Verkehrskonzept

Verkehrssenator Anjes Tjarks erradelt sich Harburg

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Lars Hansen
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne. von links) Baudezernent Christian Liedt, Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen, Binnenhafenbewohner Werner Pfeiffer und die Bezirksabgeordnete Bianca Blomenkamp hören Tiefbau-Abteilungsleiter Andreas Svensson zu.

Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne. von links) Baudezernent Christian Liedt, Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen, Binnenhafenbewohner Werner Pfeiffer und die Bezirksabgeordnete Bianca Blomenkamp hören Tiefbau-Abteilungsleiter Andreas Svensson zu.

Foto: Lars Hansen / xl

Der Grünen-Politiker wurde vom Bezirksamt dorthin geführt, wo der Schuh besonders drückt, verteilte aber auch Lob.

Hamburg.  Die Trennwirkung der Achse B 73/Bahnstrecke aufzuheben, eine bessere Schnellbahnanbindung nach Hamburg und neue Perspektiven für die Innenstadt: Die Wunschliste der Harburger an die Hamburger Verkehrspolitik ist so umfangreich, dass man sie zur besseren Übersicht praktischerweise in drei Kapitel unterteilt.

Bei einer Fahrradrunde durch das Harburger Zentrum brachten Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen, Harburgs Baudezernent Hans Liedt und deren Mitarbeiter dem Hamburger Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) ihre Vorstellungen von Harburgs Verkehrszukunft näher. Der Gast lobte verschiedene Harburger Ideen, dämpfte aber gleichzeitig die eine oder andere Hoffnung. So wird es beispielsweise in absehbarer Zeit keine weitere U-Bahn- oder S-Bahn-Strecke nach Hamburg geben.

Infrastruktur für Radfahrer im Vordergrund

Vordergründig ging es Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen und dem Dezernenten für Wirtschaft, Bauen und Umwelt Hans Liedt bei ihrer Einladung darum, dem Senator bei der Radtour die Schwerpunkte im Ausbau der Fahrradinfrastruktur südlich der Elbe vorzustellen. Nicht ganz zufällig wurden dabei auch die anderen zentralen Fragen rund um Verkehr und Mobilität in Harburg vorgestellt und erörtert. „Wir wollten die Gelegenheit nutzen, dass eine neue Behörde und neue Personen für die Verkehrsfragen in Hamburg zuständig sind“, sagt Bezirksamtsleiterin Fredenhagen. „In der Vergangenheit sind unsere Wünsche im Hamburger Rathaus ja oft auf taube Ohren gestoßen.“

Vorerst keine weitere S-Bahn

Einer dieser Wünsche ist mindestens eine, wenn nicht zwei neue Stadtbahnstrecken nach Hamburg. Die Verlängerung der U 4 bis Harburg ist ein alter Traum, eine S-Bahn unter der Elbe parallel zum Elbtunnel eine alte grüne Forderung, die aktuell vom Harburger Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi (SPD) wieder aufgegriffen wurde.

Auch Baudezernent Liedt bekräftigte diese Wünsche und drängte darauf, dass die Trassen dafür frei gehalten werden. Tjarks allerdings machte wenig Hoffnung, dass diese bald erfüllt würden. „In Hamburg ist man sich einig, dass erst die Bahnprojekte fertig gebaut werden sollen, die jetzt in der Verwirklichung sind und dann über weitere nachgedacht wird. Dazu gehört eine Verlängerung der U4 in beide Richtungen“, sagte er.

Bei Bike-and-Ride ist Harburg führend

Tjarks lobte das Harburger Bezirksamt für seine Umsetzung verschiedener Fahrradprojekte. „Harburg wird mit 1200 Plätzen in der Fahrradstation die größte Bike-and-Ride-Anlage in Hamburg verwirklichen“, sagte er an der Station, an der Jan Krampe von der Hamburger P+R-Betriebsgesellschaft das Harburger Projekt vorstellte, „außerdem wird es direkt hier an der Hannoverschen Straße Hamburgs erste Protected Bike Lane geben.“

„Protected Bike Lane“ bedeutet geschützte Fahrradstreifen. Die Fahrradspur stadteinwärts auf der Hannoverschen Straße wird zwischen Bahnhof und Neuländer Straße mit Betonelementen von der Fahrbahn abgetrennt, weil die Autofahrer auf diesem Abschnitt oft Gas geben. Harburgs Tiefbauabteilungsleiter Andreas Svensson: „An dieser Stelle ist es gleichermaßen sinnvoll und möglich, eine Protected Bike Lane einzurichten. Diese Kombination trifft man selten.“

Senator zeigt Interesse an Landschaftsbrücke

Interessiert zeigte sich Tjarks auch an dem Thema Landschaftsbrücke zwischen Binnenhafen und Harburger Innenstadt sowie der zukünftigen Entwicklung der B 73. Mit der Autobahn A 26 werde man es schaffen, den Verkehr auf der B 73 so zu verringern, dass man sie schmaler mache könnte, sodass alle Anwohner Lebensqualität gewinnen und auch mehr Wohnraum an der magistrale entwickelt werden kann.

„Wir wollen die Mobilitätswende nicht nur für die innere Stadt“, sagt der Senator, „auch unsere Außenbezirke sollen in unseren Planungen deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen. Mit dem Ausbau der Velorouten und Radschnellwege, dem Bau der Fahrradstation und mit der Protected Bike Lane zeigt der rot-grüne Senat, dass unsere Randbezirke durchaus in unseren Planungen berücksichtigt werden. Der Bezirk sollte auch im weiteren Verlauf der Velorouten über Protected Bike Lanes nachdenken!“

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