Landkreis Harburg

Einschulungsfeiern folgen strengen Corona-Regeln

An der Alten Stadtschule Winsen bereiten Schulleiter Stefan Pleß (l.) und Hausmeister Ralf Poser mit farbigen Markierungen die Einschulung vor.

An der Alten Stadtschule Winsen bereiten Schulleiter Stefan Pleß (l.) und Hausmeister Ralf Poser mit farbigen Markierungen die Einschulung vor.

Foto: Lena Thiele

Erstklässler erleben auch in diesem Jahr ein Fest zur Einschulung – aber ohne Gesang und mit Abstandsmarkierungen.

Buchholz/Winsen/Seevetal.  Wenn am Sonnabend die neuen Erstklässler im Landkreis Harburg eingeschult werden, wird vieles ganz anders sein als in den vergangenen Jahren. Anstelle von gut gefüllten Turnhallen, bunten Gruppenfotos und Kaffee und Kuchen für die Verwandtschaft werden die Corona-Vorgaben zu Abstand, Hygiene und Kontakterfassung diesen Tag prägen. Ausfallen sollen die Feiern trotz der Pandemie nicht. Deshalb wurde in den vergangenen Wochen an den Grundschulen intensiv nach Lösungen gesucht.

Ministerium gibt Grundsätze vor

„Das ist so ein besonderer Tag, das muss irgendwie möglich sein“, sagt Corinna Vogt, Leiterin der Heideschule in Buchholz. „Deshalb haben wir uns im Kollegium ganz viele Gedanken gemacht, wie wir die Kinder an der Schule willkommen heißen können. Es gab ein Grundgerüst des Ministeriums, welches wir mit Leben gefüllt und für uns umsetzbar gemacht haben.“

Nur zwei Begleiter pro Kind

Für die knapp hundert Kinder gibt es nacheinander vier Feiern. Da der Platz im Musikraum und der angrenzenden Pausenhalle begrenzt ist und der Mindestabstand gewahrt werden muss, darf jeder Erstklässler nur von zwei Menschen begleitet werden. In anderen Jahren hätten manche Schüler zehn bis 15 Verwandte mitgebracht, sagt Vogt. „Natürlich sind Oma, Opa, Tante und Onkel auch wichtig. Aber das funktioniert halt im Moment nicht.“

Eintrittskarten für die Familien

Bereits vor den Sommerferien wurden Eintrittskarten an die Familien der Schulanfänger verschickt. Lehrer kontrollieren die eingetragenen Namen sowohl am Ein- als auch am Ausgang. Alle Kollegen tragen als Erkennungsmerkmal lilafarbene Masken mit dem Logo der Heideschule, die in einer Kooperation mit der Futzelwelt in Buchholz genäht wurden. Drinnen stehen für jede Familie jeweils zwei Stühle zusammen, dazwischen sind 1,50 Meter Abstand. Aufgeklebte Kreuze markieren die Stellen auf dem Teppichboden, an denen die Kinder sitzen dürfen. Bei einer Stellprobe hat das Kollegium den neuen Ablauf bereits geprobt.

Ein Lied in Gebärdensprache

Auch die eigentliche Feier kann nicht wie gewohnt gestaltet werden. Da Gesang nicht erlaubt ist, präsentieren die älteren Schüler zu Musik ein Lied in Gebärdensprache – das lernen sie an der Heideschule, die eng mit der Förderschule An Boerns Soll kooperiert, sowieso. Ein zweiter Beitrag besteht aus Instrumentalmusik und szenischem Spiel. „Wir sind sehr zufrieden über diese Lösung“, sagt Leiterin Vogt. Alle Kollegen hätten viel Einsatz gezeigt, um den Kindern trotz der Umstände einen schönen Tag zu ermöglichen.

Auf Live-Aufführungen wird an der Alten Stadtschule in Winsen zwar diesmal verzichtet. Doch die Lehrer haben Videos mit ihren Schülern vorbereitet, um die neuen Erstklässler zu begrüßen. Auch die Chorklasse, eine Besonderheit an der Grundschule, kommt auf diese Weise zu ihrem Auftritt. Die Kinder dürfen ebenfalls nur in Begleitung von zwei Erwachsenen kommen, alle werden per ausgefüllter Eintrittskarte registriert.

Getrennte Feiern in der Schulturnhalle

Für die vier ersten Klassen gibt es getrennte Feiern in der Turnhalle, auf dem Schulgelände müssen sich die Schüler an die ihrer Klasse zugeordnete Farbe halten. „Es ist schon sehr viel Arbeit. Wir müssen alle möglichen Situationen durchdenken“, sagt Schulleiter Stefan Pleß, der am Mittwoch zusammen mit Hausmeister Ralf Poser die farbigen Markierungen überprüft. Im Gebäude weisen Pfeile aus schwarz-gelbem Klebeband den Weg durch die Gänge. „Unsere Schule besteht eigentlich nur noch aus Einbahnstraßen.“

Eine Feier im Freien plant die Hanseschule Winsen. Den Familien, die höchstens zu dritt kommen dürfen und zuvor Namenskarten ausfüllen müssen, wird jeweils eine Sitzbank zugewiesen. Bei starkem Regen wir die Feier in die Aula verlegt, dort müssen Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden. In einem Infobrief an die Eltern wird daran erinnert, dass jederzeit der Mindestabstand eingehalten werden muss.

Zwei Klassen werden nacheinander an der Grundschule in Klecken eingeschult. Dort kann jedes Kind in Begleitung von vier Personen kommen, für diese stehen jeweils vier Stühle zusammen. „Wir bereiten in der Turnhalle 18 solcher Inseln vor, die jeweils zwei Meter voneinander entfernt sind“, sagt Leiter Dirk Franzius. Die Halle wird durchgehend gelüftet, alle Besucher müssen Alltagsmasken tragen. Das Bühnenprogramm wird diesmal ohne Gesang gestaltet. „Insgesamt ist das Bestreben, dass die Erstklässler und ihre Familien trotz der angespannten Situation eine dem Anlass angemessene Einschulungsfeier erleben können“, sagt Franzius. Dazu gehört auch vor der Feier jeweils ein kleiner Gottesdienst in der Thomaskirche.

Videos statt Aufführungen

Eltern und Geschwister der Schulanfänger sind an der Grundschule Salzhausen-Eyendorf zur Einschulung eingeladen. Die vier Klassen werden nacheinander begrüßt, die Zeremonie fällt diesmal etwas kürzer als üblich aus. Anstelle von Beiträgen auf der Bühne wird ein Video gezeigt. „Wir haben mit unseren Schülern in den vergangenen Monaten einen Willkommensfilm gedreht, in dem sie die Erstklässler in der Schule begrüßen. Das hat ihnen richtig viel Spaß gemacht“, sagt Schulleiterin Claudia Rückforth.

Sie habe bereits bei der Verabschiedung der Viertklässler gemerkt, dass die Beschränkung auf ein kleineres Fest durchaus schöne Seiten habe. „Das hat auch Charme und kam sehr gut an. Und für die Kinder ist es sowieso das wichtigste, endlich ein Schulkind zu sein, ihre Klasse und ihre Lehrerin kennenzulernen.“ Während die Erstklässler im Klassenraum sind, schreiben die Eltern gute Wünsche für ihre Kinder auf, die später deren Ich-Bücher eröffnen werden. Zwar bietet der Förderverein aus Hygienegründen diesmal kein Kuchenbüfett an, doch die Eltern können mit Buchpatenschaften die Schulbücherei unterstützen.

Herausforderung an die Kreativität

An der Grundschule Hittfeld versammeln sich normalerweise bis zu 200 Menschen zu jeder der drei Einschulungsfeiern. In diesem Jahr sind höchsten 60 pro Durchgang erlaubt. Deshalb darf jeder Erstklässler nur zwei Gäste mitbringen, alle füllen vorab Eintrittskarten aus und müssen vorgegebenen Wegen folgen. Ähnlich wird es an den übrigen Seevetaler Grundschulen gehandhabt. Die Vorbereitung sei kompliziert, sagt Schulleiter Jens Michael Willmann. „Die Auflagen sind irre hoch. Alles, was Spaß macht und sonst zur Einschulung gehört, ist gestrichen. Es gibt kein Singen mit dem Pastor, keine Theateraufführung.“

Das coronagerechte Programm in der Aula umfasst unter anderem Videos, die die Lehrer mit älteren Schülern gedreht haben. „Da sind die Kollegen sehr kreativ geworden“, sagt Willmann. Die Wartezeit nach der Begrüßung der Kinder wird er nutzen, um Fragen der Eltern zu beantworten. „Wir konnten ja bisher keinen Elternabend anbieten und die Gäste müssen sowieso solange sitzenbleiben.“ Auch auf eine eigentlich unverzichtbare Tradition wird in diesem Jahr verzichtet: Es wird keine Gruppenfotos der Schulanfänger geben.