Hamburg

Neugrabens Busbahnhof ist fertig – mit Macken

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Axel Tiedemann
Noch fehlen Begrünung und Laternenköpfe: Der neue Busbahnhof mit Mittelinsel in Neugraben 

Noch fehlen Begrünung und Laternenköpfe: Der neue Busbahnhof mit Mittelinsel in Neugraben 

Foto: Axel Tiedemann / AT

Umbau kostete knapp fünf Millionen Euro. Kritik an zu langen Wegen, weil Busfahrer an besten Plätzen Pause machen.

Neugraben.  Noch fehlen an den Laternenmasten die Leuchten und auch einige Bäume sollen hier Anfang Dezember noch gepflanzt werden: Doch die Umgestaltung von Busbahnhof und dem weiteren Vorplatz am S-Bahnhof Neugraben ist nach Information des Bezirksamts Harburg jetzt weitgehend abgeschlossen. Knapp fünf Millionen Euro investierte die Stadt hier. Ziel war eine Optimierung des Busverkehrs, aber auch ein attraktiveres Erscheinungsbild dieser Nahtstelle zwischen Neubaugebiet Vogelkamp und dem Neugrabener Zentrum.

Auffälligste Neuerung am Busbahnhof ist jetzt nach dem Umbau eine große Mittelinsel, um die der Busverkehr im Einbahnstraßensystem herumgeführt wird. Ähnliche Lösungen gibt es auch in Altona oder Wandsbek – dort allerdings mit schützendem Regendach, wozu in Neugraben offensichtlich das Geld fehlte. Doch ausgerechnet diese „Insel-Lösung“ führt nun bei Fahrgästen und auch Kommunalpolitikern zu Unmut – während sie von der Hamburger Hochbahn als Bus-Betreiber besonders gelobt wird:

In einem Brief an das Abendblatt beschreibt beispielsweise ein Leser aus Fischbek das Problem: So sei jetzt die Haltestelle der vielgenutzten Linie 240 an das äußerste westliche Ende verlegt worden. Zuvor habe der Bus jedoch unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude gehalten. Aus Sicht des Lesers eine paradoxe Situation: Denn nun würden ausgerechnet auf diesen bahnhofsnahen Plätzen Busse geparkt, deren Fahrer dort ihre vorgeschriebene Fahrpause einlegten. Die Fahrgäste hingegen müssten nun bei Wind und Wetter auf ihrem Weg von und zur S-Bahn gut 80 Meter Fußweg in Kauf nehmen, was gerade für mobilitätseingeschränkte Menschen kaum zumutbar sei.

Frank Wiesner (SPD): „Verkehrswende geht anders!“

Die Kritik ist tatsächlich nicht ganz neu: Schon im Vorfeld der Planungen habe auch die Kommunalpolitik im Bezirk vor zusätzlichen Wegen für Fahrgäste gewarnt, sagt SPD-Verkehrsexperte Frank Wiesner. Doch man habe sich gegen die Fachbehörden eben nicht durchsetzen können. Etwas Ähnliches drohe nun auch am Harburger Busbahnhof, der ebenfalls umgebaut werden solle. „Verkehrswende geht anders“, so Wiesner.

Die Hamburger Hochbahn sieht durch die neue Mittelinsel indes überwiegend Vorteile, vor allem in ihrem Betriebsablauf. Damit habe man den Busbahnhof „kompakt gestalten können und fit für die Zukunft gemacht“, weil so für den angestrebten Hamburg-Takt mehr Busse und dichtere Takt gefahren werden könnten. Für die „Überliegeplätze“ zum Pausieren habe es hingegen im näheren Umfeld keinen anderen Platz gegeben. Zudem widerspricht die Hochbahn der Beobachtung, wonach sich insgesamt längere Fußwege ergeben hätten. Busse mit den meisten Umstiegen habe man näher an die S-Bahn gelegt, andere weiter weg. „Damit haben sich die Laufwege für einige Busse verkürzt und für andere im Umkehrschluss verlängert“, so eine Hochbahnsprechern.

Im Bereich wird nun mehr Fußgängerverkehr erwartet

Doch nicht nur die neue Bus-Insel ist hier im Neugrabener Bahnhofs-Umfeld eine augenfällige Neuerung. Gebaut wurde zudem in den vergangenen Wochen an und vor allem unterhalb der markanten Beton-Fußgängerbrücke, die von dort über die B73 und damit zum Neugrabener Zentrum führt. Auch mit Blick auf den geplanten Umzug von Polizei-Kommissariat und Bezirks-Kundenzentrum in die unmittelbare Nachbarschaft sei die Umgestaltung erfolgt, weil damit letztlich auch mehr Fußgängerverkehr erwartet werde.

Die Arbeiten sind dem Bezirksamt zufolge nun ebenfalls gerade Ende letzter Woche abgeschlossen worden. Der teils wilde Bewuchs dort ist verschwunden, es gibt ein neues Pflaster, ein paar neue Bänke, neue Straßenleuchten und einen leuchtend gelben Farbstreifen auf der eher trostlosen Betonbrücke. Dieser farbige Streifen solle die Fußgänger optisch in Richtung Zentrum lenken. Ziel, so das Amt, sei die „Schaffung eines attraktiven urbanen Freiraums mit angst-und barrierefrei nutzbaren Begegnungs- und Verweilräumen.“

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