Bauprojekt

Elstorf soll „Lindenhöfe“ bekommen

So sieht der Entwurf vom August 2020 für das alte Raisa-Gelände in Elstorf aus.

So sieht der Entwurf vom August 2020 für das alte Raisa-Gelände in Elstorf aus.

Foto: Axel Tiedemann / AT

Investor plant Bau von Wohnungen in mehreren Gebäuden, teils als Mietwohnungen, teils auch als Eigentumswohnungen

Elstorf . Erst waren es weiße Fassaden und Flachdächer, die missfielen. Zu urban, zu wenig dörflich, hieß es. Dann waren die geplanten Gebäude am südlichen Elstorfer Ortseingang den Ratsmitgliedern zu hoch und zu massiv. Und auch am aktuellen und mittlerweile vierten Architektur-Entwurf aus dem August gab es wieder etwas zu kritteln in der Neu Wulmstorfer Kommunalpolitik.

Doch insgesamt stieß der aktuelle Vorschlag des Hanstedter Investors Friedrich Brandt (Deutsche Immobilien GmbH) für das zu Neu Wulmstorf gehörende Dorf jetzt im zuständigen Bauausschuss des Gemeinderates auf Zustimmung. Der Entwurf soll nun Grundlage für einen neuen Bebauungsplan sein, der allerdings viele Details der Gestaltung erst noch genau regeln wird.

Bürgermeister soll Verträge abschließen

Der Ausschuss empfahl damit einstimmig den Fortgang des weiteren Planverfahrens mit Bürger- und Behördenbeteiligung. Zudem wurde der Bürgermeister ermächtigt, mit dem Investor städtebauliche Verträge abzuschließen, beispielsweise zu einer Infrastruktur-Folgekostenbeteiligung. Endgültig beschließen wird das Verfahren aber noch der Gemeinderat. Wie berichtet, hat Brandt von der Raisa-Waren-Genossenschaft (Raiffeisen) das Gelände vor einem Jahr gekauft, nachdem die Raisa den Standort Elstorf aufgegeben hatte, weil hier keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr gesehen wurden. Eine Lagerung für Getreide gab es dort noch bis zum vergangenen Jahr sowie einen typischen Raisa-Landhandel mit Tierfutter- und Gartenprodukten. Getreidesilo, Lagerhallen und Ladengebäude sollen nun abgerissen werden.

Stattdessen plant Friedrich dort den Bau von Wohnungen in mehreren Gebäuden, teils als Mietwohnungen, teils auch als Eigentumswohnungen. Die genaue Zahl stehe dabei im aktuellen Entwurf noch nicht fest, in einem älteren Entwurf war von 47 Einheiten die Rede. Geplant sind zudem Altenpflegewohnungen und möglichst ein kleines Ärzte- und Gesundheitszentrum. Er stehe da bereits in Verhandlungen, so Brandt, der diesmal im Ausschuss einen Entwurf vorlegte, der nicht mehr dreigeschossige Bauten zeigte, sondern zweigeschossige mit ausgebautem Dachgeschoss, großen Gauben und klassisch geneigten Dächern.

Car-Sharing-Stellplätze und E-Auto-Ladesäulen

Die geforderte Firsthöhe von maximal zwölf Metern hält er damit ein. Die Parkplätze sollen dort als Tiefgaragen angelegt werden. Auch über Car-Sharing-Stellplätze und E-Auto-Ladesäulen denke man nach, versicherte Brandt.

Der Komplex am südlichen Ortsausgang wird dabei aus zwei Hausgruppen bestehen, die beide um eine Art Innenhof gruppiert sind. Und weil das Projekt an der Lindenstraße entstehen soll, firmiert das Vorhaben nun unter dem vornehmen Namen „Lindenhöfe“. Von den Ausschussmitgliedern gab es diesmal weitgehend Lob für diesen vierten Entwurf, aber auch kleine Änderungswünsche. Metalldächer, wie dargestellt, würden nicht gerade „dörflich“ aussehen, kritisierte beispielsweise CDU-Fraktionschef Malte Kanebley. Auch klassische Dachüberstände wünsche man sich in seiner Fraktion.

Was wird mit dem Funkempfang?

„Aber insgesamt zeigt der Entwurf, in welche Richtung es gehen soll“, so der CDU-Politiker. Ein Punkt aber machte den Politikern immer noch Sorgen: Auf dem großen Raisa-Silo sind noch die für Elstorf wichtigen Mobilfunk-Antennen montiert. Was aber passiert mit dem Empfang im Ort, wenn der markante Turm abgerissen wird? Keine Angst, versicherte Investor Brandt, er stehe mit den Betreibern in Verhandlungen für eine Ersatz-Lösung. Vorteilhaft wäre aber natürlich ein zügiges Planverfahren seitens der Gemeinde.

Und es gibt zuvor für den Komplex noch ein Problem aus der früheren Nutzung zu lösen: Beim Verkauf im September 2019 wohnten noch drei Mietparteien im Gebäude, zwei sind inzwischen ausgezogen. Ein Ehepaar, das bereits 1994 dort eingezogen ist, noch mit der Volksbank als Vermieter, blieb bisher und pochte auf die einjährige Kündigungsfrist.

Und weil der Vertrag so alt ist, gilt in diesem Fall die Raisa noch als Vermieterin, die eine Lösung finden muss und nach eigenen Angaben inzwischen auch ein Angebot für eine andere Wohnung gemacht hat. Verhandelt wurde dabei laut Raisa über Rechtsanwälte. Termine für das Bauprojekt würden durch diese rechtliche Auseinandersetzung nicht beeinträchtigt.