Landkreis Harburg

Nadelöhr Schulbus: Landkreis soll nachbessern

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Hanna Kastendieck
Beim Einstieg an den Bushaltestellen des Schulzentrums Hittfeld drängeln sich die Schüler.

Beim Einstieg an den Bushaltestellen des Schulzentrums Hittfeld drängeln sich die Schüler.

Foto: Privat / HA

Corona: Grüne und Linke im Kreistag fordern den Einsatz von privaten Busunternehmen, um die Situation bei der Schülerbeförderung zu entzerren.

Landkreis Harburg. Auf dem Schulhof halten sie noch artig Abstand. Doch an den Bushaltestellen ist es mit der Disziplin vorbei. Kaum dass der Unterricht beendet ist, drängen sich die Schüler an den Bordsteinkanten, um möglichst schnell einen Platz im Schulbus zu ergattern. Wie Ölsardinen stehen und sitzen die unterschiedlichsten Jahrgänge anschließend dicht beieinander. Abstand halten ist hier unmöglich.

Abstand halten ist im Bus nicht möglich

Die Schulen haben den Regelbetrieb wieder aufgenommen und für den Unterricht strenge Hygienekon­zepte erarbeitet. Die Probleme beim Schulweg wurden aber offenbar nicht bedacht. 11.100 Schüler haben im Landkreis einen Anspruch auf eine kostenlose Beförderung mit dem Bus. Doch die Kapazitäten reichen nicht aus, um den Mindestabstand einhalten zu können. „Der Weg zur Schule führt den Corona-Schutz ad absurdum“, beklagen Eltern.

Grüne und Linke stellen Antrag im Kreistag

Jetzt hat sich auch die Politik eingeschaltet. In der heutigen Kreistagssitzung beraten die Fraktionen über einen Eilantrag der Gruppe Grüne/Linke zur Corona-konformen Organisation der Schulbusverkehre. „Vielerorts gibt es Klagen der Eltern über zu volle Schulbusse, die das Infektionsrisiko mit Corona für die Schüler unverhältnismäßig erhöhen“, sagt Antragsteller Erhard Schäfer (Grüne). „Zur Entspannung der Lage fordern wir den Landkreis auf, private Busunternehmen mit zusätzlichen Schülertransportfahrten zu beauftragen.“ Dabei sollten, so Schäfer, vornehmlich Anbieter angesprochen werden, die aufgrund der Einschränkungen im Tourismus erhebliche freie Kapazitäten hätten. „Das Problem mit überfüllten Schulbussen ist offensichtlich und muss dringend gelöst werden“, sagt der Grünen-Politiker. „Sonst sind alle Maßnahmen an den Schulen umsonst.“

Kohorten-Prinzip im Schulbus unmöglich

Während das Abstandsgebot unter den Schülern auf dem Schulgelände und im Unterricht zugunsten eines Kohorten-Prinzips aufgehoben worden ist, um im Infektionsfall die Kontakte und Infektionswege wirksam nachverfolgen zu können, lösen sich die Kohorten im Schulbus auf. Dort treffen sich Schüler verschiedener Jahrgänge, es kommt zu einer Durchmischung der Kohorten. Kontakte können nicht nachverfolgt werden. „Es ist daher wichtig, dass die Busse nicht zu voll sind, um eine stärkere Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verhindern“, sagt Erhard Schäfer. Problematisch sei zudem die Situation an den Bushaltestellen. Auch hier müsse nachgebessert werden, damit sich dort keine Pulks mit Schülern bildeten.

SPD unterstützt den Antrag, CDU lehnt ab

Unterstützt wird der Antrag von der SPD. „Wir müssen uns des Themas annehmen und die Kreisverwaltung beauftragen, uns Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen“, sagt der SPD-Kreistagsabgeordnete Bernd Henke. „Wir haben eine Sondersituation, die uns zwingt, schnell Entscheidungen zu treffen. Sollte kurzfristig zusätzliche Busse gechartert werden können, müssen wir Geld dafür in die Hand nehmen.“

André Bock, CDU-Landtagsabgeordneter und Kreistagsmitglied, lehnt genau das ab. „Der Landkreis kann kurzfristig 13 weitere Busse zu den laufenden 161 Bussen einsetzen. Das hieße eine Kapazitätssteigerung um weniger als zehn Prozent und reicht bei weitem nicht“, so Bock. Hinzu kämen die Kosten. „Wenn wir 13 zusätzliche Busse bis Weihnachten einsetzen, kostet das den Landkreis 250.000 Euro. Lassen wir die Busse bis Ostern fahren, liegen die Ausgaben bei mehr als 750.000 Euro.“ Zu teuer, findet Bock. Auch, weil es keinerlei Anlass zum Handeln gebe. „Wir haben bislang landesweit keinen einzigen Ansteckungsfall, der auf die Beförderung im Schulbus zurückzuführen ist“, so André Bock. „Die Schüler stecken sich überwiegend bei sportlichen Aktivitäten in der Freizeit sowie bei privaten Feiern an.“

Schüler sollen sich direkt beschweren

Für die betroffenen Eltern, die sich um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen, ist die Situation nicht hinnehmbar. „Die Busse sind ein Nadelöhr“, sagt Schulelternratsmitglied Nadine Pielhau vom Gymnasium Hittfeld. „Wir brauchen dringend eine Lösung, bevor es dort zu den ersten Ansteckungen kommt.“ Um den Druck auf den Landkreis zu erhöhen und den Forderungen mehr Gewicht zu verleihen, sollen jetzt die Schüler aktiv werden. „Wir haben die Betroffenen aufgefordert, dem Landkreis die rote Busfahrkarte zu zeigen“, sagt Nadine Pielhau. „Mit dieser landen die Beschwerden zum Schülertransport direkt bei der Kreisverwaltung.“

Es werden vereinzelt größere Busse eingesetzt

Diese hat bereits auf zwei Beschwerden reagiert und an entsprechenden Stellen größere Busse eingesetzt. Grundsätzlich soll, laut Kreissprecher Andres Wulfes, an den bisherigen Regelungen festgehalten werden. „Wir lasten die Busse nur zu 70 Prozent aus“, sagt Wulfes. „Dennoch ist es eng und das Tragen eines Mund-Nasenschutzes verpflichtend.“

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