Nahverkehr

Hält die S-Bahn ihre Versprechen für die S 3?

Statt der Langzüge mit neun Waggons fahren auf der S3 teils doch nur Vollzüge mit sechs Wagen. Abstand halten ist dann kaum möglich.

Statt der Langzüge mit neun Waggons fahren auf der S3 teils doch nur Vollzüge mit sechs Wagen. Abstand halten ist dann kaum möglich.

Foto: Lars Hansen / xl

Eigentlich sollten morgens auf der vollen Linie S 3 nur Langzüge verkehren. Doch nicht immer ist das der Fall.

Hamburg. Langzüge auf der S 3 – und nach den Wünschen vieler Verkehrspolitiker auch auf der S 31 – sollten eine schnelle Lösung für die immer drangvoller werdende Enge in den Zügen der S-Bahn im Süden Hamburgs sein. Da, wo es technisch schnell umsetzbar war, nämlich auf der S 3 zwischen Elbgaustraße und Neugraben, verpflichtete sich die S-Bahn-Hamburg auch dazu, dass in den Hauptverkehrszeiten nur mit Langzügen gefahren wird. Nach eigenen Angaben kommt die S-Bahn dieser Verpflichtung auch im Wesentlichen nach. Das subjektive Empfinden der Harburger ist ein anderes.

Eine Stichprobe des Abendblatts am Freitagmorgen im Bahnhof Harburg ergab: Es fuhr zumindest zwischen 7.45 Uhr und 8.45 Uhr nicht ein einziger Langzug. Eine Ausnahme aufgrund einer Störung, sagt die S-Bahn. Eine Ausnahme vielleicht, sagen Harburger Bezirkspolitiker, aber leider keine Seltenheit.

Ein Langzug besteht aus drei Fahrzeugen zu je drei Waggons und bietet, je nach Zugbaureihe, zwischen 1410 und 1542 Plätze, wobei auf zwei Sitzplätze ungefähr drei Stehplätze kommen. Der Standardzug der S-Bahn ist der so genannte Vollzug aus zwei Fahrzeugen und der „Ausputzer“ der Kurzzug mit nur drei Waggons. Nicht alle Bahnhöfe eignen sich für Langzüge. In Altona ist das Wendegleis zu kurz, weswegen die S 31 keine Langzüge fahren kann. Fast alle Stationen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben darüber hinaus zu kurze Bahnsteige, weshalb die S 3 nur auf Hamburger Gebiet Langzüge fahren kann.

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Ralf-Dieter Fischer. „Die S-Bahn muss liefern"

In Neugraben und an der Elbgaustraße werden die herausfahrenden Langzüge dann um ein Fahrzeug „geschwächt“, und die hereinkommenden Vollzüge um ein Fahrzeug „gestärkt“. An dieser Stelle ist das System anfällig.

„Aufgrund einer Betriebsstörung am Tag zuvor haben wir sehr viel Personal gebraucht, um Züge wieder an die richtigen Stellen im S-Bahn-Netz zu bringen, diese Leute haben uns am nächsten Tag gefehlt“, sagt ein S-Bahn-Sprecher.

„Dazu kam eine Krankmeldung am nächsten Morgen, so dass wir keine Lokführer zum Stärken und Schwächen abstellen konnten, ohne das Züge ausgefallen wären. Uns ist in dem Moment wichtiger, dass alle Züge fahren, als wie lang sie dann sind.“ Wirklich beruhigen kann das die Bezirkspolitiker nicht: „Die Langzüge sind bestellt und zugesagt“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Ralf-Dieter Fischer. „Dann muss die S-Bahn liefern. Und eigentlich hat die S-Bahn auch genügend Erfahrung mit Betriebsstörungen, um diese einzukalkulieren.“

Bald ist das Vor-Corona-Niveau erreicht

Michael Sander (Grüne) erklärt, man müsse nicht einmal die derzeit alles überlagernde Pandemie-Diskussion bemühen, um auf Einhaltung des Langzug-Versprechens zu pochen: „Die Züge werden jetzt schon immer voller und bald ist das Vor-Corona-Niveau erreicht“, sagt er. „Nur Langzüge schaffen da annähernd genug Platzkapazität, um das Pendleraufkommen zu bewältigen. Und das wird lange so bleiben, denn mindestens bis 2030 sind keine neuen Gleiskapazitäten geplant.“ Also müssten mehr Fahrzeuge auf die selben Gleise. Sander: „Dafür wird einerseits jetzt am bestehenden Gleisnetz gearbeitet, so dass in einigen Jahren eine dritte Linie darauf fahren kann; andererseits brauchen wir nicht nur die zugesagten Langzüge auf der Linie S 3 sondern eigentlich auch noch welche auf der S 31.“

In der Hinsicht könnte sich noch etwas tun: Beim „Klima-Talk Mobilität“ des Bezirks Harburg am Donnerstag berichtete ein Vertreter des HVV, man arbeite an einer Lösung für das Wendegleis-Problem in Altona. Dort würde im Tunnelbereich hinter den Bahnsteigen ein anderes Gleis das Wendegleis queren und dessen Spielraum einengen. Mit moderner Weichentechnik und einem vertretbar aufwendigen Umbau könne man diesem Problem aber Herr werden.

Personalprobleme der S-Bahn

„Das wäre eine Ideallösung“, sagt Frank Wiesner, SPD-Verkehrsexperte, „denn so könnten auf der S3 und der S31 morgens und abends Langzüge verkehren. Und w eil die S 31 nur zwischen Altona und Neugraben pendelt, müsste sie auch nicht gestärkt und geschwächt werden. Wenn der Bahn das Personal fehlt, pendeln auf dieser Linie dann eben den ganzen Tag über Langzüge!“

Im Hauptberuf Verkehrsplaner hat Wiesner Verständnis für die Personalprobleme der S-Bahn, sieht sie aber auch in der Verantwortung, sie zu lösen „Der Lokführermangel trifft alle Bahnbetreiber“, sagt er, „aber er kam nicht unerwartet und ist auch kein hinzunehmendes Schicksal. Es ist vielmehr die betriebswirtschaftliche Verantwortung der S-Bahn, ausreichend Personal für vertragliche Leistungen zu gewinnen und vorzuhalten.“