Kreis Harburg

Channel-Pionier wird Uni-Präsident in Buxtehude

Professor Ingo Hadrych ist neuer Präsident der Hochschule 21 in Buxtehude

Professor Ingo Hadrych ist neuer Präsident der Hochschule 21 in Buxtehude

Foto: Axel Tiedemann / AT

Ingo Hadrych war Geschäftsführer eines Bauunternehmens. 2017 wechselte er zur Hochschule 21, nun leitet er sie.

Buxtehude.  Nach längerer Corona-Pause und vielen Online-Veranstaltungen haben an der Hochschule 21 in Buxtehude nun gerade wieder erste Vorlesungen begonnen – natürlich unter den üblichen Hygieneregeln. Für Professor Ingo Hadrych dürfte dies aber nicht die einzige Umstellung sein, an die er sich noch ein wenig gewöhnen muss in diesen Tagen. Die Gesellschafter der privaten Hochschule haben den 54-jährigen Seevetaler jetzt einstimmig zum 1. Oktober zum neuen Präsidenten der traditionsreichen Ingenieursschmiede bestellt. Ein Karriereschritt, der schnell erfolgte. Erst 2017 war Hadrych aus der privaten Wirtschaft gekommen.

Geschäftsführer bei HC Hagemann

Davor war er viele Jahre Geschäftsführer bei dem Harburger Bauunternehmen HC Hagemann und damit so etwas wie die rechte Hand von Firmenchef Arne Weber. Akquisition, Planung, Logistik und nicht zuletzt Sonderaufgaben zählten dort zu seinem Bereich. Oft trat der promovierte Bau-Ingenieur bei spektakulären Projekten in Erscheinung: Etwa bei der Ansiedelung von Airbus-Betriebsteilen im Harburger Binnenhafen, die dem Hightech-Quartier „Channel“ gewaltigen Auftrieb gegeben haben. Oder bei den Hagemann-Projekten auf Helgoland; bundesweit machten die Pläne für eine großflächige Aufspülung und Vergrößerung der Hochseeinsel Schlagzeilen. Und Hadrych entwickelte bei der Sanierung des Alten und neuen Elbtunnels die Baulogistik maßgeblich mit.

Und dann plötzlich der scheinbar radikale Wechsel 2017. Er wurde Professor. „Oft werde ich gefragt, ob ich im Streit gegangen bin. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall, ich hatte einfach Lust dazu“, sagt Hadrych. Mit Anfang 50 habe er einfach etwas Neues anfangen wollen. Und dann gab es eben die Ausschreibung in Buxtehude. „Da passte alles“, so Hadrych.

Verbindung von Praxis und Wissenschaft

Tatsächlich passen der Ingenieur und die Hochschule gut zusammen. Bauwesen, Technik und Gesundheit sind die drei Studienbereiche dort, wobei die rund 1100 Studenten eine duale Ausbildung absolvieren, also Praxis in Unternehmen und Theorie und Forschung im Studium sich abwechseln. Und Hadrych ist eben auch jemand, der immer beides verbunden hat: 1966 wurde er in Hamburg geboren und studierte zunächst nach dem Abitur an der Fachhochschule Hamburg konstruktiven Ingenieurbau, anschließend dann auch an der TU in Harburg. In den 1990er-Jahren arbeitete dort zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und schrieb 2000 seine Promotion. 2000 ging er aber auch schon zu Hagemann, behielt aber immer einen Fuß in der Tür der Uni und gab nebenbei auch Vorlesungen. Hadrych: „Ich hatte immer sehr viel Freude an der Lehre – und habe das jetzt eben zum Hauptberuf gemacht.“ Die Verbindung von Theorie und Praxis ist es aber nicht allein, die nun die Gesellschafter überzeugt haben dürften. Die kleine Buxtehuder Hochschule versteht sich vor allem als Institution der Region – wo Hadrych mit den Harburger Jahren bestens verwurzelt sein dürfte. Diese Konzentration auf die Region soll dann auch im Mittelpunkt der Weiterentwicklung stehen, sagt Hadrych. „Der regionale Bezug ist unsere DNA, auch wenn wir den Radius erweitern“.

Modell zur Verhinderung von Kostenexplosion

Konkret äußert sich das beispielsweise in der Weiterentwicklung der Forschung. So hat Hadrych gemeinsam mit einem Kollegen den Bereich „Building Information Modeling“ (BIM) in Buxtehude aufgebaut. Um Kosten-Desaster wie bei der Elbphilharmonie zu verhindern, werden dabei Bauprojekte in 3-D-Verfahren am Computer soweit es geht schon vorgeplant, um Überraschungen am Bau später zu vermeiden. „Das Prinzip gibt es im Automobilbau längst, dort wird bis zur letzten Schraube alles so vorgeplant“, so Hadrych. In der Bau-Branche sind solche computergestützten Modelle aber erst bei großen Konzernen üblich. Kleinen, regionalen Firmen fehle dazu oft das Personal. An der Hochschule 21 gibt es nun eine Forschungsprojekt, um herauszufinden, wie künftig auch Mittelständler aus der Region BIM einsetzen können.

Studiengang seniorengerechtes Bauen?

Aber die Vision des neuen Präsidenten geht noch weiter: Warum, fragt er, verknüpfen wir unsere drei Studieninhalte nicht noch mehr? Beispielsweise indem man aus den Bereichen und Gesundheit und Bau neue Studiengänge entwickelt – etwa zum seniorengerechten Bauen. Viel ließe sich da noch machen, sagt Hadrych: Aber eben in „überschaubaren Lerngruppen“ und immer mit Blick auf die Region und einen hohen Anspruch an die Qualität – das sei der Kern dieser Hochschule. „Klein, aber fein“, wie er sagt.