Harburg

Rieckhof startet in den Herbst und die Zukunft

Jörn Hansen und Ulrike Niß mit dem Zukunftskonzept des Stadtteilzentrums

Jörn Hansen und Ulrike Niß mit dem Zukunftskonzept des Stadtteilzentrums

Foto: Lars Hansen / xl

Kulturzentrum fährt seine Programmgestaltung wegen der Corona-Einschränkungen „auf Sicht“. Langfristig zählt lange Bewährtes.

Harburg. Monatelang war es im Saal des Kulturzentrums Rieckhof still. Einige wenige, abstandsorientierte politische Sitzungen fanden hier statt, ansonsten hatten die Corona-Beschränkungen den gesamten Kulturbetrieb lahmgelegt, also auch den Rieckhof. Die ersten Lockerungen traten in Kraft, als das Stadtteilkulturzentrum bereits in die Sommerpause gegangen war. Die ist jetzt vorbei und der Rieckhof beginnt im September wieder mit den ersten Veranstaltungen. Von Normalität kann dabei keine Rede sein: Die Saalarchitektur und die Abstandsgebote spielen sehr ungünstig zusammen. Rieckhof-Geschäftsführer Jörn Hansen gibt sich trotzig: „Kultur ist ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens“, sagt er, „und es ist unsere Aufgabe, im Rahmen unser Möglichkeiten Kultur in Harburg zu ermöglichen! Deshalb legen wir jetzt wieder los und deshalb haben wir auch unser Konzept jetzt turnusgemäß für die nächsten zehn Jahre fortgeschrieben, anstatt abzuwarten, bis die Corona-Krise vorbei ist.“

Programm beginnt mit Kindertheater

Kurzfristig beginnt der Kulturbetrieb im Rieckhof-Saal in gut zwei Wochen mit Puppentheater für Kinder: „Die Olchis bekommen ein Haustier“ ist die Adaption eines Werks aus der Kinderbuchserie von Erhard Dietl um eine Schmuddelwesen-Familie, die auf der Müllkippe wohnt. Am 16. September um 16 Uhr tanzen die Puppen. Dabei wird es im Saal sehr luftig sein: „Wir haben hin- und her probiert, sagt Rieckhof-Programmkoordinatorin Ulrike Niß, „aber unter Einhaltung aller Abstandsregeln bekommen wir höchstens 100 Gäste in den Saal.“

Saalzuschnitt lässt nur wenige Zuschauer zu

Der Saalzuschnitt, der sehr in die Breite und wenig in die Tiefe geht, lasse nicht mehr zu. Andere kommunale Kulturzentren, deren Säle klassisch von der Bühne weg zugeschnitten sind, wären da im Vorteil. Bei einer Sitzplatzkapazität von 320 und einem unbestuhlten Platzpotenzial von 1000 nur 100 Gäste einlassen zu können, schmerzt schon, „aber wir haben einen Auftrag und viele kleine Clubs in Harburg treffen die Auflagen noch härter, so dass sie derzeit ihre Bühnen gar nicht bespielen können, da sind wir doppelt in der Pflicht!“, sagt Rieckhof-Chef Hansen.

Stammgäste kommen wieder

Viele derer, die in den nächsten Monaten auf die Rieckhof-Bühne kommen, sind Stammgäste, die sonst den Saal gut füllen: Die Komiker Kay Ray, Ingo Oschmann oder Emmi & Herr Willnowski; beispielsweise, oder die Gustav Peter Wöhler Band. Für manche andere, für die 100 Zuschauer eher ein normaler Schnitt sind, ergibt sich jetzt eine Gelegenheit, die große Bühne und die unter Künstlern legendäre Tontechnik des Rieckhofs auszuprobieren. Einige haben aber auch abgesagt und warte auf bessere Zeiten. Zehn Darbietungen stehen bis Dezember bereits im Programm, aber es kommen noch welche hinzu. Auf alle Fälle abgesagt sind die Flohmärkte im Herbst. „Wir fahren auf Sicht“, sagt Hansen, „aber wir fahren.“

Konzept setzt auf bewährte Veranstaltungen

Für seine Zukunft setzt der Rieckhof auf Bewährtes aus der Vergangenheit: Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem Saal, in dem pro Jahr etwa 200 Veranstaltungen stattfinden: Konzerte, Theater, Tanzfeste, Flohmärkte, Partys und das legendäre Rudelsingen. Einige Veranstaltungsformate können derzeit nicht stattfinden, dafür ziehen andere in den Saal um, um hier Abstände wahren zu können. So finden derzeit beispielsweise regelmäßig Chorproben im großen Rieckhof-Saal statt. Mittelfristig möchte man komplett zur gewohnten Struktur zurückkehren: „Der Mix aus bekannten Künstlern, aufstrebenden Talenten und Laien hat sich sehr bewährt“, schreibt das Rieckhof-Team im Zehnjahres-Konzept 2020-29.

Was die sechs Gruppenräume betrifft, will sich der Rieckhof allerdings etwas einfallen lassen: „Wir bekommen immer wieder zu hören, dass man bei uns ja gar nicht anfragen muss, weil die Räume alle schon vergeben sein“, sagt Ulrike Niß. „Dabei stimmt das nicht. Wir haben bis jetzt auf fast jede Anfrage einen Raum anbieten können.“

Gruppenräume sollen besser vermarktet werden

Allerdings gibt es in der Tat Beschränkungen für die Gruppenräume: An Wochenenden, wenn im Saal Konzerte stattfinden, sind die Räume rein praktisch nicht nutzbar, weil sie akustisch kaum vom Saal zu trennen sind. Sonntags und Montags auch nicht, das sind für gewöhnlich die Ruhetage des Rieckhof-Personals. „Aber für alle Wünsche von Dienstag bis Donnerstag sind wir offen“, sagt Ulrike Niß, „und das wollen wir in Zukunft stärker kommunizieren, damit potenzielle Nutzer die Scheu verlieren, bei uns zu fragen.

Dem Rieckhof-Team ist es wichtig, dass möglichst alle Harburger Bevölkerungsgruppen im Rahmen von Toleranz und Respekt das Zentrum nutzen können. „Die Raummieten gestalten wir deshalb individuell und flexibel“, sagt Hansen. „Unsere Türen standen immer jedem offen. Und nach Lockdown und Sommerpause tun sie es jetzt wieder.“