Urbane Kunst

Harburg bekommt fünf neue Wandkunstwerke

Dieses Motiv des Künstler-Trios Innerfields ist am Lotsestieg 6 geplant.

Dieses Motiv des Künstler-Trios Innerfields ist am Lotsestieg 6 geplant.

Foto: Urban Art Institute/Innerfields / Urban Art Institute

Im Projekt Walls Can Dance startet am 7. September ein Urban Art Festival, bei dem weitere Fassadengemälde live entstehen.

Harburg.  Die Harburger Freiluft-Galerie wächst weiter: Die Kulturinitiatoren des Urban Art Institute planen den nächsten großen Auftritt im Rahmen ihres Projekts Walls Can Dance: Bereits fünf große Wandbilder sind seit 2017 in der Harburger Innenstadt und im Binnenhafen entstanden, nun sollen fünf weitere Kunstwerke hinzu kommen. Damit ist das gesteckte Ziel, zehn Fassaden von renommierten Urban Art-Künstlern aus dem In- und Ausland gestalten zu lassen, erreicht. Doch Organisator Rudolf Klöckner verspricht den Harburgern: „Wir machen weiter!“

Den Anfang machten die Brüder Florin und Christoph unter dem Künstlernamen Low Bros: Sie schufen im Frühjahr 2017 ein geometrisch-technisches Wandbild an der Harburger Schlossstraße 20, am alten Thörl-Verwaltungsgebäude. Es ist gleichzeitig die Keimzelle der Technischen Universität (TUHH), die dort heute vier Fachbereiche untergebracht hat. Dieses Bild wird demnächst der Sanierung des Gebäudes weichen müssen. Im August 2017 entstand das Mädchen mit Tauben am Altstadthotel, kreiert vom spanischen Künstler Sabek. Drei weitere Wandbilder kamen im vergangenen Jahr rund um die Lüneburger Straße hinzu.

Fünf weitere Werke in den kommenden Wochen

Nun sind fünf weitere Werke geplant – eine konzertierte Aktion, die das Urban Art Institute mit einem Festival begleitet. Eigentlich sollten es sogar sechs Fassadengemälde (Murals) werden. Doch der knallbunte Entwurf des spanischen Künstlers Felipe Pantone für das Karstadt-Parkhaus, den das Abendblatt bereits vorgestellt hatte, muss verschoben werden: „Wegen Corona kann der Künstler nicht anreisen, aber wir bleiben dran“, sagt Klöckner.

Festivalwoche vom 7. bis 12. September

Vier der fünf Murals entstehen in der Festivalwoche vom 7. bis 12. September. Der britische Künstler Dave the Chimp lässt in seinen Werken kleine Comic-Helden, die figürlich an Weiße Bohnen erinnern, in einem knalligen Orange-Ton über die Wände tanzen. Er wird am Harburger Ring aktiv, auf der Rückseite des ehemaligen Schuhkay-Gebäudes. Drei weitere Kunstwerke sind im Binnenhafen geplant. Alle befinden sich in der unmittelbaren Umgebung vom Kanalplatz und nehmen – wie üblich bei Walls Can Dance – Bezug auf den Ort, an dem sie sich befinden. So gewähren die drei Künstler von Innerfields auf der Seitenwand des ehemaligen Fischmehl-Silos am Lotsestieg 6 einen fantasievollen Blick in die Unterwasserwelt – mit Astronaut und Hammerhai.

Maritime Motive im Binnenhafen

Das Künstler-Duo DXTR und Rookie, Mitglieder des international bekannten Kollektivs „The Weird“, wird ein maritimes Motiv auf die östliche Wand der Segelmacherei Raap zaubern. „DXTR und Rookie machen Kunst, die dem Graffiti sehr nahe kommt“, sagt Jana Fux vom Urban Art Institute. „Die Motive sind immer sehr detailreich, auch das im Binnenhafen geplante. Besucher können dort 20-mal hinkommen und sich das Bild ansehen: Sie werden immer wieder etwas Neues entdecken“, verspricht sie. Im Mittelpunkt des Bildes stehe die Piraten-Legende Klaus Störtebeker, ergänzt Rudolf Klöckner und meint, dass dieser Rebell ganz gut zum heutigen Binnenhafen passe: „Hier engagieren sich viele sympathische Menschen für Kultur, die alle auch ein bisschen rebellisch sind.“

Motiv Nummer drei nimmt unmittelbaren Bezug auf die Nachbarschaft. Es wird an der Südfassade des Gebäudes Harburger Schloßstraße 36 entstehen, an einem TUHH-Gebäude, das in einigen Jahren abgerissen wird. Passend dazu hat auch das Gemälde eine Halbwertszeit: „Die Künstlerin Jumu Monster wird einen Sonnengott der Maja erschaffen“, sagt Fux. „Er bezieht sich auf das brachliegende Grundstück vor dem Gemälde. Hier sind Grabungen vom Archäologischen Museum geplant.“ Vom Grundstück an der Ecke Kanalplatz/Harburger Schloßstraße erwarten die Archäologen wertvolle Zeugnisse aus der Siedlungsgeschichte Harburgs. Später soll das Grundstück zur Bebauung freigegeben werden.

Plakataktion zu Kinderrechten startet im Oktober

Im Oktober folgt ein weiteres vergängliches Motiv: Am Harburger Ring wird der Bauzaun Ecke Wilstorfer Straße zur Ausstellungsfläche einer Plakataktion. Es geht um das Thema Kinderrechte. In dem Kooperationsprojekt des deutschen Künstlerpaars Various&Gould, der Bildungsreferentin Christina Castillón (Open School 21) und der Goethe Schule Harburg entwerfen Schüler Plakate, die aufrütteln sollen und fragen: „Kinderrechte – Was hat das mit mir zu tun?“ Fux: „Gerade in Krisenzeiten wie dieser müssen wir den Kindern die Möglichkeit geben, ihren Lebensalltag zu reflektieren, sich darüber auszutauschen und ihre Wünsche und Bedürfnisse ausdrücken zu können.“

Jana Fux hat sich inzwischen in Harburg verliebt, ihrem Kollegen Rudolf Klöckner und weiteren Aktiven vom Urban Art Institute geht es ähnlich. Sie alle wollen ihr Projekt „Walls Can Dance“ – anders als zunächst geplant – nicht mit dem zehnten Mural enden lassen. „Es gibt so viele verschiedene Tanzstile – wir wollen die ganze Vielfalt der Urban Art in Harburg zeigen. Hier gibt es noch jede Menge Potenzial, auch hinsichtlich der städtebaulichen Entwicklung.“ Schließlich will das Projekt eine Scharte lindern, die auch den Stadtplanern und Lokalpolitikern weh tut: die Trennung der City vom Binnenhafen durch die Bahntrasse und die B 73.

Je mehr Bilder entstehen, umso mehr Wände werden angeboten

Die verbindende Freiluft-Galerie wird also weiter wachsen. Ein Teil der Finanzierung läuft über die Stadt und den Bezirk, er werde auch kommendes Jahr zur Verfügung stehen, so Klöckner. „Wir werden im Sommer 2021 neue Wandbilder präsentieren“, verspricht er. Angebote von Wänden, die die Eigentümer bemalen lassen wollen, gebe es genügend: „Je mehr Murals entstanden sind, desto mehr Leute melden sich, die uns eine Hauswand anbieten.“