Forderung:

Deichkronenweg soll sicher und sauber werden

Lars Frommann (CDU) setzt sich dafür ein, dass der Deichkronenweg auf dem alten Süderelbedeich wieder in ganzer Breite nutzbar wird.

Lars Frommann (CDU) setzt sich dafür ein, dass der Deichkronenweg auf dem alten Süderelbedeich wieder in ganzer Breite nutzbar wird.

Foto: Lars Hansen

Bezirkspolitik fordert Sanierung des 15 Kilometer langen Fuß und Radwegs in den Elbdörfern. Behörden wollen auch, dürfen aber nicht wirklich.

Harburg.  Die CDU-Fraktion in der Harburger Bezirksversammlung fordert, dass der Fuß-und Radweg auf dem Este-und Süderelbdeich zwischen Neuenfelde und Moorburg instandgesetzt und dann instand gehalten wird. Damit nehmen die Christdemokraten in einem aktuellen Antrag eine alte Forderung der Grünen wieder auf. Der Wunsch, dass der Deichweg in Ordnung gebracht wird, wird von allen Parteien geteilt. Auch das Harburger Bezirksamt und die Hamburg Port Authority sind gewillt, hier etwas zu unternehmen. Allerdings gibt es viele Fallstricke und Hemmnisse, denn dieser Weg dürfte eigentlich keiner sein.

Der alte Deich zieht sich 15 Kilometer von der Este in Neuenfelde in Richtung Osten entlang der Alten Süderelbe durch Neuenfelde, Francop und Moorburg, wo er an der Kattwykbrücke endet. Schon in Zeiten, in denen auf der Straße am Deichfuß nur Pferdefuhrwerke unterwegs waren, nutzten Fußgänger lieber die Deichkrone als Weg. Das ist auch heute noch so, obwohl die Straße mittlerweile befestigt ist und über weite Strecken sogar über einen Gehsteig verfügt.

Allerdings ist der Weg auf der Deichkrone immer weniger zu erkennen. „Selbst jetzt, wo gerade gemäht wurde, sieht man nur noch die Hälfte der Wegbreite“, zeigt der CDU-Bezirksabgeordnete Lars Frommann. „Wenn wir hier unter der Vegetation mal die Wegkanten suchen, sehen wir, dass hier ungefähr eineinhalb Meter breit gepflastert ist. Das ist wirklich frei sind aber nur 60 bis 70 Zentimeter in der Mitte. Und das bedeutet, dass Radfahrer sich hier in der Mitte halten Damit kommen sie automatisch in Konflikt mit Fußgängern. Außerdem bewirkt der Bewuchs in den Fugen, dass einzelne Steine oder ganze Stellen angehoben werden. Das wird immer unangenehmer zu fahren und irgendwann auch unfallträchtig.“

Airbus hatte eine Sanierung des Weges bezahlt

Die Pflasterung des Weges ist ungefähr 15 Jahre alt. Airbus hatte eine Sanierung des Weges bezahlt. Damit wollte der Flugzeugbauer die Wogen glätten, die wegen seiner Werkserweiterung im Hamburger Teil des Alten Landes hoch geschlagen waren. Die Stadt hat seitdem die Finger von dem Weg gelassen und das hat mehrere Gründe: Zum einen ist der Weg zwar durchgehend im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg, dort aber in drei verschiedenen Händen: Im Bereich der Sietas-Werft ist die Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA )zuständig, dann wechseln sich eine Weile lang das Bezirksamt Harburg und der bei der Finanzbehörde angesiedelte Landesbetrieb Immobilien und Grundvermögen (LIG) ab. Überall dort, wo die Stadt Obstbauern Land abkaufte, um die Airbuserweiterung zu ermöglichen, ist der LIG auch für den Deich zuständig. Weil der Deich in Kurven verläuft sind das mehrere Abschnitte.

Dieser Flickenteppich ist jedoch nicht die einzige Schwierigkeit: Nach heutigen Straßenbaunormen muss ein Weg, den Fußgänger und Radfahrer gleichzeitig benutzen, mindestens drei Meter breit sein. bei einem Zweirichtungsradweg sogar über vier. Die eineinhalb Meter des jetzigen Weges wären also nicht normgerecht. Eine Vollsanierung scheidet damit eigentlich aus. Um die Normbreite zu erreichen müsste man den Deich um einige Meter schleifen. Das geht nicht, denn an der Este ist er noch Hochwasserschutzanlage und entlang der ehemaligen Süderelbe ist der Deich ein Bau- und Kulturdenkmal.

HPA hat bereits mit der Sanierung begonnen

Trotzdem hat die HPA an ihrem Stück bereits mit der Sanierung begonnen. Im Regionalausschuss Süderelbe begründete HPA-Ingenieur Henning Rathjens das mit seiner Pflicht zum Hochwasserschutz: „Normbreite hin oder her: Wenn wir die Deichkronenbefestigung nicht in Ordnung bringen und sie weiter von Fußgängern und Radfahrern benutzt wird, nimmt der Deich Schaden und schützt nicht mehr.“

Auch das Bezirksamt will tätig werden, allerdings nicht so forsch, wie die HPA: „Ich habe Interesse daran, dass der weg nutzbar ist“, sagte Adrian Andres, Leiter des Fachamts „Management des öffentlichen Raums“ im Ausschuss, „denn gerade Radfahrer sind drauf angewiesen. Ein Fahren auf der vielgenutzten Straße ist ihnen nicht zuzumuten. Aber weil es kein offizieller Weg sein kann, kann das Bezirksamt hier keine große Maßnahme beginnen, sondern nur im Rahmen der Verkehrssicherung Stück für Stück erneuern.

„Vom LIG hat man noch gar nichts gehört“, moniert Lars Frommann, „Dabei ist der Deichkronenweg sogar als Teil des gesamtstädtischen zweiten Grünen Rings für Fußgänger und Radfahrer ausgewiesen. Da muss doch der Landesbetrieb auch tätig werden!“

Sommerobstwiese

Dass vor dem Deich Obstbäume wachsen, ist auf den ersten Blick verwunderlich. Es rührt jedoch daher, dass die Süderelbe in diesem Abschnitt schon 1790 vom Strom zum Rinnsal degradiert wurde, indem man ihr Wasser bei Moorburg in den Köhlbrand umleitete auf den Vordeichflächen, die nur im Winter überfluteten, wenn die Tide höher auflief, legten die Bauern so genannte Sommerobstwiesen an. Bei der Sturmflut 1962 allerdings brachen die Deiche entlang der gezähmt geglaubten Süderelbe. Diese wurde danach vollständig abgedeicht und hat nur noch über ein Siel und ein Schöpfwerk Austausch mit der Elbe.