Corona-Regeln

Harburger spielen jetzt im Landkreis Tennis

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Maximilian Bronner
Im November 2017 übernahm der Harburger SC die sogenannte Tietz-Halle in der Scharfschen Schlucht (von links): HSC-Präsident Ehrhard Erichsen, Tennis-Sportwart Stefan Wippich, Lothar Tietz, der die Halle 1980 bauen ließ, und Karsten Weber, Vorsitzender der Tennisabteilung.

Im November 2017 übernahm der Harburger SC die sogenannte Tietz-Halle in der Scharfschen Schlucht (von links): HSC-Präsident Ehrhard Erichsen, Tennis-Sportwart Stefan Wippich, Lothar Tietz, der die Halle 1980 bauen ließ, und Karsten Weber, Vorsitzender der Tennisabteilung.

Foto: Harburger SC / HA

In Niedersachsen darf in der Halle gespielt werden. Vereine im Bezirk Harburg leiden derweil unter leeren Plätzen und fehlenden Einnahmen.

Harburg.  Karsten Weber ist sauer. Da aufgrund der in Hamburg geltenden Corona-Verordnung Tennishallen zurzeit geschlossen bleiben müssen, muss der Vorsitzende der Tennis-Abteilung des Harburger Sport-Clubs (HSC) mit ansehen, wie seine Mitglieder nach Niedersachsen ausweichen . Dort sind die Hallen für Tennis-Einzel und -Doppel mit jeweils zwei Hausständen weiterhin geöffnet. „Von der Regelung in Hamburg halte ich gar nichts. Es kann nicht sein, dass wir fünf Kilometer über die Landesgrenze fahren und dann Tennis spielen können. Wir sind hier alle wahnsinnig vorsichtig, für mich ist das völlig unverständlich“, ärgert sich Weber.

Pro Monat fehlen 10.000 Euro Einnahmen

Eigentlich bietet das HSC-Tennis-Center an der Scharfschen Schlucht seinen Vereinsmitgliedern drei Hallenplätze. Auch Gäste können Hallenzeiten buchen. Das Problem: Das Tennis-Center liegt im Bezirk Hamburg-Harburg, etwa 650 Meter von der niedersächsischen Landesgrenze entfernt. „Die Mitglieder spielen jetzt in Meckelfeld, Klecken, Hollenstedt, Buchholz, Stelle oder Maschen. Das macht neutral betrachtet keinen Unterschied, die Gefahr bleibt gleich groß“, schimpft Weber.

Durch die ausbleibenden Platzbuchungen verliere der Verein monatlich etwa 10.000 Euro. „Alle fahren jetzt nach Niedersachsen. Die Vereine in unserem Umkreis verdienen sich eine goldene Nase und wir sind pleite“, sagt er. Die Hamburger Innen- und Sportbehörde begründet ihr Vorgehen derweil mit dem hohen Corona-Infektionsgeschehen. „In der Freien und Hansestadt Hamburg wurde die einheitliche Regelung getroffen, dass der Sportbetrieb in geschlossenen Räumen untersagt ist.

In Hamburg darf nur auf Außenplätzen gespielt werden

Dies gilt sowohl für Sporthallen als auch für Tennishallen oder Fitnessstudios. Eine Differenzierung nach Sportarten wird bei den genannten Regelungen in der in Hamburg geltenden Eindämmungsverordnung nicht vorgenommen. Somit ist derzeit die Ausübung des Tennissports lediglich im Freien möglich“, schreibt die Behörde auf Abendblatt-Anfrage. Ausnahmen gebe es nur für Kaderathleten und Berufssportler.

Somit dürfen Spielerinnen und Spieler in Hamburg derzeit nur auf Außenplätzen Tennis spielen. Im Winter sei das jedoch kaum möglich, weiß Karsten Weber. „Im Winter ist oft zu starker Wind, es ist zu kalt und es liegen viele Blätter auf den Plätzen. Viel Spaß macht das nicht“, sagt Weber.

Nur neun Autominuten bis zum Einzel in der Halle

Neun Autominuten von der geschlossenen HSC-Tennishalle an der Scharfschen Schlucht entfernt liegt die Halle des Hittfelder Tennis-Clubs. Mehrere Hamburger Vereine haben dort Plätze gebucht, um weiterhin Tennis spielen zu können. Einzel sind erlaubt, Doppel innerhalb des eigenen Hausstandes ebenfalls. „Hier läuft alles coronagerecht ab, die Abstände werden eingehalten. Die Duschen und Umkleiden sind geschlossen, die Spieler tauschen nur ihre Straßenschuhe gegen Tennisschuhe“, sagt Winfried Schwehn vom Hittfelder TC. Der Verein könne die zusätzlichen Buchungen zwar noch kompensieren, grundsätzlich seien die Kapazitäten aber begrenzt. „Unsere Halle ist ziemlich ausgebucht. Viele, die früher Doppel gespielt haben, müssen jetzt auf Einzel ausweichen und brauchen somit mehr Hallenzeiten“, sagt Schwehn.

Die meisten Landkreis-Hallen sind durchgängig belegt

Auch Thomas Brandes vom MTV Ashausen-Gehrden erlebt zurzeit deutlich mehr Buchungen. An den Wochenenden seien alle drei Hallenplätze in der Regel durchgängig belegt. „Wir haben mehr Buchungen, darunter auch viele Leute aus Hamburg. Sonst haben wir pro Monat, abgesehen von den festen Buchungen, etwa zehn bis zwölf zusätzliche Buchungen. Die haben wir jetzt in einer Woche“, sagt Brandes.

Obwohl der MTV Ashausen-Gehrden finanziell von dem Verbot in Hamburg profitieren kann, hat er wenig Verständnis für die Regelung. „Über die Autobahn ist man aus Altona in 25 Minuten bei uns. Es ist ungerecht, dass man in Niedersachsen in der Halle spielen darf, in Hamburg aber nicht“, ist seine Auffassung.

Tennis-Abteilung gerät in Existenznot

Da für den Harburger SC die Einnahmen wegfallen, sieht Karsten Weber seine Abteilung in Existenznot. „Es gibt kaum finanzielle Unterstützung. Den Sportfonds können wir beispielsweise nur in Anspruch nehmen, wenn der gesamte Club von der Insolvenz bedroht ist. Das gilt für uns aber noch nicht.“

Auch wenn die Mitglieder dem HSC bisher die Treue hielten, sorge er sich um die Zukunft. „Wir brauchen eine Perspektive, die wir den Leuten bieten können. Wir können ihnen aber nicht zusagen, dass es im Januar weitergeht“, sagt Weber. Anfang November schrieb der Hamburger Tennis-Verband einen offenen Brief an Bürgermeister Peter Tschentscher. „Für die Hamburger Tennisvereine bedeutet das Verbot, in den Tennishallen Individualsport auszuüben, kaum verkraftbare wirtschaftliche Verluste. Im Unterschied zu vielen anderen Sportarten betreiben die Hamburger Tennisvereine eigene Hallen, deren Bau vielfach durch Darlehen finanziert wurde“, heißt es darin.

Behörde für Inneres und Sport macht keine Ausnahme

Neben dem Harburger SC haben elf weitere Vereine aus dem Hamburger Süden den offenen Brief unterschrieben. Eine direkte Reaktion habe es nicht gegeben, sagt Karsten Weber. „Wir verhalten uns alle einsichtig und vernünftig. Trotzdem kann diese Regeln kein Mensch mehr begreifen“, ärgert er sich.

Die Hamburger Behörde für Inneres und Sport schreibt hierzu auf Abendblatt-Nachfrage: „Das Schreiben des Hamburger Tennisverbands vom 6. November 2020 wurde – entgegen dem üblichen Vorgehen bei offenen Briefen – beantwortet. Die Freigabe von Sport in geschlossenen Räumen werde zum passenden Zeitpunkt in die behördenübergreifenden Abstimmungen eingebracht. Der Verband hat für die Reaktion und das Verständnis für die Lage des Tennissports gedankt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landessportamtes stehen im Austausch mit dem Hamburger Tennisverband“.

Niedersachsen – eine starke Stimme für den Sport

In Niedersachsen dürfen auch nach Verlängerung des Teil-Lockdowns Tennis-Einzel und -Doppel mit jeweils zwei Hausständen in der Halle gespielt werden. Auch Trainer dürfen unter Einhaltung der Vorgaben und Abstandsregelungen ihrem Beruf nachgehen. „Für diese Entscheidung sind wir sehr dankbar. Sie gibt dem Individualsport einen hohen Vertrauensvorschuss“, sagte Raik Packeiser, Präsident des Tennisverbandes Niedersachsen-Bremen (TNB). „Es wird zudem deutlich, dass das Land Niedersachsen für den Sport eine starke Stimme erhebt.“

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