Freie Logistikfläche

Warum Handwerker nach Neuland wollen

Bezirkshandwerksmeister Harburg Peter Henning und sein Stellvertreter Rainer Kalbe im Baugebiet Neuland 23

Bezirkshandwerksmeister Harburg Peter Henning und sein Stellvertreter Rainer Kalbe im Baugebiet Neuland 23

Foto: Kaja Weber / Kaja Weber / HA

25 Hektar Feuchtland wurden trockengelegt, aufgeschüttet und erschlossen – doch der „Logistik-Hub“ kam nie.

Neuland . Bereits im Februar sprang die Deutsche Post/DHL vom Logistikprojekt Neuland 23 ab. Die Harburger CDU schlägt vor, zumindest einen Teil des Geländes an Harburger Handwerksbetriebe zu verpachten. Das Harburger Handwerk begrüßt die Initiative. Die städtische „Hamburg Invest Wirtschaftsförderung GmbH“, die Neuland 23 vermarktet, zeigt sich davon noch weniger begeistert.

Eigentlich sind Peter Henning und Rainer Kalbe startklar: Sie haben einen Helm auf dem Kopf, Arbeitsschuhe an den Füßen und eine Schaufel in der Hand. Um sie herum: Jede Menge erschlossenes Bauland. Es ist bloß nicht ihres. Es gehört der Stadt. Und die will die riesige Fläche an Logistiker vergeben. Das wollen Elektriker Henning und Klimatechniker Kalbe nicht ganz einsehen: „Das Harburger Handwerk braucht dringend Platz“, sagt Peter Henning.

Er ist Harburgs Bezirks-Handwerksmeister. Rainer Kalbe ist sein Stellvertreter. „Platzmangel ist ein riesengroßes Thema für die Handwerksbetriebe“, sagt Peter Henning „Damit kommen immer mehr Unternehmen auf mich zu. Handwerksbetriebe sind nämlich in einer Zwickmühle: Solange sie klein sind und nur wenige Mitarbeiter haben, hält sich ihr Verwaltungsaufwand in Grenzen. Beginnen sie aber zu wachsen, steigen auch die zu erfüllenden Auflagen, so dass sie schnell weiter wachsen müssen, um die Kosten durch den Ertrag der Tätigkeit decken zu können.

25 Hektar Feuchtland wurden trockengelegt

Und dafür fehlt an allen Ecken der Platz!“ Platz gibt es jede Menge im Bebauungsplangebiet Neuland 23: 25 Hektar Feuchtland wurden trockengelegt, aufgeschüttet und erschlossen. Im Sommer hätte die Post mit dem Bau beginnen sollen. 1200 Arbeitsplätze sollten hier in einem „Logistik-Hub“ (sprich-“Habb“, englisch für Nabe) entstehen. Gleichzeitig sollte Neuland 23 ein „Klimaquartier“ mit Vorbildfunktion für nachhaltige Logistik-Bauten werden. Die Post sprang ab. Der Paketmarkt hatte sich zu ihren Ungunsten entwickelt.

Mindestens ein Fünftel, wenn nicht ein Viertel der Fläche könnte sofort mit Harburger Handwerksbetrieben besiedelt werden. „Wenn ich nur die, die mich in letzter Zeit wegen neuer Flächen angesprochen haben, zusammennehme, komme ich schon auf gut 30 Firmen“, sagt Bezirkshandwerkermeister Henning. Ob das bei Hamburg Invest so gut ankommt, ist fraglich. Völlig unabhängig von der Post bleiben beispielsweise die Umweltauflagen für das Gebiet bestehen. Ihre Einhaltung ist mit einem Großmieter leichter zu regeln, als mit 30 ebenso individuellen, wie individualistischen Handwerksmeistern. Das sieht auch Peter Henning ein.

Betriebe sehen sich sonst gezwungen, abzuwandern

„Wahrscheinlich wäre unser Vorhaben einfacher, wenn ein Generalunternehmen die Handwerkerflächen übernimmt und gegenüber der Hamburg Invest als Ansprechpartner dient. Bequemer wäre es allemal für Hamburg Invest.“ Hamburg Invest indes wird die Fläche demnächst neu ausschreiben. „Die Abstimmung der Ausschreibung zwischen uns und dem Bezirksamt ist so gut wie fertig“, sagt Hamburg-Invest-Sprecher Andreas Köpcke, „und wir haben jetzt schon einige große Firmen, die Interesse bekundet haben. Sie warten nur darauf, sich bewerben zu können.“ Der boomende Online-Handel – beschleunigt durch Corona – mischt die Karten im Logistikgeschäft schon wieder neu. Es wird sogar gemunkelt, dass auch die Post sich erneut um die Fläche bewerben könnte.

Peter Henning plädiert trotzdem dafür, einen Teil des Geländes an das Handwerk zu vergeben. „Die Betriebe sehen sich sonst gezwungen, abzuwandern“, sagt er. „Das ist keine Drohung. Wir sind bodenständig und wollen in Harburg bleiben. Aber man sieht, wie schnell ein Gebiet wie der Beckedorfer Bogen vollgelaufen ist. Und das Umland lockt aktiv! Nur würde es Handwerksdienstleistungen in Hamburg verteuern, wenn jedes Mal lange Anfahrten berechnet werden müssen.“