Neuer Versuch

SPD fordert Corona-Testzentrum in Harburg

Beate Pohlmann gehört der SPD-Bezirksfraktion an.

Beate Pohlmann gehört der SPD-Bezirksfraktion an.

Foto: Lars Hansen / xl

Wenn der Hausarzt keine Corona-Tests anbietet, müssen Harburger zum Hauptbahnhof. Das soll sich ändern.

Harburg.  Schon im September hatte die Harburger Bezirksversammlung gefordert, dass ein Corona-Testzentrum in Harburg eingerichtet wird. Damals ging es noch um Reiserückkehrer. Die Sozialbehörde lehnte ab. Angesichts der allgemein gestiegenen Fallzahlen fordert nun die SPD-Fraktion erneut ein Testzentrum in Harburg. Der Antrag dürfte auch diesmal eine Mehrheit finden. Dass er umgesetzt wird, ist allerdings unwahrscheinlich: Die Sozialbehörde vertritt weiterhin die Ansicht, dass man keine dezentralen Testeinrichtungen braucht.

„Die Sozialbehörde hatte den Antrag vom September, am Harburger Bahnhof ein Testzentrum einzurichten, im Oktober abgelehnt, weil für Reiserückkehrer bereits eine neue Testverordnung galt und diese nicht mehr unmittelbar bei ihrer Rückkehr getestet werden sollen“, sagt die SPD-Abgeordnete Beate Pohlmann. „Mittlerweile geht es aber längst nicht mehr um Reiserückkehrer! In ganz Hamburg ist die Zahl der Neuinfektionen und der stationären Behandlungen rapide gestiegen Mehr und mehr Personen sind in Kontakt mit infizierten Personen geraten. Die Corona-App zeigt bei immer mehr Menschen die rote Alarmfarbe und die Zahl der angegebenen Risikobegegnungen steigt ebenso deutlich.“

Immer mehr Corona-App zeigen auf Rot

Pohlmann weiß, wovon sie spricht: Auch ihre Corona-App hatte rot angezeigt: kritischer Kontakt mit infizierten Personen. Und das nicht etwa im Urlaub oder bei einer Feier, sondern in Ausübung ihrer politischen Ehrenämter. „Da ging es mir wie den meisten, denen das widerfährt“, sagt sie. „Zur eigenen Sicherheit aber auch vor allem für die Sicherheit des persönlichen Umfelds möchten viele Betroffene einen Corona-Test vornehmen lassen.“

Das soll eigentlich beim Hausarzt gemacht werden können. Viele Hausärzte machen aber keine Corona-Tests. So auch Beate Pohlmanns Hausarzt. Der verwies an das Gesundheitsamt und das Gesundheitsamt verwies auf die Terminstelle der Kassenärztlichen Vereinigung. „Dort sagte man mir ich solle zum Testzentrum am Hauptbahnhof kommen, aber möglichst ohne öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen“, sagt Pohlmann, „denn immerhin stand ich durch die Mitteilung der Warn-App ja eigentlich schon unter Quarantäne.“

Sie selbst habe zwar ein Auto, sagt Pohlmann, aber für viele Harburgerinnen und Harburger sei das Testzentrum am Hamburger Hauptbahnhof nur mit Bus und Bahn erreichbar. „Mit dem Verdacht auf eine eigene Infektion setzt man dadurch jedoch andere Fahrgäste einem Risiko aus, so wie man sich selber auch einem zusätzlichen Risiko aussetzt. Auch wenn man trotz des Verdachts nicht infiziert ist, besteht das Risiko einer Infektion auf dem Hin- oder Rückweg zur Testung!“

Wohnortferne Testungen erhöhen das Risiko

Beate Pohlmann ist längst nicht die einzige Betroffene. Allein im Bezirk Harburg gab es in der vergangenen Woche 359 bestätigte Neuinfektionen. Alle 359 Erkrankten haben Kontaktpersonen, die in Quarantäne müssen und Anspruch auf einen Test hätten. Anfang November legte die Pandemie die Harburger Bezirkspolitik lahm, weil sich Bezirksabgeordnete infiziert hatten und ganze Fraktionen als Kontaktpersonen ersten Grades galten. Auch Beate Pohlmann und die SPD waren betroffen. Deswegen erneuerte die SPD den Antrag. Wohnortferne Testungen würden das Risiko erhöhen, dass möglicherweise infizierte besorgte Bürgerinnen und Bürger gegen ihren Willen zu ,mobilen Spreadern’ werden.

Immerhin schrieb die Sozialbehörde in ihrer ablehnenden Stellungnahme zum September-Antrag: „Sollte es Handlungsbedarf geben und sich die Testmöglichkeiten insgesamt als zu gering herausstellen, muss eine alternative Möglichkeit geprüft werden.“

Allerdings sieht die Behörde derzeit trotz der hohen Zahlen keinen Handlungsbedarf: „Die Nachfrage im Testzentrum der kassenärztlichen Vereinigung am Hauptbahnhof hält sich in einem niedrigen Rahmen“, sagt Pressesprecher Martin Helfrich. „Es gibt dort nach unseren Informationen keine Wartezeiten. Und der Hauptbahnhof ist aus ganz Hamburg mit dem Auto gut erreichbar. Man muss eventuell einige Zeit einen Parkplatz suchen. Wer kein Auto hat, sollte zu Zeiten Bahn fahren, in denen die Züge leerer sind. Dezentrale Testeinrichtungen halten wir nicht für nötig.“

Die derzeitigen Laborkapazitäten würden für das aktuelle Testaufkommen ausreichen, so Helfrich. Würde aber deutlich mehr getestet werden, könnte dies zu Verzögerungen führen. Die Harburger SPD-Fraktion will nicht klein bei geben: „Ein Test nördlich der Elbe ist keine geeignete Alternative, um Infektionsrisiken zu beschränken“, heißt es im Antrag, „der Handlungsbedarf ist gegeben und die „alternative Möglichkeit“ muss nicht nur „geprüft“’ sondern schnell umgesetzt werden!“