Klinikmanager

Torsten Riemer – der Mann für alle (Not-)fälle

Torsten Riemer genießt den Ausblick vom Dach des aufgestockten Bettenhauses im Krankenhaus Buchholz.

Torsten Riemer genießt den Ausblick vom Dach des aufgestockten Bettenhauses im Krankenhaus Buchholz.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Ingenieur ist Technischer Leiter in Kliniken Buchholz und Winsen – er sorgt dafür, dass Abläufe reibungslos funktionieren.

Buchholz/Winsen. Die dritte Etage ist bereits bezogen. Durch die großen Fenster fällt das Sonnenlicht in die frisch gestrichenen Flure. Ein Stockwerk höher geben Handwerker den Zimmern ihren letzten Feinschliff. Armaturen werden verschraubt, Wände gestrichen. Torsten Riemer hat für die Patientenzimmer einen hellen Orangeton gewählt, für die Badezimmer eine cremefarbene Villeroy-&-Boch-Fliese. Tausende hat er davon bestellt. Er gönnt sich einen kurzen Blick aus den großen Fenstern über die Wälder von Buchholz. Dann klingelt das Telefon. Riemer muss runter. Ein Bagger hat ein Kabel durchtrennt. „Wird nicht so schlimm sein“, sagt er grinsend. „Das Licht brennt ja noch.“

Torsten Riemer ist Technischer Leiter in den Krankenhäusern Buchholz und Winsen. Der Mann im Hintergrund, der dafür sorgt, dass die betrieblichen Abläufe reibungslos funktionieren, auf technischer, kaufmännischer und infrastruktureller Ebene. Quasi der „Mann für alle Fälle“ oder salopp formuliert die „eierlegende Wollmilchsau“, die all das anpackt, was nicht Sache von Ärzten, Pflegern oder der Geschäftsleitung ist.

Torsten Riemer hat dafür eine eigene Bezeichnung kreiert: „Oberhausmeister“ nennt er sich. In dieser Funktion managet der 56-Jährige mit seinem 16-köpfigen Team nicht nur die 70.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche in den Kliniken mit ihren rund 3000 Räumen, sondern betreut darüber auch um die Planung und Umsetzung aller Baumaßnahmen in Winsen und Buchholz.

30-jähriges Dienstjubiläum

Im kommenden Jahr feiert er sein 30-jähriges Dienstjubiläum und krönt seine Arbeit zeitgleich mit einem gewaltigen Neubau auf dem Klinikgelände in Winsen. Es kostet 17,8 Millionen Euro und ist das letzte von mehreren Großprojekten, die in den vergangenen Jahren zur Sanierung des Krankenhauses unter seiner Aufsicht umgesetzt worden sind. Bei dem Projekt handelt es sich um einen viergeschossigen Anbau an das „Bettenhaus A“. Künftig werden dort auf drei Etagen mit je 24 Betten Patienten in modernen Zweibettzimmern versorgt. Im Erdgeschoss entsteht die neue Intensivstation. Anschließend soll im Altbau eine neue Überwachungsstation (intermediate Care-Station) aufgebaut werden.

Zeitgleich managet Torsten Riemer die Bauarbeiten im Krankenhaus Buchholz. Dort wurde der Anbau an das Bettenhaus West von 2015 jetzt um drei Stockwerke erweitert. Kosten 6,65 Millionen Euro. Und während dort noch die letzten Fliesen verklebt und Leitungen gezogen werden, arbeitet Torsten Riemer bereits daran, die Kosten für weitere Projekte zu ermitteln, in deren Mittelpunkt ein neues Haupthaus auf dem Gelände sowie der Abriss des alten Bettenhauses Ost stehen.

„Die Planungen werden gemeinsam mit der Krankenhausgeschäftsführung entwickelt“, sagt Torsten Riemer. „Meine Aufgabe ist es, als Vermittler zwischen Baum und Borke zu fungieren, wobei der Baum das Krankenhaus ist vom Geschäftsführer über die Ärzteschaft bis zur Reinigungskraft und die Borke die Ämter, Architekten und ausführenden Firmen sind, mit denen ich als Bauherrenvertreter alle Maßnahmen abstimme und koordiniere.“ Eine Mammutaufgabe mit großer Verantwortung, die er mit spielerischer Leichtigkeit zu stemmen scheint. „Nach 30 Jahren weiß man, wie die Logistik funktioniert“, sagt er. „Ich habe mir ein gutes Netzwerk aufgebaut - ohne das geht es nicht.“

50.000 Euro pro Jahr nur für neue Wäsche

Der zweifache Familienvater und leidenschaftliche Jäger, der in Marburg Versorgungstechnik mit dem Schwerpunkt Krankenhausbetriebstechnik studiert hat und vom Großklinikum Marburg 1992 nach Buchholz wechselte, behält nicht nur bei den millionenschweren Baumaßnahmen den Überblick. Er kümmert sich auch darum, dass der klinische Betrieb an beiden Standorten einwandfrei läuft. Dazu gehören neben der Koordination von Hausmeistern,

Gärtnern, Umzugs- und Telekommunikationsdiensten auch die Versorgung der Apotheke sowie das Thema Wäsche. Die Beträge, mit denen er tagtäglich jongliert, sind gewaltig. Rund 50.000 Euro kostet allein der Einkauf neuer Wäsche pro Jahr. Die Jahreskosten für die 800 Tonnen Wäsche in der hauseigenen Wäscherei liegen bei 800.000 Euro.

Für Wasser, Strom, Gas und Öl veranschlagt Riemer jährlich rund drei Millionen Euro. 3200 Rechnungen begleicht er jährlich im Auftrag der Krankenhäuser. Ausgaben, die er ständig im Blick hat und zu optimieren versucht. „Jeder Euro wird mit Bedacht ausgegeben“, sagt Torsten Riemer. „Schließlich kann mich jede getroffene Entscheidung irgendwann wieder einholen. Wenn ich mich für einen mangelhaften Fußbodenbelag oder eine falsche Beleuchtung entscheide, habe ich das 30 Jahre lang an der Backe.“

Kreißsaal, Strahlentherapie, Hubschrauberlandeplatz, Bettenhaus

Die Maßnahmen, die der Diplomingenieur in den vergangenen Jahrzehnten in den beiden Kreis-Krankenhäusern angeschoben und abgewickelt hat, sind vielfältig. In Buchholz gehören dazu unter anderem der Neubau der Gesundheits- und Krankenpflegeschule im Jahr 1993, die Modernisierung der OP-Säle und der Zentralsterilisation, die Neubauten von Kreißsaal, Strahlentherapie, Hubschrauberlandeplatz und Bettenhaus West sowie die jetzt abgeschlossene Aufstockung des Gebäudes.

In Winsen hat er das Ruder 2007 übernommen und in den vergangenen 13 Jahren unter anderem den Bau des Ärztehauses, den Neubau des Schlaflabors, die Modernisierung und Erweiterung des OP-Bereichs sowie den Neubau eines Notfall-und Diagnostikzentrums betreut – stets bei laufendem Klinikbetrieb.

„Meine Arbeit ist vergleichbar mit einer OP am offenen Herzen“, sagt er. „Ich sorge dafür, dass neue Dinge angeschoben werden, während die alten noch weiter in Funktion sind. Jeder Schritt muss dabei an die alte Substanz angepasst werden, damit der Übergang vom alten ins neue schließlich auch reibungslos klappt.“

„Ich laufe den Problemen nicht weg“

Damit er bei der Flut an Aufgaben nicht den Überblick verliert, hält Torsten Riemer jede Maßnahme in einer Tabelle fest, notiert Kosten und Priorität. Gemeinsam mit seinem Team, das 24 Stunden rund um die Uhr einsatzbereit ist, setzt der technische Leiter die Aufgaben dann Stück für Stück um. „Ich laufe den Problemen nicht weg“, sagt er. „Schließlich müssen sie ja gelöst werden.“

Auch in seiner Freizeit beschäftigt sich Riemer damit, zu konzipieren und zu bauen. Allerdings nur im Miniaturformat. Sein großes Hobby neben der Jägerei ist seine elektrische Eisenbahn, an der er vor allem in den Wintermonaten bastelt. Er könnte sich vorstellen, in seinem Leben auch noch einmal einen echten Bahnhof zu bauen. „In Jesteburg vielleicht“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Vorausgesetzt, ich kann das Projekt nicht nur planen, sondern auch zu Ende bringen.“