Bezirks-Serie

Harburg: Hier sollen neue Wohnungen zukünftig entstehen

Das Quartier Vogelkamp in Neugraben gehört zu den ehrgeizigen Neubauprojekten im Bezirk Harburg.

Das Quartier Vogelkamp in Neugraben gehört zu den ehrgeizigen Neubauprojekten im Bezirk Harburg.

Foto: moka-studio / IBA Hamburg

Serie: Das ändert sich 2021 in den Bezirken. Stadtentwicklung und Radwegebau stehen südlich der Elbe im Vordergrund.

Hamburg. Natürlich kämpft auch der Bezirk Harburg mit Einschränkungen durch die Pandemie. Die Fachausschüsse der Harburger Bezirkspolitik tagten 2020 nur selten, seit Anfang Januar laufen sie zumindest im Videoformat. Dennoch wird sich vor allem in den Bereichen Wohnungsbau und Verkehr auch in diesem Jahr viel bewegen.

Stadtentwicklung

Drei Wohnungsbauprojekte im Herzen Harburgs werden 2021 (weiter) in die Höhe wachsen. Am weitesten gediehen ist das Saga-Projekt (1) am Finanzamtsknoten (Knoopstraße/Harburger Ring). Dort entsteht ein Wohn- und Geschäftshaus mit 94 Wohnungen, 30 Tiefgaragenplätzen und fünf Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss. Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 wird das Gebäude bezugsfertig sein. Am Harburger Ring soll 2021 mit dem Hochbau auf der Fläche des ehemaligen Harburg-Centers (2) begonnen werden.

Gut 200 Wohnungen sowie Einzelhandel sind an dem prominenten Standort im Herzen Harburgs geplant. Und westlich der Marktfläche am Sand ist jetzt die Gebäudezeile am westlichen Rand, an der Neuen Straße abgerissen worden. Möglichst schon im März soll am Rande von Hamburgs ältestem Wochenmarkt der Bau von knapp 80 seniorengerechten Wohnungen (3) starten. Auch hier wird das Erdgeschoss belebt: Der Investor AVW Immobilien möchte dort zwei Gastronomiebetriebe ansiedeln, inklusive Außengastronomie zur Marktfläche hin.

Andernorts könnte ein markanter Bau womöglich aus dem Stadtzentrum verschwinden: Der Kirchturm von St. Johannis (4) an der Bremer Straße steht kurz vor dem Abriss, weil die Sanierung des 1950er-Jahre-Baus mit voraussichtlichen Kosten von 1,5 Millionen Euro kaum bezahlbar ist. Ende November wurde jedoch bekannt, dass die Hälfte der Kosten vom Bund getragen würde. Nun überlegen die Gemeinde Harburg-Mitte und der Kirchenkreis Hamburg-Ost, wie sie mit der Situation umgehen.

Möglicherweise gibt es Unterstützung von der Stadt; erste Gespräche sollen noch im Januar aufgenommen werden. Im Laufe des Jahres wird das Schicksal des Bauwerks besiegelt. Unweit entfernt, im Phoenix-Viertel, wird die Obdachlosen-Einrichtung Harburg-Hus (5) am Außenmühlenweg eine sozialpolitische Baustelle: Sie soll in diesem Jahr in ein benachbartes Gebäude umziehen. Der neue Mietvertrag ist allerdings noch nicht abgeschlossen, während der alte bereits vom Vermieter gekündigt wurde. Die Bezirkspolitik ist erbost und macht Druck auf den Investor.

Im Binnenhafen sind ebenfalls einige größere Bauprojekte in Arbeit. Drei von ihnen sind besonders markant: Das neue Forschungszentrum des Fraunhofer Center für Maritime Logistik (6) am Lotsekanal ist im Rohbau fertig; im achtstöckigen Gebäude läuft der Innenausbau. Es soll im Herbst bezugsfertig sein und dann das Forschen am und auf dem Wasser ermöglichen. Gleich gegenüber, auf der anderen Seite der Blohmstraße, werden ein 165-Zimmer-Hotelneubau und ein Bürogebäude mit Gastronomie entstehen: das Projekt Aqua2Dock (7) der Gebrüder Mönke, Inhaber des Paletten-Service Hamburg. Die alten Lagerhallen sind abgerissen; das Baugelände liegt bereit. Zunächst muss jedoch noch eine denkmalgeschützte Kaimauer saniert werden. Die Bauherren sind optimistisch, dass die Nachfrage nach Hotelbetten und Büroräumen bis zur Fertigstellung im Jahr 2023 wieder anziehen wird.

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Ebenfalls in engster Nachbarschaft, nördlich des Lotsekais auf der Schlossinsel, ist ein aus drei Gebäuden bestehender Bürokomplex geplant. Die prominente Brachfläche schräg gegenüber vom Kanalplatz diente bis 2019 noch als Fest- und Veranstaltungsplatz. Inzwischen sperrt ein Bauzaun das Gelände ab. 2021 werden zumindest die vorbereitenden Arbeiten des Projekts Lightywood (8) durchgeführt, kündigt Achim Nagel vom Projektentwickler Primus Developments an.

In Neugraben-Fischbek wird besonders kräftig gebaut. Der Vogelkamp in Neugraben, eines der größten Neubaugebiete Hamburgs, ist weitgehend komplett. Doch der Eingang zum S-Bahnhof Neugraben besteht noch aus einer trostlosen Beton-Überquerung der Gleise und endet an einem Parkhaus. Der neue „Quartierseingang“ vom Vogelkamp (9) ist bereits in Arbeit, zwei Wohn-Hochhäuser sollen dort ein markantes Tor bilden. In der Mitte ist ein neues Treppengebäude mit zwei gläsernen Aufzügen und Kiosk als zentraler Verbindungsteil zum S-Bahnhof vorgesehen. Und das soll 2021 bereits fertiggestellt sein. Ebenso ein neuer Fußgängertunnel weiter westlich unterhalb der Gleise, der eine zweite Verbindung zwischen dem Neugrabener Zentrum und dem Vogelkamp schaffen soll.

Das Gelände der früheren Röttiger-Kaserne in Fischbek (10) ist mittlerweile komplett mit Einfamilienhäusern und Geschosswohnungen bebaut, 1200 Wohneinheiten entstanden hier im Fischbeker Heidbrook. Nur mit dem Umbau der alten, in den 1940er-Jahren errichteten Kasernengebäude aus massivem Backstein hapert es ein wenig. Immer wieder stieß der Investor DeepGreen Development auf Überraschungen wie Stahlträger oder Keller, die in keinem alten Plan eingezeichnet waren. 2021 sollen die „Fischbeker Höfe“ mit ihren 116 Senioren-Apartments endlich bezogen werden können.

Gleichzeitig ist im Frühjahr auf dem Gelände der Baustart für ein radikales Öko-Haus anvisiert, das derselbe Investor plant: Das Holzgebäude „Smoodje“ umfasst zwölf Reihenhäuser und wird teils aus den alten Dachbalken der Kaserne gebaut. Jenseits der B 73 liegt das dritte große Neubaugebiet: Die Fischbeker Reethen (11) an der Landesgrenze zum niedersächsischen Neu Wulmstorf sollen ein Wohn- und Gewerbegebiet mit Gartenstadt-Anmutung werden, wie es bei der städtischen Entwicklungsgesellschaft IBA heißt. Geplant sind 2300 Wohneinheiten. Im Frühjahr oder Sommer soll die Vermarktung der sehr begehrten Einfamilienhaus-Grundstücke starten.

Am Neugrabener Markt sind die Tage von Kundenzentrum und Polizeistation (12) gezählt. Bis Ende 2021 läuft für den in den 1970er-Jahren gebauten Backstein-Komplex noch der Mietvertrag. Zwar gibt es eine Verlängerungsoption. Doch der Umzug von Polizei und Kundenzentrum in die Nähe des Neugrabener Bahnhofs ist bereits weitgehend geplant. Was mit dem früheren Ortsamt Süderelbe geschieht, wird sich noch 2021 entscheiden: Die bislang bestehenden Investorenpläne für einen neuen, bis zu acht Stockwerke hohen Wohnkomplex – und damit für einen Abriss des alten Backstein-Gebäudes – waren gescheitert, weil dieses seit einigen Monaten unter Denkmalschutz steht.

Bildung

Nach den Sommerferien soll die „Grundschule am Park“ (13) im gründerzeitlichen Altbau des einstigen Mädchengymnasiums am Schwarzenberg eröffnet werden. Sie füllt eine große Lücke im Schulnetz: Seit dem Wegzug der Schule Kerschensteinerstraße gab es in der westlichen Innenstadt über mehrere Jahre keine Grundschule mehr. Die neue Schule ist auch für ABC-Schützen aus dem Binnenhafen zuständig. Das ist durchaus umstritten, weil die Kinder die Bahntrasse und die stark befahrene B 73 queren müssen – die bestehende Unterführung gilt als sanierungsbedürftig.

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Einen Steinwurf entfernt wird die Technische Universität Hamburg (TUHH) (14) sehr bald einen neuen Präsidenten ins Amt einführen: Prof. Andreas Timm-Giel tritt die Nachfolge vom Niederländer Ed Brinksma an, der die TUHH im September Richtung Rotterdam verlassen hatte. Timm-Giel übernahm das Amt bereits kommissarisch und war zuvor sechs Jahre lang Vizepräsident der Hochschule. Der Leiter des Instituts für Kommunikationsnetze wird noch in diesem Quartal das Präsidentenamt offiziell antreten. Die Hochschule will weiter wachsen. Die Budgetverhandlungen zwischen der TUHH und der Wissenschaftsbehörde für die kommenden Jahre stehen kurz vor dem Abschluss. Klar ist: Der sogenannte Zukunftsvertrag wird neben dem von Senat und Bürgerschaft beschlossenen Wachstum auch einige Einsparungen enthalten.

Verkehr

Sanierungen maroder Hauptverkehrsachsen, der Ausbau der Velorouten und manchmal die Kombination aus beidem bestimmen das neue Jahr auf Harburgs Straßen. Am Ehestorfer Heuweg (15) wird im Frühjahr weitergebaut. Hier hat sich ein Projekt, das zunächst als kleine Radwegverbesserung gedacht war, zum kompletten Neubau einer wichtigen Verbindungsstraße ausgewachsen. Im Herbst 2019 war während der Bauarbeiten der Boden weggesackt, und ein tiefes Loch tat sich auf: Hier verlief ein ehemaliger Bergwerkstollen, der offenbar nicht verfüllt worden war. Umfangreiche Untersuchungen folgten; alle vier vorhandenen Querstollen auf Hamburger Gebiet wurden von einer Spezialfirma saniert. Inzwischen wurde in mehreren Abschnitten weitergebaut. Der Ehestorfer Heuweg wird von Frühjahr bis Winter zwischen Waldorf-Schule und B 73 für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Vom Sommer an soll die Neuländer Straße (16) zwischen B 75 und Großmoorbogen grundsaniert werden. Bislang ist eine Teilsperrung geplant. An der Kreuzung Neuländer Straße/Hannoversche Straße wird gleichzeitig für die Veloroute 11 gebaut, ebenso auf dem nördlichsten Abschnitt der Hannoverschen Straße Richtung Elbbrücke. Auf der Route wird außerdem der Ausbau der Denickestraße zur Fahrradstraße fortgeführt. Die Abschnitte dazwischen durch die Harburger Innenstadt werden erst in den folgenden Jahren angegangen. Im Binnenhafen werden Baustellen für die Veloroute 10 am Kanalplatz und auf der Blohmstraße den Kraftverkehr ausbremsen. Außerdem wird die wichtige Binnenhafenzufahrt Seevestraße (17) im ersten Halbjahr voll gesperrt.

Kultur

Gut fünf Jahre schon ist sie hinter Bauplanen und mittlerweile hohen Kletterpflanzen versteckt: Seit einem Feuer im Jahr 2016 steht von der historischen Fischbeker Dorfschule (18) nur noch eine Ruine an der Cuxhavener Straße. In diesem Jahr soll dieses Relikt aus der dörflichen Geschichte der heutigen Vorstadtsiedlung wieder aufgebaut werden – vom Lebensmittelkonzern Aldi. Das sieht eine Vereinbarung mit dem Bezirk vor. Im Gegenzug konnte Aldi nebenan einen größeren Markt bauen. Im Erdgeschoss der alten Schule plant der Discounter einen Backshop, oben soll mit dem Süderelbe-Archiv Platz für Seminare und Ausstellungen zur Geschichte der Dörfer entstehen. Der Baubeginn ist im Frühjahr geplant.

Wie es mit kulturellen Veranstaltungen weitergeht, ist in Harburg ebenso unklar wie anderswo. Zumindest im Freien ist noch so etwas wie Kulturbetrieb möglich. Das Street-Art-Projekt „Walls Can Dance“ geht in eine weitere Runde. Beim Crowdfunding für das Jahr 2021 wurde genug Geld eingesammelt, um die Harburger Hausfassaden-Galerie, die aktuell aus neun großformatigen Werken besteht, um zwei weitere Gemälde wachsen zu lassen. Je eines soll im Binnenhafen und in der Innenstadt verwirklicht werden. Allein 2020 waren vier Werke hinzugekommen.

Auch auf der seit dem Frühjahr 2019 überdachten Freilichtbühne im Harburger Stadtpark (19) könnte wieder Leben einkehren. Sie wurde im Corona-Jahr 2020 nur zaghaft bespielt: Die Festivalwoche „Sommer im Park“ schrumpfte im August auf einen Tag zusammen. Absehbar schwieriger wird es mit Straßen- und ähnlichen Festen, bei denen die Besucherzahl nicht begrenzt werden kann und die Menschen viel herumlaufen. Bei der Absage des für Juni geplanten Harburger Binnenhafenfests versprachen die Organisatoren im März 2020: „Anfang Juni 2021 geht es weiter …“