Borhen „Bo“ Azzouz

Der Netzwerker kann auch anpacken

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Lars Hansen
Borhen Azzouz ist Vorsitzender des Deutschen Event-Verbandes.

Borhen Azzouz ist Vorsitzender des Deutschen Event-Verbandes.

Foto: Lars Hansen / xl

Junger Unternehmer vertritt als Vorsitzender des Deutschen Event-Verbandes die Interessen einer coronagebeutelten Branche.

Harburg.  Wenn bei Borhen „Bo“ Azzouz das Telefon klingelt, kann es gut sein, dass jemand Wichtiges dran ist. Ein Minister zum Beispiel, oder ein Senator. Denn seit die Corona-Pandemie seine ganze Branche lahmgelegt hat, ist der 37-jährige Event-Unternehmer um ein Amt reicher geworden: Bo Azzouz ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Event-Verbandes. Die Vereinigung der Veranstaltungsunternehmer hat sich erst im Zuge der Corona-Krise gegründet und daran war Bo Azzouz nicht ganz unbeteiligt.

Es ist nun nicht so, dass Bo Azzouz zuwenig Ehrenämter hätte: Er ist zum zweiten Mal amtierender König der Harburger Schützengilde, aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr Eißendorf, wo er auch schon sechs Jahre lang stellvertretender Wehrführer war. Bo Azzouz ist ein „Anpacker“. Und er ist jemand, der sich und andere Leute überzeugen und vernetzen kann „und darauf kommt es ja hauptsächlich an“, sagt er.

So kommt es, dass er nur wenige Tage untätig blieb, als im Frühjahr das öffentliche Leben und damit auch sämtliche Veranstaltungen, bei denen Menschen zusammenkommen, radikal heruntergefahren wurde. „Dann bat mich ein Freund, für sein Internetmagazin doch einmal aufzuschreiben, wie uns die Krise betrifft, und ich tat das.“

Der Artikel rief große Resonanz hervor, sowohl bei anderen Event-Unternehmern, als auch bei der Politik. „Nur einen Tag später rief mich der Harburger Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi an und wir redeten lange über die Möglichkeiten, unsere Anliegen in die Politik zu bringen“, sagt Azzouz, „er räumte mir aber wenig Chancen ein, dass ich den Forderungen der Veranstaltungsbranche in näherer Zukunft Gehör verschaffen kann.“

Hakverdi sollte nicht Recht behalten. Es ist erst wenige Tage her, da sprach Bo Azzouz als Experte vor dem Tourismusausschuss des Bundestages. „Die anderen Verbände, die gehört wurden, betreiben schon seit Jahrzehnten Lobbyarbeit“, sagt Azzouz, „die DEHOGA, beispielsweise, oder der Schaustellerverband. Dass wir es aus dem Stand dahin geschafft haben, sehe ich als einen Riesenerfolg. Aber darauf können wir uns nicht ausruhen.“

„Viele der Hilfsprogramme greifen bei uns nicht wirklich“

Beigetragen zum Erfolg hat auch die medienwirksam in Szene gesetzte Großdemonstration „Alarmstufe Rot“ in Berlin Ende Oktober, die viel Aufmerksamkeit auf die Nöte der Branche lenkte. „Viele der Hilfsprogramme greifen bei uns nicht wirklich“, beklagt Azzouz, „weil sich Veranstaltungstechniker und Eventmanager oft in genau den Nischen bewegen, für die es kein Geld gibt.“So dürften beispielsweise entgangene Umsätze nicht angerechnet werden, deren Leistungen im Ausland erbracht worden wären. „Die großen deutschen Veranstaltungstechniker leben aber von ihrem international guten Ruf“, sagt Borhen Azzouz, „viele Europatourneen der großen Stars beginnen in Deutschland und ziehen dann mit der deutschen Crew über den Kontinent. Als entgangenes Geschäft kann man aber derzeit nur die Konzerte in Deutschland anrechnen.“

Ebenfalls an der Realität vorbei gedacht sei, die wenigen Hilfsprogramme für Veranstaltungstechniker auf die Kompensation ausgefallener Kultur- und Freizeitevents zu beschränken. „Den größten und wichtigsten Teil ihres Umsatzes macht unsere Branche mit Tagungen und Firmenveranstaltungen. Auch die fallen gerade komplett weg.“Um der Branche zu helfen, müsse auch mehr für Solo-Selbstständige getan werden. Diese würden den größten Anteil der Beschäftigten im Veranstaltungssektor. „Kurzarbeitergeld greift für diese Leute nicht, und der vereinfachte Zugang zur Grundsicherung ist immer noch mit großen Hürden verbunden. Eigentlich müssten Soloselbstständige ihr komplettes Firmeninventar verkaufen, bevor sie bezugsberechtigt sind. Dann ist alles weg, was sie sich lange aufgebaut haben. Dass sie sich nach Corona wieder selbstständig machen, ist unwahrscheinlich. Wir brauchen den Unternehmerlohn als Teil der Förderung!“

Der Name „Sub-Events“ wurde zum Begriff

Borhen Azzouz war selbst zehn Jahre lang solo-selbstständig, bevor sein Geschäft zu einer richtigen Firma gewachsen war. Der Eißendorfer Jung’ mit tunesischen Eltern hat schon in seiner Schulzeit an der Realschule Weusthoffstraße angefangen, sein Hobby zum Beruf zu machen. „Zwei Freunde und ich haben Partys ausgestattet oder auch selbst veranstaltet. Nach der Schule sind die beiden anderen dann seriös geworden“, sagt er. „Ich nicht!“

Mit einem kleinen Inventar an Lampen und Lautsprechern begann Bos Laufbahn. Oft ließ er sich von anderen Veranstaltern als Aushilfe buchen oder übernahm selbstständig Teile der Aufträge. Immer öfter passierte es aber auch, dass er die Veranstaltungen komplett allein abwickelte. Dann kamen seine ersten Subunternehmer und Angestellten. Der Name „Sub-Events“ wurde zum Begriff. Heimat der Firma ist der Binnenhafen. Aus dem Büro hat man Wasserblick. Aber nur, wenn man sich vom Schreibtisch aus umdreht. Das macht Bo Azzouz nur selten. „Wir haben noch viel zu tun“, sagt er. „Als nächstes müssen wir die Wirtschaftsminister der Bundesländer von unser Sache überzeugen!“

Nicht so ganz nebenbei muss Borhen Azzouz auch noch die anderen Rollen in seinem Leben ausfüllen. Außer Schützengilde und Feuerwehr ist das noch eine weitere, die gleichermaßen fordert und belohnt: „Ich bin stolzer Vater und glücklicher Partner“, sagt er.

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