Neu Wulmstorf

SPD-Kreischef Thomas Grambow will Stader Landrat werden

Thomas Grambow ist Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Landkreis Harburg.

Thomas Grambow ist Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Landkreis Harburg.

Foto: Alexander Barwich / HA

Gegenkandidat ist der CDU-Landtagsabgeordnete Kai Seefried. Grambow lässt politische Ämter in Neu Wulmstorf zum Herbst 2021 auslaufen.

Neu Wulmstorf.  Im Landkreis Harburg gilt er als kommunalpolitische Größe: Der Neu Wulmstorfer Thomas Grambow ist hier SPD-Kreischef, zudem in seinem Heimatort Vize-Bürgermeister und einflussreicher Vorsitzender des Bauausschusses. Nun schickt sich Grambow an, eine hauptamtliche Aufgabe zu übernehmen. Er will im Herbst 2021 bei den Kommunalwahlen als Landrat kandidieren – allerdings nicht im Landkreis Harburg, sondern im Landkreis Stade.

Von der dortigen SPD habe es eine entsprechende Anfrage gegeben, bestätigte Grambow, der sich jetzt Anfang der Woche den Stader SPD-Gremien vorgestellt und dabei offensichtlich eine breite Zustimmung erfahren hat: „Ich habe dazu jetzt die erste Empfehlung aus meiner Partei“, so Grambow, der am Sonnabend seinen 57 Geburtstag feiert. Man werde nun in den nächsten Monaten mit anderen Parteien sprechen und um Unterstützung für seine Kandidatur werben.

Stader SPD sucht weitere Unterstützer

Die kann er wohl auch ganz gut gebrauchen, weil er im Landkreis Stade relativ unbekannt sein dürfte. Seit 2006 ist in Stade der jetzt 62-jährige Jurist Michael Roesberg Landrat. Der parteilose Verwaltungschef wurde dort von der CDU unterstützt, erklärte aber kürzlich, dass er 2021 nicht wieder antreten wolle. Stattdessen hat Mitte August der 1978 geborene CDU-Politiker Kai Seefried seine Landrats-Kandidatur angemeldet. Der Tischlermeister und Betriebswirt aus Drochtersen ist seit 2008 Landtagsabgeordneter und seit 2017 auch Generalsekretär der Niedersachsen-CDU – also ein Mann mit besten Kontakten vor Ort und zur Landespolitik.

Die Kandidatur des Neu Wulmstorfers Grambow erscheint dagegen, vorsichtig ausgedrückt, etwas verwegen. Doch der SPD Politiker hat schon einmal bewiesen, dass er den nötigen Biss für solche eher schwierigen Aufgaben hat. 2014 kandidierte er bereits für den Landratsposten im Kreis Harburg gegen den als absoluten Favoriten gehandelten Rainer Rempe (CDU). Grambow klapperte aber Tausende Haushalte ab, sprach mit sehr vielen Menschen und bekam trotz eines damals sehr kurzen Wahlkampfes immerhin 47, 8 Prozent der Stimmen bei der Direktwahl zum Landrat.

Grambow gehört zum gemäßigten SPD-Flügel

Schon länger gab es daher Spekulationen, dass er es mit einer Kandidatur um ein Amt noch einmal versuchen werde. „Eine hauptamtliche Aufgabe ist ein Lebenstraum von mir“, sagt Grambow, der studierter Verwaltungsfachwirt ist und als Controller bei der Knappschaft-Krankenversicherung arbeitet. Ein Hintergrund, der aus seiner Sicht zur Aufgabe eines Landrates passt: So kunden-und service-orientiert wie eine im Wettbewerb stehende Sozialversicherung ist, müsse eben auch eine Kommunalverwaltung arbeiten, meint Grambow, der zum pragmatischen Flügel seiner Partei gehören dürfte. Also weniger ein Anhänger der derzeit eher linken Parteispitze ist als von Finanzminister und Kanzler-Kandidat Olaf Scholz. „Da fühle ich mich seelenverwandt“, sagt Grambow. Zwölf Jahre war der gebürtige Hamburger zudem bei der Bundeswehr und ist heute Oberstleutnant der Reserve – was im linken SPD-Flügel wohl auch eher selten zu finden ist.

Keine Kampfkandidatur gegen Tobias Handtke

Eigentlich hatte er allerdings Anfang des Jahres noch davon gesprochen, dass er bei den Kommunalwahlen im Herbst 2021 in Neu Wulmstorf als Bürgermeister-Kandidat antreten wolle. Doch das strebt auch der Neu Wulmstorfer SPD-Politiker Tobias Handtke an, der Fraktionschef in Gemeinderat und Kreistag ist. Eine Kampfkandidatur zwischen zwei politischen Schwergewichten aus einem Ort und einer Partei erschien dann aber zu problembeladen, zumal die örtlichen SPD-Gremien offensichtlich eher Handtke präferieren. „Warum sollte ich mir eine blutige Nase holen“, sagt nun Grambow, der daraufhin ankündigte, sich anderswo um eine Kandidatur zu bemühen – was dann offensichtlich bei der SPD im Landkreis Stade aufmerksam registriert wurde.

Noch bis zur Kommunalwahl im Herbst nächsten Jahres werde er kommunalpolitisch weiter in Neu Wulmstorf aktiv bleiben, kündigte Grambow nun an. Danach werde er die politische Arbeit in Neu Wulmstorf einstellen – unabhängig davon, ob er im Landkreis Stade nun als Landrat gewählt werden sollte oder nicht.