Landkreis Harburg

Das Bahlburger Kreuz wird nun zum Kreisel

Dirk Möller, Leiter des Geschäftsbereichs Lüneburg der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und Uwe Karsten, Leiter Betrieb Kreisstraßen des Landkreises Harburg am Bahlburger Kreuz.

Dirk Möller, Leiter des Geschäftsbereichs Lüneburg der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und Uwe Karsten, Leiter Betrieb Kreisstraßen des Landkreises Harburg am Bahlburger Kreuz.

Foto: Rolf Zamponi

Der Unfallschwerpunkt wird entschärft. Land und Kreis Harburg bauen die Kreuzung bis 2021 für 800.000 Euro um.

Kreis Harburg/Bahlburg.  Einer der bekanntesten Unfallschwerpunkte im Landkreis Harburg soll verschwinden. Das Bahlburger Kreuz wird bis zum Juli 2021 zu einem Verkehrskreisel umgebaut. Darüber sind sich das Land Niedersachsen und der Kreis Harburg einig. Die Bauarbeiten beginnen am Montag, 5. Oktober, und werden zunächst bis zum Monatsende anhalten. Für diese Zeit wird die Kreisstraße 37, die von der Landesstraße 234 in Richtung Pattensen und Bahlburg führt, beidseitig gesperrt. Nach dieser ersten Phase der Bauarbeiten wird die Kreuzung für die Wintermonate wieder freigegeben.

Landkreis Harburg trägt 48 Prozent der Finanzierung

Die Finanzierung der Bauarbeiten, die mitsamt der Sanierung von rund 400 Metern Radweg nach Bahlburg rund 800.000 Euro kosten, teilen sich das Land und der Landkreis Harburg untereinander auf. Das Land trägt 52 Prozent der 707.000 Euro für seine Straße, die weiteren 48 Prozent muss der Kreis übernehmen, der zudem 85.000 Euro für den Radweg bereitstellt. „Wir bekommen für den Straßenbau jedoch eine Förderung vom Land von rund 200.000 Euro. Das vermindert den Anteil des Kreises auf 140.000 Euro“, sagt Uwe Karsten, der Leiter des Betriebs Kreisstraßen des Landkreises.

Unfallschwerpunkt seit vielen Jahren

Über eine Neuordnung des Verkehrs am Bahlburger Kreuz wird seit Jahren oder gar Jahrzehnten diskutiert. Im Jahr 2014 hatte die Unfallkommission, zu der jeweils Vertreter der Baulastträger, der Verkehrsbehörden und der Polizei gehören, den Umbau zum Kreisel empfohlen. Zwei Jahre später schloss sich der Kreisausschuss, das zweithöchste politische Gremium des Landkreises, mit einem Beschluss dem Votum der Kommission an. „Mit der Planung haben wir 2017 begonnen, die wasserrechtliche Genehmigung, die auch den Bau eines Regenrückhaltebeckens vorsieht, kam 2018“, sagt Dirk Möller, der Leiter der Lüneburger Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Seit 2019 gilt das Baurecht und in diesem Sommer wurden die Aufträge vergeben. „Die Corona-Pandemie hat hier keine Rolle gespielt, wohl aber, dass die Kapazitäten bei Planern begrenzt sind“, sagt Möller zum zeitlichen Ablauf.

Wünschelrutengänger attestierte schlechtes Karma

Warum am Kreuz immer wieder Unfälle, oftmals mit Verletzten passieren, ist sowohl für Möller als auch für Karsten kaum erklärlich. Die Strecke ist eben und führt fast gänzlich geradeaus. „Die Kreuzung ist zudem gut einsehbar“, sagt auch Polizeihauptkommissar Frank Waldhaus, der Sachbearbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Harburg, der seit vier Jahren die Unfalldaten für den Kreis auswertet. Ein Rutengänger aus Bahlburg hatte vor Jahren dem Ort sogar ein schlechtes Karma attestiert und dies wiederum auf eine Wasserader im Boden zurückgeführt.

Klar ist jedenfalls: Am Schnittpunkt der Landesstraße 234 und der Kreisstraße 37 ist es seit Jahren gefährlich. So ereigneten sich zwischen 2014 und 2016 sieben Unfällen mit Verletzten, davon einer mit einem Schwerverletzten. 2016 bis 2018 stieg die Zahl auf neun Unfälle, davon drei mit Schwerverletzten und 2019 wurden sechs Mal Menschen verletzt. Schwerverletzte gab es davon bei einem Unfall. Die Blechschäden hat Waldhaus in diese Zahlen noch gar nicht eingerechnet.

Meistens wird die Vorfahrt missachtet

„Zumeist wird von den aus der K37 auf die Landesstraße einbiegenden Fahrer die dortige Vorfahrt missachtet“, sagt Waldhaus. Die Autos treffen die auf der Landesstraße durchfahrende Wagen seitlich. Das führt nur zu leicht dazu, dass Menschen nicht mehr heil aus einer Kollision herauskommen können.

Mit dem Umbauprojekt soll das nun anders werden. Zu Beginn werden im Herbst nach der beidseitigen Sperrung der K37 das Regenrückhaltebecken gebaut und Erdarbeiten ausgeführt, bei denen unter anderem Leitungen von Dow Chemical in Stade berücksichtigt werden müssen. Der Landkreis wird gleichzeitig den Anschluss des Radweges an die Landesstraße sanieren. Vom 5. Oktober an gilt dann auf der K37 die Umleitung ab Pattensen über die Landesstraße 215 „Pattensener Hauptstraße“ und Landesstraße 234 „Winsener Landstraße“ über Garstedt zurück auf die Kreisstraße 37 bei Vierhöfen. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Landesstraße wird von 70 km/h auf 50 km/h reduziert. Für Fußgänger und Radfahrer ist ebenfalls eine Umleitung vorgesehen.

Umbau in vier Phasen

Die drei weiteren Bauabschnitte im kommenden Jahr seien spätestens ab Anfang April geplant, sagte Möller, bei einem gemeinsamen Besuch mit Karsten vor Ort. Dabei werden in Phase zwei und drei jeweils eine halbe Seite der Landesstraße mitsamt der anschließen Einmündung und dem jeweiligen Teil des Kreisels gebaut. In der Phase vier soll für maximal eine Woche der gesamte Bereich asphaltiert werden. Rechtzeitig vor dem Beginn der Arbeiten 2021 will die Straßenbaubehörde erneut über die Verkehrsregelungen informieren.

Kreisel mit 35 Metern Durchmesser

Der neue Kreisel wird einen Durchmesser von 35 Metern und eine Spur haben. Er ist für alle Lkw geeignet, so dass keine Durchfahrt in der Mitte, etwa für Spezialtransporte, vorgesehen ist. „Wir werden diesen Mittelteil voraussichtlich mit Gras oder Büschen begrünen“, sagt Behördenchef Möller.

Entscheidend ist: Mit der Neuregelung und der Anfahrt auf den Kreisel werden alle Verkehrsteilnehmer ihre Geschwindigkeit drosseln müssen. „Daher setzen wir darauf, dass die Zahl der Unfälle deutlich sinkt“, sagt Kreisstraßen-Chef Karsten. Möller nickt. Hauptkommissar Waldhaus ist sogar ganz sicher: „Die Situation wird sich verbessern.“