Hamburg

Mammut-Projekt für Wilhelmsburg: ein Güterbahntunnel

In Höhe der Thielenstraße fädeln die Gleise der Hafenbahn, von links kommend, auf die Güterbahnmagistrale (rechts) ein und kreuzen dabei die Personenzuggleise und die Güter-Hauptstrecke. Das komplizierte Geflecht soll entzerrt werden.

In Höhe der Thielenstraße fädeln die Gleise der Hafenbahn, von links kommend, auf die Güterbahnmagistrale (rechts) ein und kreuzen dabei die Personenzuggleise und die Güter-Hauptstrecke. Das komplizierte Geflecht soll entzerrt werden.

Foto: Lars Hansen / xl

Bahn will komplizierte Gleiskreuzung auf der Insel entzerren. Hafenbahn soll unter Fernbahnstrecke hindurchgeführt werden.

Wilhelmsburg.  Wilhelmsburg steht das nächste Verkehrsgroßprojekt bevor. Die Bahn plant, einen Teil des Güterverkehrs auf der Elbinsel tieferzulegen und die Güterzüge unter den Personenzügen hindurchzuleiten, damit sie zukünftig kreuzungsfrei auf die richtige Strecke gelangen.

Verkehrsprojekt für Wilhelmsburg: Güterverkehr tieferlegen

Das Projekt ist mit mehr als 200 Millionen Euro veranschlagt, und soll möglichst bis 2030 abgeschlossen sein. Der Baubeginn ist in viereinhalb Jahren geplant. Am Freitag informierte die Bahn den Verkehrsausschuss der Bürgerschaft, am kommenden Dienstag soll der Regionalausschuss Wilhelmsburg/Veddel hören, was die Bahn AG plant.

Dass Wilhelmsburg ein Verkehrsknotenpunkt ist, ist eine Binsenweisheit: Die einzigen Elbquerungen im Großraum Hamburg verlaufen über die Elbinsel und zwar sowohl, was Schiene, als auch Straße betrifft.

Dazu kommt Querverkehr – hauptsächlich aus dem Hafen – der auf die großen Nord-Süd-Strecken einfädeln muss. Auch das betrifft die Straße genauso, wie die Schiene. Güterzüge zwischen Skandinavien und Südeuropa durchqueren Hamburg auf einer östlich gelegenen Magistrale über Tiefstack, Horn und Wandsbek.

Bislang verkehren alle Zugarten auf einer Ebene

Die Gütergleise in Wilhelmsburg liegen deshalb östlich fast aller anderen Gleise. Die S-Bahn liegt noch weiter östlich. Güterzüge aus dem westlich von Wilhelmsburg gelegenen Hamburger Hafen müssen deshalb die Personenzuggleise kreuzen, um auf ihre Hauptstrecke zu gelangen.

Bislang verkehren alle Zugarten auf einer Ebene. Die Hafenzüge kreuzen die Nord-Süd-Magistrale mittels Weichen. Das führt dazu, dass immer wieder Züge anhalten müssen, um andere passieren zu lassen.

Das geschieht jeden Tag bis zu 130 Mal, erklärte Frank Limprecht, Koordinator für die Großprojekte der Bahn in Norddeutschland, am Freitag in der Bürgerschaft. Die daraus entstehenden Verspätungen würden sich auf zwei Stunden addieren, im Schnitt drei Minuten pro Regional- und bis zu sieben pro Fernzug.

10 Milliarden Euro für "Knoten Hamburg" eingeplant

Die Wilhelmsburger Kreuzung ist eine von mehreren Stellen, an denen es im „Knoten Hamburg“ hakt. Um den Verkehrsfluss im gesamten Hamburger Schienennetz zu verbessern, sind für den Knoten Hamburg im Bundesverkehrswegeplan 10 Milliarden Euro bis 2030 beiseite gelegt.

Am Ende soll sich die Zahl der Zugreisenden im Hamburger Raum verdoppelt haben. Allein 100 neue Regionalzüge soll das System täglich neu abwickeln können. Der Güterverkehr auf der Schiene soll seinen Anteil am gesamten Frachtaufkommen von 18 auf 25 Prozent steigern.

Trog diagonal unter der Hauptstrecke

Damit das auch im Süden klappt, will die Bahn die Güter- und die Personengleise entzerren. Die Wilhelmsburger Kreuzung ist dabei nur ein Teil der Maßnahmen. Auch das Meckelfelder Überwerfungsbauwerk und der unterirdische Harburger Kurvenbahnhof sind Projekte, die im Zuge des Knotens Hamburg geplant werden.

Konkret wird auf einer Strecke von 1,5 Kilometern neu geplant. Der eigentliche Trog, der diagonal unter der Hauptstrecke kreuzt, ist dabei nur 500 Meter lang. Die Ab- und Auffahrten nehmen den Rest der Strecke ein ein. Über den Trog soll ein Deckel gelegt werden, um Lärm einzuschränken.

Lesen Sie auch:

Am Ende soll die neue Kreuzung leiser sein, als die alte. „Mit der Unterfahrung beseitigen wir Engpässe, sorgen für die Leistungsfähigkeit des Hamburger Knotens und leisten einen Beitrag für einen leisen und umweltfreundlichen Schienenverkehr“, sagt Manuela Herbort, Konzernbevollmächtigte der Bahn für den Nordwesten Deutschlands.

Wird die S-Bahn beeinträchtigt?

Der Wilhelmsburger Bürgerschaftsabgeordnete und Regionalausschussvorsitzende Michael Weinreich (SPD) ist schon sehr gespannt auf die Präsentation des Projekts im Regionalausschuss. „Da ergeben sich durchaus noch einige Fragen“, sagt er. „Zum Beispiel, welche Einschränkungen der Zugverkehr in der Bauzeit haben wird. Wird die S-Bahn beeinträchtigt? Und mit welcher Art von Baulärm ist zu rechnen? Das sind Sorgen, die sich Wilhelmsburger machen und die mit bedacht werden müssen.“

Ob diese Fragen nächste Woche beantwortet werden können, ist fraglich: „Das ganze Projekt befindet sich noch in einer sehr frühen Planungsphase“, sagt eine Bahnsprecherin. „Es wird Einschränkungen geben, aber konkretisieren können wir sie noch nicht.“