Neugraben

Wegen Corona: Kündigungswelle bei Vereinen im Süden Hamburgs

HNT-Präsident Mark Schepanski im leeren vereinseigenen Fitnessstudio "FitHus". 

HNT-Präsident Mark Schepanski im leeren vereinseigenen Fitnessstudio "FitHus". 

Foto: Maximilian Bronner

Größter Breitensportverein im Hamburger Süden in Not: Fast jedes zehnte Mitglied verlässt Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft (HNT).

Hamburg.  Die Laufbänder und Hantelbänke stehen bereit, die Fitnessmatten und Aerobic-Stepper warten darauf, benutzt zu werden. Aber bis auf einen Mitarbeiter, der Online-Kurse vorbereitet, ist niemand da. „Gegen Abend kommen die jüngeren Mitglieder. Dann wird es normalerweise ziemlich voll“, sagt Mark Schepanski, als er am Dienstagnachmittag durch die leeren Gänge des vereinseigenen Fitnessstudios „FitHus“ schlendert. Schepanski ist Präsident der Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft (HNT), dem größten Breitensportverein im Hamburger Süden.

Mitglieder bekommen Beiträge zurückerstattet

„Wir versuchen, den Kontakt zu den Mitgliedern zu halten. Wir haben 3448 Briefe an alle Beitragszahlergruppen geschrieben. Das alleine hat 1600 Euro gekostet“, sagt Schepanski. Der Verein hatte bereits die Abteilungsbeiträge eingezogen, als die Politik den Sportvereinen am 2. November den Stecker zog. Stillstand. Nun hofft der HNT-Präsident, dass nicht noch mehr Mitglieder den Verein verlassen. „Die Mitglieder können ihre Beiträge für den November zu hundert Prozent zurückerstattet bekommen“, erklärt Schepanski.

Für Januar droht eine Kündigungswelle

Aber nicht alle Mitglieder bleiben. Während die HNT vor einem Jahr noch 5200 Mitglieder hatte, sind es aktuell nur noch knapp 5000. „Für Januar haben wir schon die erste Kündigungswelle bekommen. Wir rechnen jetzt mit 4850 Mitgliedern, die ins Jahr 2021 starten“, sagt der HNT-Präsident.

Während viele Mitgliedsbeiträge wegfallen, bleiben die laufenden Kosten bestehen. „Die Mietkosten, die Nebenkosten und die Personalkosten laufen weiter. Bei diesem Fitnessstudio sind die laufenden Kosten ziemlich hoch, das wird ein kleinerer Verein nicht haben. Das ist der Unterschied, den wir zu kleineren Vereinen haben“, erklärt Schepanski.

Rund 70 Menschen arbeiten für die HNT

Die HNT beschäftigt normalerweise rund 70 Mitarbeiter, etliche davon als Minijobber. „Diese geringfügig Beschäftigten können kein Kurzarbeitergeld bekommen. Also ruhen dort die Verträge - aber mit der Sicherheit, dass das Arbeitsverhältnis nach dem Lockdown weitergeht. Bis auf die Geschäftsführung und die Pressearbeit sind alle anderen Vollzeit-Mitarbeiter in Kurzarbeit. Das sind 20 unserer 25 Vollzeit-Stellen“, sagt der Präsident der Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft.

Verein nutzt Nothilfefonds des Bundes

Um keine Kredite beantragen zu müssen, nutzt die HNT den Nothilfefonds des Bundes. Im Mai habe der Verein bereits 40.000 Euro Hilfsgelder bekommen. „Jetzt sind wir gerade damit beschäftigt, zwischen 30.000 und 50.000 Euro aus dem zweiten Nothilfefonds zu beantragen. Der Verein wird durch die Krise kommen, auch wenn es bei den Mitgliederzahlen und Finanzen richtig weh tut“, versichert Schepanski. Die Hilfsgelder reichten zwar nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken, verhinderten jedoch, dass die HNT in finanzielle Schieflage gerate, erklärt der Vereinspräsident.

„Es tut weh, nicht das anbieten zu können, was wir jahrzehntelang angeboten haben“, sagt er. Immerhin: Einige Mitglieder können von zuhause an Online-Kursen teilnehmen. Aus den Bereichen Ballett, Turnen, Yoga oder Fitness stellte die HNT rund 30 Kurse auf die Beine, mit denen ihre Mitglieder in Bewegung bleiben.

Obwohl die HNT voll und ganz hinter den geltenden Verordnungen stehe, wünscht sich Präsident Schepanski mitunter mehr Verhältnismäßigkeit von der Politik. „Wie sollen wir erklären, warum Kinder und Jugendliche am Vormittag Sport in der Schule betreiben können, das Gleiche nachmittags im Verein aber nicht möglich ist? Ich glaube, dass hier ein Ungleichgewicht besteht, dass Fragen aufwirft“, sagt Schepanski.