Große Pläne für Harburg

Neue Verbindung zum Harburger Binnenhafen

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Angelika Hillmer
So stellen sich die Planer eine mögliche Anbindung vor

So stellen sich die Planer eine mögliche Anbindung vor

Foto: Planungsbüro Raumwerk

Bezirk strebt insgesamt vier Verbindungen an, um die Innenstadt über die Bahntrasse hinweg (oder drunter hindurch) mit dem Hafen zu verknüpfen

Harburg.  Die Harburger Innenstadt muss stärker mit dem Binnenhafenquartier verknüpft werden, darin sind sich Politik und Verwaltung einig. Eine Entwicklungsperspektive soll der „Rahmenplan Innenstadt Harburg 2040“ geben, der gerade erarbeitet wird. In der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses konstatierten Planer und Politiker einmal mehr: Das wichtigste Projekt ist eine Verbindung der Harburger Schloßstraße mit dem Schloßmühlendamm für Fußgänger und Radfahrer.

Die beiden Straßen sind Teil der historischen Achse von der Schlossinsel über die Lüneburger Straße, Moorstraße bis zum Harburger Bahnhof. Das Frankfurter Planungsbüro Raumwerk, das das Konzept für den Rahmenplan erarbeitet, präsentierte den Ausschussmitgliedern zwei Varianten zur Überwindung der B 73 und der Bahngleise: eine großzügige Unterführung oder eine Brücke. „Die Verwaltung und Raumwerk haben sich weitgehend für eine Unterführung ausgesprochen“, sagt Ralf-Dieter Fischer, Fraktionsvorsitzender der größten Oppositionspartei in Harburg, der CDU. „Nichts spricht gegen diese Lösung, alles klingt sehr überzeugend.“

Alte Unterführung bleibt erhalten

Die alte Unterführung zwischen der Neuen Straße/Lämmertwiete und der Schloßstraße würde weiter bestehen bleiben. Sie gilt seit längerem als unattraktiv und sanierungsbedürftig. Daran ändert der Rahmenplan 2040 nichts, denn er bezieht sich – wie der Name schon sagt - auf die kommenden 20 Jahre. „Die vorgeschlagene neue Unterführung wird deutlich geräumiger und einladender“, sagt Frank Richter, Vorsitzender der SPD-Fraktion und des Stadtplanungsausschusses. „Die Rampen sollten offen sein. Vielleicht können sie mit Außengastronomie noch attraktiver gemacht werden. Die Unterführung ist mit Oberlichtern und einer Höhe von 3,50 Meter so großzügig gestaltet, dass sie nicht wie ein Tunnel wirkt.“

Nach dem Entwurf von Raumwerk enden die Rampen jeweils in den Straßenmitten. Der Schloßmühlendamm ist demnach breit genug, um ein bis zwei Fahrbahnen an die Unterführung abzugeben. Die Fahrbahnen rechts und links davon würden vom Durchgangsverkehr frei gehalten werden, so Richter, dort dürften nur noch Busse und Anlieger fahren. Um Platz auf der Harburger Schloßstraße zu schaffen, müsste sie möglicherweise zur Einbahnstraße werden. Dies und viele andere Details müssten in einem Verkehrsgutachten geprüft werden, so Richter. Dazu gehöre auch die Option, dass auch Busse die Unterführung nutzen.

Alternativlösung am Schloßmühlendamm

Damit die Rampen nicht zu lang werden (vorgeschlagen sind knapp 42 Meter), haben sie ein Gefälle von zwölf Prozent und sind deshalb nicht barrierefrei. Auf beiden Seiten müssten Aufzüge eingeplant werden. Hier sehen die Harburger Stadtplaner einen „großen Handlungsbedarf“ für eine rollstuhlgerechte Querung: „Bis auf die Verknüpfung über die Seevestraße/Hannoversche Straße gibt es heute keine rollstuhlgerechte Verbindung (Neigung geringer als sechs Prozent oder Aufzug) zwischen dem Binnenhafen und der Innenstadt.“

Auch bei der Alternativlösung am Schloßmühlendamm – eine Brücke über die Buxtehuder Straße und die Bahntrasse – wären Aufzüge nötig. Beide Lösungen, Unterführung oder Brücke, seien technisch machbar, sagt Richter. So sieht es auch die Verwaltung: „Das Bezirksamt ist bislang noch ergebnisoffen, weshalb in einer Machbarkeitsstudie beide Möglichkeiten untersucht werden sollten. Für eine Brücke spricht die bessere Aus- und Übersicht und für eine Unterführung der geringere Höhenunterschied, der zu überwinden ist.“

Der Bezirk strebt insgesamt vier Verbindungen an, um die Innenstadt über die Bahntrasse hinweg (oder drunter hindurch) mit dem Binnenhafen zu verknüpfen. Die anderen drei sind südöstlich der großen Unterführung anvisiert. Zwischen dem Schellerdamm und dem großen Schippsee ist bereits eine Brücke vorhanden - mit Treppe. Eine neue Verbindung könnte von der Goldschmidtstraße (am Parkhaus des Edeka-Center Harburg) auf das ehemalige Firmengelände von Harburg-Freudenberger Maschinenbau führen. Dort, jenseits der B 73 und der Bahntrasse, soll ein neues Viertel entstehen, das Quartier Seevekanal. Dort ist wegen der Nähe zum Schienenverkehr und zu den beiden pulsierenden Verkehrsadern Hannoversche und Buxtehuder Straße weiterhin vornehmlich Gewerbe vorgesehen.

Seevekanalquartier übernimmt Scharnierfunktion

„Das Seevekanalquartier übernimmt eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Binnenhafen und Bahnhof“, urteilen die Stadtplaner. Sie verfolgen zwei Ansätze: „die grüne Einbettung des Seevekanals mit einer Gewässeraufweitung“ sowie einen sanft ansteigenden, für Rollstuhlfahrer nutzbaren Weg, der „in einen Eingangsplatz an der Bahnbrücke der Hannoversche Straße mündet“.

Was unter welchen Umständen von wem finanziert werden wird, ist noch offen. Baudezernent Hans Christian Lied gibt sich optimistisch: „Die Konsequenzen, dass hier zwei innerstädtische Stadtteile für den Fuß- und Radverkehr nur mangelhaft miteinander verbunden sind, wurden lange Zeit unterschätzt. Insofern hegt das Bezirksamt die Hoffnung, dass der Verknüpfung zukünftig mehr Priorität eingeräumt wird.“

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