Landkreis Harburg

Drittes Rekordjahr: Warum sich Störche im Norden wohlfühlen

Nicht alle Storchenpaare ziehen mehrere Jungvögel groß. Zuweilen gibt es auch gar keinen Nachwuchs.

Nicht alle Storchenpaare ziehen mehrere Jungvögel groß. Zuweilen gibt es auch gar keinen Nachwuchs.

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Die Zahl der Brutpaare ist im Landkreis weiter gestiegen. Nabu Hamburg meldet zweitbestes Ergebnis seit 50 Jahren.

Kreis Harburg/Hamburg.  Im Landkreis Harburg ist im dritten Jahr hintereinander die Zahl der Storchenpaare gestiegen. Nach 40 Paaren im Jahr 2018 und 46 Paaren im vergangenen Jahr erhöhte sich ihre Zahl jetzt auf 53. Allerdings zählten die Storchenbetreuer im Landkreis in diesem Sommer weniger Jungvögel. „Es waren 78 und damit fünf weniger als im vorigen Jahr“, sagte Storchenbetreuer Tom Sauerland am Mittwoch dem Abendblatt.

Auch für Hamburg beurteilt der Naturschutzbund (Nabu) die Brutsaison als erfolgreich. 70 Jungstörche hat der Nabu in der Hansestadt gezählt. Sie sind der Nachwuchs von insgesamt 34 Storchenpaaren. Damit war 2020 das zweitbeste Hamburger Storchenjahr in den vergangenen 50 Jahren. „Wir freuen uns über dieses Ergebnis, dürfen in unseren Bemühungen um den Schutz unserer Wappentiere aber nicht nachlassen“, sagt Nabu-Storchenvater Jürgen Pelch.

Zwölf Störche tragen einen Sender

Gemeinsam mit der Universität Kiel hat der Nabu Hamburg bereits 2019 ein Projekt gestartet, bei dem mittlerweile zwölf Weißstörche mit einem Sender ausgestattet wurden. Auf diese Weise lassen sich die Bewegungen der Tiere erfassen, sowohl in der Brutzeit im Norden als auch während ihres Zuges. „Diese Daten geben Aufschluss über die Wirksamkeit von Naturschutzmaßnahmen, etwa welche Flächen zur Nahrungssuche genutzt werden oder welchen Einfluss Windräder auf den Bewegungsradius der Störche haben“, erklärt Pelch.

Im Landkreis hatten zwar fast alle Paare gebrütet, allerdings schlüpften nur bei 39 Paaren durchschnittlich zwei Jungvögel. „Jungen Störchen fehlt häufig einfach die Erfahrung, um gleich mit Nachwuchs erfolgreich zu sein. Sie beginnen zu spät mit dem Brüten oder finden nicht gleich einen geeigneten Horst“ sagt Sauerland. Diese sind dann von älteren Vögeln besetzt, die immer wieder zu ihren Nestern zurückkehren. So treu sind die Vögel untereinander nicht. „Sie führen eine Saison-Ehe“, erklärt der Storchenbetreuer.

Mehr Brutpaare – aber nicht mehr Jungvögel

Sauerland geht davon aus, dass sich auch in den kommenden zwei oder drei Jahren die Zahl der Brutpaare im Landkreis erhöhen wird. Allerdings rechnet er damit, dass die Zahl der Jungen eher stagniert. Hintergrund ist, dass die Flächen für die Nahrungssuche schon allein durch Neubauten geringer werden.

Nach Norddeutschland kommen vor allem Störche, die für ihren Zug nach Süden die westliche Route Richtung Spanien wählen. Sie ist kürzer als die Strecke nach Osten Richtung Türkei, den Tieren drohen weniger Gefahren und zudem bleiben weniger unterwegs erschöpft auf der Strecke. „Während bei uns die Zahl der Brutpaare weiter steigt, sinkt sie in Ostdeutschland, weil dort die Tiere von der Ostroute ankommen“, sagt Sauerland. Während noch vor weniger Jahren zwei Drittel der Störche nach Osten zogen, sind inzwischen jeweils die Hälfte auf den beiden Routen unterwegs.

Innerhalb des Landkreises Harburg werden inzwischen allein 90 bis 100 Nisthilfen angeboten. Von ihnen ist etwa die Hälfte belegt. Doch nicht immer sind die Tiere mit ihnen zufrieden. „Sie bauen zunehmend eigene Nester, teilweise sogar in der Nähe der Hilfen“, hat Sauerland beobachtet. „Die Tiere sind für die Horste jedenfalls nicht auf die Unterstützung der Menschen angewiesen.“

Jeder bewohnte Horst steht unter Naturschutz

Wer sich dazu entschließt, den Störchen einen Nistplatz auf Stämmen, Bäumen, Masten oder Dächern anzubieten, sollte sich diese Entscheidung reiflich überlegen. Denn sobald sich ein Paar niederlässt und Zweige einbaut, darf die Konstruktion nicht wieder abgenommen werden. Der Horst unterliegt dann dem Bundes-Naturschutzgesetz. „Allenfalls lässt er sich zusammen mit Fachleuten umsetzen“, sagt Sauerland. Für Fragen sind die Storchenbetreuer unter www.stoerche-lkHarburg.de ansprechbar.

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Sauerland selbst hat in Stöckte seit 2017 einen Mast auf seinem Grundstücke stehen, den die Stadtwerke Winsen ausrangiert und ihm gespendet hatten. Zwar blieb bis auf das erste Jahr der Nachwuchs aus. Aber Vögel ließen sich in jedem Jahr nieder. So hatte der Storchenbetreuer die Tiere auch zu Hause immer im Blick.