Harburg

SPD und Grüne fordern Pop-Up-Radweg für die Bremer Straße

Bis die Bremer Straße saniert wird, sollen Radfahrer einen Pop-Up-Radweg erhalten.

Bis die Bremer Straße saniert wird, sollen Radfahrer einen Pop-Up-Radweg erhalten.

Foto: Lars Hansen / xl

SPD und Grüne wollen Fahrradfahrer an der B 75 übergangsweise auf die Fahrbahn schicken. Die Opposition kritisiert scharf.

Harburg.  Wer den Radverkehr stärken will, muss ihm Platz geben. Und weil Platz nicht vom Himmel fällt, muss er irgendwoher genommen werden. Das führt zu Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmern.

SPD und Grüne fordern "Pop-Up-Bikelane" auf Bremer Straße

Jüngstes Beispiel: SPD und Grüne in der Harburger Bezirksversammlung fordern, auf der Bremer Straße stadteinwärts einen provisorischen Fahrradstreifen – eine so genannte „ Pop-Up-Bikelane“ – einzurichten.

Die Harburger CDU, sie stellt die größte Oppositionsfraktion, kritisiert die Pläne scharf: Zu unsicher, zu teuer, zu kurzfristig, lauten ihre Argumente zusammengefasst. Das Gegenargument der Rot-Grünen Koalition: Es bestehe dringender Handlungsbedarf , denn der bestehende Radweg sei in großen Teilen schon jetzt unbenutzbar . Bis zur Grundsanierung der gesamten Straße, inklusive Radweg, muss eine Zwischenlösung gefunden werden.

„Die Radwege auf der Bremer Straße zwischen Hohe Straße und Appelbütteler Weg sind – soweit vorhanden – zum Teil in einem desolaten Zustand. Dies gilt insbesondere für den Radweg stadteinwärts“, schreibt der SPD-Abgeordnete Frank Wiesner in der Anteilsbegründung.

Der Radweg ist zum Teil gar nicht markiert

In der Tat ist es eine – vorsichtig ausgedrückt – sehr abwechslungsreiche Herausforderung, entlang der Bremer Straße stadteinwärts zu radeln. Mal ist der Fahrradweg nur mit weißer Farbe vom Gehweg getrennt, mal so schmal, dass Fußgänger und Radfahrer ihn gemeinsam benutzen sollen, und manchmal ist er schlicht gar nicht vorhanden – ohne dass ein Schild darauf hinweisen würde.

An vielen Stellen machen parkende Autos Fußgängern und Radfahrern das Leben schwer; sei es, weil sie ganz oder zum Teil auf dem Radweg parken, oder weil sie auf dem Gehweg parken und Fußgänger dazu zwingen, sich über den Radweg an ihnen vorbeizudrücken.

Viele Risse, Wellen und andere Schäden

Fast überall weist der Belag des Weges Risse, Wellen und andere Schäden auf. Bei der geplanten Grundsanierung der Bremer Straße ist das mit bedacht worden. Normgerechte Radwege sollen die vielbefahrene Ausfallstraße an beiden Seiten flankieren. Nur wird es noch Jahre dauern, bis die Straße saniert werden kann.

„Die bereits seit langem vorgesehene Grundinstandsetzung der Bremer Straße, bei der auch die Radwege erneuert werden sollen, wird – aus guten Gründen – immer wieder verschoben. Gegenwärtig ist ein Beginn der Bauarbeiten nicht vor dem Jahr 2023 absehbar“, schreibt Wiesner.

Für Autos wird die Fahrbahn schmaler

Als Zwischenlösung schwebt Wiesner vor, den Fahrbahnraum neu aufzuteilen und auf zwei Metern Breite für Fahrradfahrer zu reservieren. „Dank der überbreiten Fahrbahn von etwa 8,50 Metern würden für den Kfz-Verkehr zwei Fahrbahnen von etwa 3,25 Metern bleiben. Diese schmaleren Fahrbahnen führen auch zu einer Geschwindigkeitsreduzierung des Kfz-Verkehrs“, sagt Wiesner.

Was ist mit der Feuerwehr?

Auch nach der Sanierung wäre die für den Kraftverkehr bleibende Fahrplan ähnlich schmal. Der CDU-Verkehrspolitiker Rainer Bliefernicht kritisiert das. „Das ist eine wichtige Fernverkehrs- und Verbindungsstraße“, sagt er. „Wenn man hier die Breite reduziert heißt das auch, dass die Feuerwehr nicht mehr so schnell durchkommt, weil ihr niemand Platz machen kann. Das muss bei den Sanierungsplänen noch einmal überdacht werden und man sollte so eine Verengung nicht mir nichts, dir nichts herbeibeschließen.“

Hainholzweg als schlechtes Beispiel

Die CDU befürchtet, dass es an der Bremer Straße dann ähnliche Effekte geben könne, wie am nahe gelegenen Hainholzweg: Hier hat man an der Südseite der Straße den Radweg auf der Nebenfläche abgebaut und möchte, dass die Radfahrer die Fahrbahn nutzen. Gleichzeitig wurde es den Anwohnern unmöglich gemacht, zwischen den Straßenbäumen zu parken, wie sie es seit Jahrzehnten taten.

In der Folge stehen die Anwohnerautos jetzt am Fahrbahnrand, wo sich andere Fahrzeuge an ihnen vorbeizwängen müssen, darunter auch Linienbusse. Die wenigsten Radfahrer wollen auch noch dazwischen fahren und weichen unerlaubt auf den Gehweg oder den gegenüberliegenden Radweg aus.

Die Polizei hat deshalb schon Halteverbote angeordnet, was den Parkdruck nur verstärkt; weswegen weitere Halteverbote in Planung sind, wie der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete André Trepoll über eine kleine Anfrage herausfand. Für Trepoll ist das der falsche Weg „Der Radweg neben der Straße hätte saniert werden müssen. Das jetzt noch einmal an der Bremer Straße mit ihren vielen LKW zu wiederholen, ist lebensgefährlicher Unsinn!“

Notwendig oder Prestigeprojekt?

Michael Sander, Verkehrsausschussvorsitzender im Bezirk und Grünen-Abgeordneter, widerspricht: „In diesem Fall sollen die Radfahrer nicht mit den Autos zusammen fahren, sondern ihre Spur müsste baulich so abgetrennt werden, dass sie sich sicher fühlen können, weil sie auch wirklich sicher sind.“

Rainer Bliefernicht will das nicht einsehen. „Hier wird für sehr teures Geld eine verkehrsideologische Prestigemaßnahme gefordert – als Übergangslösung!“, sagt er.