüfungsphase des Wintersemesters hat gestern begonnen und dauert noch bis Ende März. Gut 15.000 Klausuren müssen in dieser Zeit geschrieben werden. Vor allem in den Prüfungen für Studienanfänger, in denen es um allgemeines Basiswissen geht, müssen sehr viele Kandidaten gleichzeitig ihre Klausuren schreiben. „Allein bei „Grundlagen der Regelungstechnik“ ist mit über 600 Prüflingen zu rechnen“, sagt Kolja Eggers, studentischer Vertreter im Akademischen Senat.

Hallen und Hörsäle für Prüfungen hergerichtet

Die 600 Regelungstechnik-Klausuren müssen gleichzeitig geschrieben werden, damit niemand die Chance hat, von zuvor Geprüften über die Aufgaben informiert zu werden. Das Hygiene- und Abstandskonzept der TUHH sieht vor, dass nicht mehr als 50 Prüflinge in einem Raum schreiben dürfen. Allein für diese Klausur werden zwölf große Säle gleichzeitig benötigt. Die TUHH hat unter anderem die Alsterdorfer Sporthalle, die CU-Arena und die Inselpark-Halle angemietet. Außerdem finden Prüfungen in den beiden Auditoria Maxima sowie in anderen großen Hörsälen der TUHH statt.

Ordner achten auf Einhaltung der Corona-Regeln

Die Sporthallen werden mit Trennwänden in drei Räume von ca. 15 mal 30 Metern geteilt. „Ordner achten auf die Einhaltung der AHA- und Lüftungsregeln vor und in den Hallen und auch auf dem Weg zum WC, und zwar vor, während und nach den Prüfungen“, sagt TUHH-Pressesprecherin Franziska Trede. Die Lüftungsanlagen der Sporthallen und der fensterlosen Hörsäle würden pro Stunde sechs- bis achtmal einen kompletten Luftaustausch leisten und in den Prüfungsräumen mit Fenster würde das Personal nach Maßgabe der TUHH-Corona-Prozeduren regelmäßig lüften.

So richtig wohl ist vielen Studierenden dabei dennoch nicht: „Ich empfinde es schon als Hohn, meine Kontakte außerhalb der TUHH auf eine Person beschränken zu müssen, aber zur Prüfung stundenlang mit 50 in einem Raum zu sitzen. Und dass vier dieser Räume auf einem Stockwerk nah beieinander liegen führt das Konzept doch ab absurdum“, sagt Elektrotechnik-Student Leon (Name geändert).

Ähnlich formulieren es auch die Studierendenvertreter in ihrem offenen Brief: „Seit beinahe einem Jahr bewältigen wir gemeinsam diese Pandemie“, heißt es dort. „Damit uns dieses Vorhaben gelingt, haben wir zahlreiche schwerwiegende Einschnitte unseres gewohnten Lebens vor- und hingenommen. Während im Sinne der Solidarität in allen Gesellschaftsbereichen Opfer auf sich genommen werden, hält die TUHH dennoch an der Durchführung von Prüfungen in Präsenz fest, anstatt auf Alternativen auszuweichen. Wir halten dieses Vorgehen für inakzeptabel!“

Studierende haben ein Recht auf Prüfung

Ausfallen lassen kann die TUHH die Prüfungen nicht. Jeder einzelne Studierende hat einen Rechtsanspruch auf die Prüfung, auch wenn alle anderen sie ablehnen. Die TUHH ist hier in der Pflicht, solange nicht bundesweit die Prüfungen ausgesetzt werden. Allerdings gibt es Alternativen zur Präsenzprüfung. Die fordert der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und die bietet die TUHH auch teilweise an: Online-Prüfungen, beispielsweise oder so genannte „Take Home Exams“ (THE); die die Studierenden abholen und zu Hause bearbeiten. Allerdings hängt es von den Dozenten ab, ob sie diese Prüfungen anbieten. „Derzeit sind rund 20 THE und zehn E-Prüfungen geplant“, sagt Franziska Trede. „Hinzu kommt wahrscheinlich noch eine Reihe von mündlichen Prüfungen.“

30 alternative Prüfungen sind nicht allzu viel, ein prozentualer Anteil im einstelligen Bereich. Trede ist zuversichtlich, dass noch weitere Dozenten auf den Zug online-Prüfung oder THE aufspringen werden. „Allerdings muss immer der Grundsatz der Prüfungsgleichheit gewahrt werden können“, sagt sie, „auch das ist ein Rechtsanspruch.“

AStA fordert Online-Klausuren als Alternative

Der AStA drängt darauf, möglichst viele THEs und Online- Prüfungen zu ermöglichen, zumal selbst, wenn das Hygienekonzept funktionieren würde, immer noch hinzukäme, dass eine große Anzahl Prüflinge zur gleichen Zeit mit Bus und Bahn anreisen und bereits dort beengt sitzen würde. „In einem Gespräch hat uns das TUHH-Präsidium zugesichert, noch einmal bei allen Dozierenden für alternative Prüfungsformen zu werben“, sagt Kolja Eggers, „dass dies auch tatsächlich geschieht und Wirkung hat, können wir aber nur hoffen!“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg