Fortbildung und Betreuung

Lernen, während die Kinder spielen

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Lars Hansen
Idem Bozkurt wird die Kinder der DAA-Kursteilnehmer betreuen.

Idem Bozkurt wird die Kinder der DAA-Kursteilnehmer betreuen.

Foto: Lars Hansen / xl

„Rathausmäuse“ heißt eine neue Kinderbetreuung in der Harburger Innenstadt. Sie ist nicht allzu groß, dafür aber sehr zielgerichtet

Harburg.  „Rathausmäuse“ heißt eine neue Kinderbetreuung in der Harburger Innenstadt. Sie ist nicht allzu groß, dafür aber sehr zielgerichtet. Ihr Angebot richtet sich an Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Bildungsmaßnahmen der Deutschen Angestelltenakademie (DAA). Die Absicht dahinter: Die eigenen Kinder betreuen zu müssen soll niemanden mehr der Chance berauben, sich weiterzubilden.

Gut 300 Menschen nehmen derzeit an Kursen der beiden Harburger DAA-Standorte an der Harburger Rathausstraße und in der Straße Am Werder teil. Darunter sind Geflüchtete, die Sprachkurse im Rahmen des Integrationspakets belegen, Langzeitarbeitslose in Maßnahmen die durch das Jobcenter getragen werden, Umschüler und Wiedereinsteiger ins Berufsleben.

Die Kurse stehen einem breiten Spektrum an Interessierten zur Verfügung. „Oft kommt es aber vor, dass sich Kursinteressenten bei uns eingehend informieren und sich dann doch nicht anmelden“, sagt Nicole Graack, Standortleiterin Harburg der DAA. „Wenn man dann nachfragt, warum, kommt sehr häufig die Begründung, dass man während der Kurszeit keine Kinderbetreuung organisieren könne.“ Das würde besonders oft Frauen betreffen.

Frauen Hauptträger der Erziehungs- und Betreuungsarbeit

„In den meisten Familien sind immer noch die Frauen Hauptträger der Erziehungs- und Betreuungsarbeit“, sagte Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen bei der Eröffnung der Tagesstätte.

Das Bezirksamt ist Kooperationspartner der DAA bei den „Rathausmäusen“. Das Betreuungspersonal kommt über die Tagespflegebörse des Bezirks. So wie Idem Bozkurt. Sie ist in der Anlaufphase noch die einzige Betreuerin für die DAA-Rathausmäuse. Die gelernte Erzieherin startet nach einer familienbedingten Pause gerade wieder im Beruf durch. Bislang sind aber auch erst zwei Kinder zu betreuen. Nicole Graack rechnet aber damit, dass sich diese Zahl bald steigert. „Das Interesse an Fortbildungen mit Kinderbetreuung ist hoch“, sagt sie. „Jetzt, wo wir diese anbieten, werden sich schnell mehr Mütter und Väter mit ihren Kindern hier anmelden.“

Der Platz in den zwei Betreuungsräumen reicht für zehn Kinder. Da die Kurse in zwei Schichten gegeben werden, können pro Tag bis zu 20 Kinder betreut werden. Sobald mehr Kinder kommen, will die DAA über die Tagespflegebörse auch mehr Betreuungskräfte engagieren.

„Wir wenden uns mit diesem Angebot hauptsächlich an Teilnehmende der längerfristigen Maßnahmen, wie Integrationskurse und Umschulungen“, sagt Klaus-Dieter Dehde, Regionalleiter der DAA. „Bei den kürzeren Kursen wäre das Verhältnis zwischen der Eingewöhnungszeit der Kinder und der Dauer der Schulung wahrscheinlich nicht vernünftig vertretbar.“

Chance zu mehr Eigenständigkeit

Einen signifikanten coronabedingten Einbruch der Teilnehmerzahlen kann Dehde übrigens für Harburg nicht verzeichnen. Zwar sinkt aufgrund der Abstandsgebote die Zahl der Teilnehmer pro Kurs. „Aber wir lassen uns einiges einfallen, um alle Interessierten versorgen zu können“, sagt der Regionalleiter.

Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen erklärt, warum sich das Bezirksamt bei den Rathausmäusen mit engagiert: „Wir geben so Frauen die Chance zu mehr Eigenständigkeit“, sagt sie. „Sonst besteht die Gefahr, dass gerade bei den Geflüchteten die Frauen abgehängt werden. Die deutsche Sprache nicht lernen zu können bedeutet Isolation und den Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben. Dem wollen wir entgegenwirken.“

Ursprünglich sollten die „Rathausmäuse schon im Frühjahr losgelegt haben. Wegen der Corona-Pandemie, bei der alle Kitas auf Notbetrieb heruntergefahren wurden ging das nicht. Jetzt nimmt die DAA einen zweiten Anlauf.

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