Hamburg

"Todeskurven": Grüne fordern Tempo 30 auf dem Nincoper Deich

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Lars Hansen
Der Nincoper Deich ist eine der wenigen Hamburger Landstraßen. Die Grünen fordern hier Tempo 30.

Der Nincoper Deich ist eine der wenigen Hamburger Landstraßen. Die Grünen fordern hier Tempo 30.

Foto: xl

Der Radverkehr soll damit sicherer werden. Doch die Polizei lehnt eine weitere Geschwindigkeitsbegrenzung ab.

Harburg/Neuenfelde. Der Nincoper Deich zwischen Hamburg-Neuenfelde und Rübke im Landkreis Harburg ist eine der wenigen echten Landstraßen im Bundesland Hamburg: Zwischen der Landesgrenze und dem gelben Schild, das die Grenze der geschlossenen Ortschaft Hamburg markiert, verläuft er etwa eineinhalb Kilometer durch unbebautes Gebiet.

Die Harburger Grünen fordern, die Geschwindigkeit auf dieser Landstraße auf 30 km/h zu begrenzen. Die Polizei in ihrer Funktion als Straßenverkehrsbehörde lehnt das ab. Die Grünen wollen in der Angelegenheit allerdings nicht locker lassen.

Bei Pendlern, die aus dem Unterelberaum zu Airbus oder in den westlichen Hafen wollen, ist er eine Art Geheimtipp. Wenn in einigen Jahren die A26 bis zur Abfahrt Neu Wulmstorf führt und es eine Ortsumgehung für Rübke gibt, wird sich dieser Effekt noch deutlich verstärken.

„In Neuenfelde nennt man den Abschnitt die Todeskurven“

Wirklich schnell, also die sonst auf Landstraßen üblichen 70 bis 100 km/h, darf man auf dem Nincoper Deich ohnehin nicht fahren. Wegen der vielen Kurven zwischen Neuenfelde und Rübke ist die Geschwindigkeit bereits auf 50 km/h reduziert. Auf dem Neuenfelder Teil, zwischen Hamburger Ortsschild und Nincoper Straße, gilt für Lkw bereits jetzt Tempo 30.

Die Neuenfelder Grünen-Bezirksabgeordnete Corine Veithen argumentiert, dass Fußgänger und Radfahrer auf dem außerörtlichen Teil nur unzureichend geschützt seien. Der kombinierte Fuß- und Radweg auf der Westseite der Straße ist ihrer zu Meinung nach zu schmal und in keinem guten Zustand. Damit Radfahrer angstfrei die Fahrbahn benutzen können, müsse die Geschwindigkeit hier noch weiter reduziert werden. „In Neuenfelde nennt man diesen Abschnitt auch die Todeskurven“, sagt sie, „da möchte niemand gerne entlangradeln.“

Polizei hält Fuß- und Radwege für ausreichend geschützt

In der Tat kommt es dort regelmäßig zu Unfällen. Meistens, weil Autofahrer die vorgeschriebenen 50 km/h überschreiten. Allerdings, so argumentiert die Polizei, habe es in den letzten Jahren hier keine Unfälle mit Radfahrern oder Fußgängern gegeben. In der engsten Kurve – übrigens der einzigen, die in Neuenfelde tatsächlich „Todeskurve“ genannt wird – ist eine Leitplanke angebracht.

Ansonsten, so schreibt die Polizei in ihrer Stellungnahme, sei der Fuß- und Radweg durch die schwarz-weißen Markierungspfähle ausreichend geschützt. Wer sich die Pfeiler vor Ort aber ansieht, findet in den Außenkurven nur wenige, die keine Anprallspuren haben. Vor Ort fällt ebenfalls auf, dass der Fuß- und Radweg nur in Ausnahmefällen die von der Polizei angegebene Breite von zwei Metern aufweist. Selbst zwei Meter würden den heutigen Normen für kombinierte Fuß- und Zweirichtungsfahrwege übrigens nicht entsprechen.

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In ihrer Stellungnahme kommt die Polizei zu dem Schluss, dass eine besondere Gefährdungslage, die Tempo 30 rechtfertigen würde, hier nicht gegeben sei, zumal es kaum Fußgänger- und Radverkehr hier gebe. Radverkehr sei hier meist touristischer Natur und fände deshalb auch außerhalb der Pendlerzeiten statt, in denen am meisten Autos fahren.

Radfahrern soll erlaubt werden, Fahrbahn zu benutzen

Corine Veithen findet das nicht hinnehmbar: „Dass hier bislang noch wenige Radfahrende unterwegs waren, verwundert bei der unattraktiven Strecke kaum. Man fühlt sich auf dieser Straße total unsicher", sagt sie. „Mit dem Rad zum Einkaufen nach Neu Wulmstorf zu fahren, zurzeit mit gutem Gefühl kaum möglich!“

Bislang haben Radfahrer die Strecke von Neuenfelde nach Neu Wulmstorf – hier befinden sich der nächste Bahnhof, zwei Schwimmbäder und viele Einkaufsmöglichkeiten deshalb auf dem Umweg über den Nincoper Moorweg fernab vom Autoverkehr zurückgelegt. Dieser ist aber seit Herbst und für die nächsten Jahre durch die Autobahnbaustelle für die A26 gesperrt. Damit bleibt der Nincoper Deich als einzige Verbindung.

Den Fuß- und Radweg in Ordnung zu bringen, würde von Planung bis Fertigstellung allerdings Jahre brauchen. Die Polizei schlägt deshalb vor, Tempo 50 beizubehalten, aber Radfahrern zu erlauben, die Fahrbahn zu benutzen. „Das ist der einzige Satz in der Stellungnahme, der Hoffnung macht“, sagt Corine Veithen, „das muss dann aber zügig umgesetzt werden!“

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