Ermittlungserfolg

Nach Festnahme: Deutlich weniger Autoaufbrüche

In Harburg fasste die Polizei einen mutmaßlichen Vielfachtäter (Symbolbild).

In Harburg fasste die Polizei einen mutmaßlichen Vielfachtäter (Symbolbild).

Foto: Polizei / Kriminalstatistik Polizei

Bereits seit Monaten lag die Zahl der Autoaufbrüche deutlich über dem Schnitt. Schwerpunkt war dabei der Bereich der Wache Harburg.

Harburg. Nach der Festnahme eines offensichtlichen Serientäters ist die Zahl der Autoaufbrüche im Bereich Harburg, Neugraben und Wilhelmsburg deutlich gesunken. Waren im Juli noch 221 Taten bei der Polizei angezeigt worden, so kamen im August 156 Autoaufbrüche oder Autodiebstähle zur Anzeige. Das entspricht einem Rückgang von rund 30 Prozent.

Bereits seit Monaten lag die Zahl der Autoaufbrüche deutlich über dem Schnitt. Schwerpunkt war dabei der Bereich der Wache Harburg. Dort wurden von Anfang Mai bis Mitte dieses Monats rund 200 Autoaufbrüche mehr als im Vorjahreszeitraum festgestellt. Aber auch der Binnenhafen, dort ist das Wasserschutzrevier 3 zuständig, war von dem Anstieg solcher Delikte betroffen.

Polizei nimmt nutmaßlichen Serientäter fest - weniger Autoaufbrüche

Das Vorgehen bei den Autoaufbrüchen war dabei immer nahezu identisch. An Fahrzeugen wurden Scheiben eingeschlagen. Gestohlen wurde, was wertvoll erschien. Immer wieder wurden auch Nummernschilder entwendet, die bis heute nicht wieder aufgetaucht sind.

Der Polizei war schnell klar, dass es sich nicht um „professionelle Täter“ handelt. „Wir sind davon ausgegangen, dass örtliche Täter am Werk sind und es sich um Beschaffungskriminalität handeln könnte“, so ein Beamter. Mit Beschaffungskriminalität werden die Delikte bezeichnet, bei denen der Täter die Straftat begeht um seine Drogensucht zu finanzieren.

Verdächtiger kam wieder auf freien Fuß

Anfang Juli verzeichneten die Ermittler einen ersten Erfolg. Bei der Bekämpfung der offenen Drogenszene im Phoenix-Viertel fiel zivil eingesetzten Beamten Luca C. auf. Der 49 Jahre alte Italiener hatte sich auffällig für geparkte Fahrzeuge, insbesondere für deren Innenraum interessiert. Der Mann wurde festgenommen. Bei ihm wurde zwar Aufbruchwerkzeug und mutmaßliches Diebesgut gefunden. Eine Tat konnte ihm aber zunächst nicht zugeordnet werden. So kam er wieder auf freien Fuß.

Zwei Tage später folgte die endgültige Festnahme. Bei den Ermittlungen im Zusammenhang mit Autoaufbrüchen im Binnenhafen war Luca C. als Täter identifiziert worden. Der Mann wird der harten Drogenszene und dem Umfeld des „Abrigado“ zugerechnet, der Einrichtung auf dem Schwarzenberg, in der süchtige beraten werden und Rauschgift unter hygienischen Umständen konsumiert werden kann. Auf dem Schwarzenberg wollten Polizisten den 49-Jährigen festnehmen.

Tatsächlich konnte der Mann, der von der Insel Sardinen stammt dort angetroffen werden. Er hatte offenbar kurz zuvor bei einem dort in der Nähe parkenden Wagen die Seitenscheibe eingeschlagen und einen Rucksack gestohlen. Sachen daraus hatte der 49-Jährige bei sich. Weil dem Mann mehrere Taten angelastet werden und weil er keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, kam er vor den Haftrichter.

Harburg durch Autoaufbrüche hoch belastet

Die Zahl der Autoaufbrüche ging nach seiner Festnahme schlagartig zurück. Vor allem im Bereich Harburg, wo die Zahl der Taten so rasant angestiegen war, ging die Quote zurück.

Insgesamt ist der Bereich Harburg durch Autoaufbrüche hoch belastet. Etwa jede dritte der 1028 Taten im vergangenen Jahr im Bezirk passierte im Stadtteil Harburg. Gleich an zweiter Stelle lag das angrenzende Heimfeld mit 169 Taten. Damit passierten gut 47 Prozent aller Delikte „an / aus Kfz“, wie es bei der Polizei heißt, in diesen beiden Stadtteilen.

„Beschaffungskriminalität dürfte eine wichtige Rolle spielen“, so ein Beamter. Auch nach dem drastischen Rückgang bleibt die Zahl der Autoaufbrüche auf hohem Niveau. Mit 153 Taten in der polizeilichen „Region“, zu der die Reviergebiete der Wache Harburg, Neugraben und Wilhelmsburg gehören, lag man im August noch über den Vergleichszahlen des Vorjahres. 2019 war es in der Region zu 134 Taten gekommen.

Vor zehn Jahre hatte ein damals 19-Jähriger schon einmal für einen signifikanten Anstieg der Autoaufbrüche gesorgt. Die Zahl der Taten war um 172 Prozent gestiegen. Wie im aktuellen Fall hatte man ihm nur einen Bruchteil der Taten zuordnen können. Nach seiner Festnahme hatte es den gleichen Effekt wie heute gegeben. Die Zahl der Autoaufbrüche ging schlagartig stark zurück.