Überlastungsanzeigen

Zu viel Stress in Harburgs Verwaltung?

Das Harburger Rathaus.

Das Harburger Rathaus.

Foto: Kaja Weber / HA

Der CDU-Vorsitzende Ralf Dieter Fischer, wirft dem Bezirksamt vor, nicht genau über die Arbeitsbelastung Bescheid zu wissen.

Harburg. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung Harburg, Ralf Dieter Fischer, wirft dem Bezirksamt vor, nicht genau über die Arbeitsbelastung seiner Mitarbeiter Bescheid zu wissen. Er begründet den Vorwurf mit der Antwort des Bezirksamts auf eine schriftliche Anfrage seiner Fraktion. Darin verlangte die CDU von der Verwaltung Auskunft darüber, wie viele Überlastungsanzeigen die rund 700 Mitarbeiter in den vergangenen Jahren eingereicht hätten und wie diese sich auf die Fachämter und Abteilungen verteilen.

„In der Antwort bestätigt das Bezirksamt, dass in erheblichem Umfang Überlastungsanzeigen an Vorgesetzte gerichtet worden sind“, sagt Fischer. Er geht davon aus, dass Harburg zusammen mit dem Bezirk Mitte zu den Spitzenreitern bei Überlastungsanzeigen gehört.

Das Bezirksamt weist das zurück: Die Erfassungsmethoden seien in den einzelnen Bezirken nicht einheitlich, heißt es in der Antwort. Deshalb könne man keine Vergleiche anstellen.

Personalmangel? „Im Einzelfall: Ja.“

Überlastungs- beziehungsweise Gefährdungsanzeigen können Arbeitnehmer einreichen, wenn ihr Arbeitsaufkommen so hoch ist, dass sie ihre Aufgaben nicht mehr ordnungsgemäß – beispielsweise fristgerecht – erfüllen können und dem Arbeitgeber dadurch Schäden drohen. Das ist in verschiedenen Branchen in sehr unterschiedlichem Umfang üblich. Im öffentlichen Dienst ist es Standard.

Die Jahre 2016 und 2018 waren mit 34 und 30 Anzeigen die Spitzenreiter der jüngeren Vergangenheit. 2017 gab es 16, 2015 und 2019 je 24 Überlastungsanzeigen. Im ersten Halbjahr 2020 gab es erst sechs. Auf Fischers Frage, ob die Überlastung durch Personalmangel begründet sei, antwortet das Bezirksamt: „Im Einzelfall: Ja.“

Fischer bemängelt, dass seine Fragen nicht so konkret beantwortet worden sind, wie er es sich gewünscht hätte. „Dies bezieht sich insbesondere auf die Auswirkungen der Überlastung von Mitarbeitern auf die Erledigung ihrer Aufgaben und die Beeinträchtigung von Bürgern“, sagt er. „Auf die entscheidenden Fragen, wie genau die Aufgabenprioritäten und die Aufgabenzuschnitte zwischenzeitlich verändert wurden und welche Auswirkungen dies hatte, antwortet das Bezirksamt lediglich, dass dies nicht detailliert erfasst würde.“

Konkret hatte das Bezirksamt geantwortet, dass es als Reaktion auf die Überlastungsanzeigen sowohl Veränderungen in der Arbeitsverteilung als auch schnellere Stellennachbesetzungen gegeben hätte. Deren genaue Auswirkung sei aber nicht untersucht. „Wir werden uns nicht zufrieden geben, sondern konkrete Nachfragen stellen“, sagt Fischer.