Stelle

Politik entscheidet über Aldi-Logistiklager

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Lena Thiele
Protest gegen Aldi-Lager Stelle: Mehrere Bäume an der K 86 und ein dahinter liegendes Waldstück mit gesetzlich geschütztem Biotop müssten dem neuen Kreisel weichen, kritisiert der BUND.

Protest gegen Aldi-Lager Stelle: Mehrere Bäume an der K 86 und ein dahinter liegendes Waldstück mit gesetzlich geschütztem Biotop müssten dem neuen Kreisel weichen, kritisiert der BUND.

Foto: Thomas Rieckmann / BUND Ortsgruppe Stelle

Für Ansiedlung in Stelle ist ein Bebauungsplan notwendig. Kritiker befürchten Umweltschäden und Verkehrsbelastung.

Stelle.  Die umstrittenen Pläne für einen Umzug des Aldi-Zentrallagers von Seevetal nach Stelle sind an einem entscheidenden Punkt im politischen Entscheidungsprozess angelangt. Für den geplanten Neubau soll ein sogenannter vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Dieser ist auf das konkrete Bauvorhaben abgestimmt und sichert zugleich, dass ausschließlich das geplante Vorhaben dort erlaubt ist.

Der Ortsentwicklungsausschuss der Gemeinde Stelle befasst sich an diesem Mittwoch mit den Ergebnissen der dritten öffentlichen Auslegung des Plan­entwurfs. Gibt der Ausschuss und anschließend der Rat der Gemeinde grünes Licht für das Projekt, müsste noch der Landkreis Harburg eine entsprechende Baugenehmigung erteilen.

Aldi-Standort in Ohlendorf ist nicht mehr zeitgemäß

Der Plan für das „Sondergebiet Logistikzentrum Fachenfelde-Süd“ soll den Neubau eines Logistiklagers in Stelle ermöglichen. Aldi will nach rund 50 Jahren seinen Standort in Ohlendorf verlassen, da dieser nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen entspricht.

In Stelle soll auf einem 17 Hektar großen Grundstück an der Harburger Straße ein Gebäude entstehen, das mit 42.500 Quadratmetern etwas kleiner als das bisherige ist. Zur Investitionssumme äußert sich Aldi nicht. Mieter wird die Aldi Nord Regionalgesellschaft Seevetal. Nach Angaben des Unternehmens werden in dem Zentrallager etwa 280 Arbeitsplätze benötigt, ein Großteil der Mitarbeiter zieht vom alten Standort mit um. Läuft alles nach Plan, könnte der Umzug im Jahr 2023 erfolgen.

Kritiker befürchten Umweltzerstörung und mehr Verkehr

Kritiker des Bauprojekts befürchten massive Nachteile für die Umwelt und das Leben der Anwohner im Umfeld des Neubaus, unter anderem durch Eingriffe in die Natur und zusätzlichen Verkehr. Die Steller Ortsgruppe des BUND spricht sogar von „katastrophalen Auswirkungen der Großbaustelle auf die Steller Wohn- und Umweltqualität“. Sie hat im Zuge der öffentlichen Auslegungen zahlreiche Einwendungen gegen das Projekt vorgebracht.

Die Naturschützer kritisieren zudem, dass für den Bau des geplanten Kreisverkehrs mehrere Bäume an der Kreisstraße 86 gefällt und ein geschütztes Biotop zerstört werden müssten. Eine Entscheidung des Landkreises, ob der Schutz der Pennekuhle aufgehoben werde, stehe noch aus, sagt Thomas Rieckmann von der BUND-Ortsgruppe. „Damit gibt es keine Rechtsgrundlage für die Zerstörung des Biotops.“

All dies könne nicht mit einem öffentlichen Interesse an der Ansiedlung des Zentrallagers begründet werden. Das Logistikunternehmen weise ein extrem schlechtes Verhältnis von Arbeitsplätzen zur in Anspruch genommenen Fläche auf. Zudem sei zu erwarten, dass Aldi in den kommenden Jahren keine Gewerbesteuer an die Gemeinde zahlen werde.

Aldi erwartet Normalisierung der Gewerbesteuerzahlungen

Dass die Gewerbesteuerzahlungen in den vergangenen Jahren gering ausgefallen oder sogar weggefallen sind, begründet das Unternehmen mit der derzeit laufenden Modernisierung aller Aldi-Filialen. Die dafür notwendigen Investitionen verringerten den Gewinn des Unternehmens, sodass Aldi einen sogenannten Verlustvortrag geltend machte. Dieser kann mit künftigen Gewinnen verrechnet werden, allerdings nicht unbeschränkt. „Da lediglich in zwei Jahren Gewerbeverluste erzielt wurden, könnte der Verlustvortrag bereits durch ein oder wenige Gewinnjahre aufgebraucht sein. Im für alle besten Fall bereits durch potenzielle Gewinne des Jahres 2020“, hatte Alexander Schwarz, Senior Manager Logistics Development bei der Aldi Immobilienverwaltung IMV, die Bauherr des Projekts ist, im Gespräch mit dem Abendblatt gesagt. Das Modernisierungsprogramm sei zu 80 Prozent abgeschlossen. „Wir sind ein gesundes Unternehmen und gehen davon aus, dass sich unsere Gewerbesteuerzahlungen wieder normalisieren.“

Seevetal befürchtet Überlastung der Autobahnauffahrt Maschen

Die Gemeinde Seevetal hat Bedenken, dass der Neubau zu einer zusätzlichen Verkehrsbelastung im Bereich des schon heute stark beanspruchten Autobahnanschlusses Maschen führt. Auf Grundlage einer Resolution des Rats setzt sie sich dafür ein, die Errichtung des Logistikzentrums solange auszusetzen, bis eine verlässliche und tragfähige verkehrliche Lösung entwickelt ist. Diese sollte auch weitere Entwicklungsmöglichkeiten in den Gemeinden Stelle und Seevetal sicherstellen.

Die erneute eingeschränkte öffentliche Auslegung für vier Wochen im August war notwendig geworden, nachdem die seltene Feldgrille auf dem Gelände gesichtet worden war. Daraufhin musste der Umweltbericht aktualisiert werden. Einwendungen waren in dieser Phase nur noch möglich, wenn sie sich auf die geänderten Passagen bezogen. Außer dem BUND und der Gemeinde Seevetal äußerten sich der Landkreis Harburg, der Nabu Winsen sowie mehrere Bürger. Der Ortsentwicklungsausschuss befasst sich heute von 19 Uhr an mit dem Thema. Er kommt in der Schulsporthalle am Büllerberg 15a zusammen. Die Entscheidung fällt am Ende der Gemeinderat.

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