Werk in Bostelbek

Mercedes-Benz legt seine Logistik-Baupläne auf Eis

Das Mercedes-Benz-Werk in Bostelbek.

Das Mercedes-Benz-Werk in Bostelbek.

Foto: Daimler

Konzern möchte Ausbau des Werkes in Bostelbek bis auf Weiteres zurückstellen. Grund: Die Marktentwicklung durch Corona

Bostelbek.  Bei Naturschutzverbänden und in Teilen der Bezirkspolitik waren die Werkserweiterungspläne von Mercedes-Benz für das Harburger Werk in Bostelbek auf wenig Gegenliebe gestoßen. Die Mehrheit der Harburger Bezirkspolitiker war allerdings dafür, für das neue Logistikzentrum des Werks den Bebauungsplan zu ändern Doch jetzt liegt das Projekt auf Eis: In einem Schreiben an die Bezirksfraktionen, das dem Abendblatt in Auszügen vorliegt, schreibt die Konzernleitung, dass sie das Projekt „bis auf Weiteres zurückstellen“ möchte.

Der Grund ist der derzeit Corona-bedingt schwächelnde Markt für Automobile. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen plant die Mercedes-Benz AG, die hohe Flexibilität ihres globalen Produktionsnetzwerks zu nutzen und Kapazitäten an die zu erwartenden Marktentwicklungen anzupassen“, heißt es in dem Schreiben.

In diesem Zuge habe man sämtliche Investitionsprojekte in der Produktion und Logistik erneut überprüft. So auch das Projekt „Plant Consolidation Center (PCC) Hamburg“.

„Harburg bleibt ein wichtiger Produktionsstandort“

Nachteile brauche das Harburger Werk deswegen nicht zu befürchten, sagt Madeleine Herdlicka, in der Daimler-Wirtschaftskommunikation unter anderem für das Hamburger Werk zuständig: „Harburg bleibt ein wichtiger Produktionsstandort gerade für Antriebskomponenten wie Achsen. Die Achsen unserer neuen Elektro-Auto-Linie EQC werden hier gefertigt. Der Standort bleibt bestehen und wird weiter entwickelt. Wir verzichten derzeit aber auf das aufwändige Verfahren, das uns noch ins Haus stehen würde, wenn wir das PCC jetzt vorantrieben.“

Die PCC an einigen Werken sind quasi die Wiedereinführung der Lagerhaltung von Material und Bauteilen auf Vorrat, um eine kontinuierliche Produktion zu gewährleisten. Dafür wird viel Fläche benötigt. Naturschützer hatten kritisiert, dass hier eine wertvolle Moorfläche verschwinden solle. Sowohl über den tatsächlichen ökologischen Wert der Fläche, als auch über Ausgleichsmaßnahmen hatte es Meinungsverschiedenheiten in der Bezirkspolitik gegeben.

Vorerst will Mercedes-Benz die Logistik durch organisatorische Maßnahmen flexibel halten. Ganz vom Tisch sind die Pläne für das PCC nicht. „Lassen Sie uns den ,konstruktiven Dialog fortsetzen“, schließt das Schreiben.