Gut investiert

Buchhandlung am Sand hat endlich genug Platz

Katrin und Georg Schmitt richten den neu hinzugekommenen Ladenbereich ein. Im Hintergrund die – beleuchtete – bisherige Buchhandlung am Sand.

Katrin und Georg Schmitt richten den neu hinzugekommenen Ladenbereich ein. Im Hintergrund die – beleuchtete – bisherige Buchhandlung am Sand.

Foto: Angelika Hillmer

Buchhändlerpaar Katrin und Georg Schmitt mietet frei gewordene Räume des Freiwilligennetzwerkes in der Hölertwiete dazu.

Harburg.  Das Bedürfnis, ihre Buchhandlung am Sand zu vergrößern, hatten Katrin und Georg Schmitt schon seit Jahren. „Immer wenn im August die Kalender kamen, haben wir uns gesagt, dass das so nicht mehr geht. Unser Tischler hat dann jedes Mal gezaubert, so dass wir die Kalender irgendwie präsentieren konnten“, sagt Georg Schmitt. Er und seine Frau Katrin führen die Buchhandlung seit 2004. Bislang hatte sie eine Verkaufsfläche von 86 Quadratmetern. Nun kommen fast 200 Quadratmeter hinzu.

Die Schmitts lieben Bücher und teilen diese Leidenschaft mit ihren Kunden. In der Veranstaltungsreihe „Lesezeit“ stellten sie ihrem Publikum aus 40 Zuhörern regelmäßig die aus ihrer Sicht interessantesten Neuerscheinungen vor, garniert mit Köstlichkeiten wie Kürbis-Kartoffel-Gratin mit Ziegenkäse oder Apfelküchlein mit Walnüssen und Orange. Bis das Coronavirus sie stoppte. „Als wir schließen mussten, haben wir erst gemerkt, wie viele Stammkunden wir haben“, freut sich das Paar. „Wir wurden zum Call Center, hatten täglich zehn bis 20 telefonische Bestellungen, die wir nachmittags ausgeliefert haben“, sagt Georg Schmitt. „Manchmal sind wir kaum hinterher gekommen.“

Auch Kunden im Rollstuhl können die Regale erreichen

Mittlerweile ist die Buchhandlung an der Hölertwiete, unweit der Unterführung zum Harburger Rathaus, längst wieder geöffnet. Sobald es möglich wird, sollen die Lesezeiten und weitere Veranstaltungen wieder aufgenommen werden. Und das in einer neuen, großzügigeren Umgebung. „Wir werden jetzt ausreichend Platz haben, damit auch Kunden mit Kinderwagen oder im Rollstuhl an die Regale gelangen können“, sagt Katrin Schmitt. Zudem kann sie sich einen Traum erfüllen, den sie vor einigen Jahren von einer Englandreise mitgebracht hatte. Dort hatte ein Bekleidungsshop ein kleines Café integriert. So etwas passt auch zu unserer Buchhandlung, fanden die Geschäftsleute damals.

Doch zunächst herrschte zunehmende Platznot. Katrin und Georg Schmitt schauten sich nach leer werdenden Ladenflächen um, etwa vom Genussladen oder Blumen Eicks am Sand. Um die Jahreswende wurden dann plötzlich die benachbarten Räume frei. Dort war das Freiwilligennetzwerk Harburg ausgezogen, das jetzt übergangsweise im zweiten Stock des Gebäudes, dem Haus der Kirche, berät. „Wir haben uns sofort beim Kirchenkreis Hamburg-Ost erkundigt, ob die Räume zu haben sind“, sagt Georg Schmitt. Ende März wurde der Mietvertrag unterschrieben.

Wanddurchbruch machte Vergrößerung erst möglich

Während der coronabedingten Schließung ließ der Vermieter einen Durchgang in die Wand zwischen den beiden Geschäftsräumen bauen. Und draußen vor der alten und der neuen Ladentür wurde neues Pflaster verlegt, die Hölertwiete insgesamt verschönert. „Als wir sahen, was hier entsteht, waren wir endgültig sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben“, sagt Katrin Schmitt. Zuspruch habe es auch von anderen Geschäftsleuten der Hölertwiete gegeben, darunter vom Harburg Info-Laden des Citymanagements.

Noch gibt es im Erweiterungsteil kein Licht. Die zweite Ladentür steht offen und lässt Luft in den Raum, der eine Baustelle ist. Ein Mann steckt den Kopf durch die Tür und fragt: „Habt ihr euch vergrößert?“ Er kommentiert die Bestätigung mit: „Das ist ja toll. Andere machen pleite, und ihr werdet größer.“ Georg Schmitt lächelt und sagt, solche Dialoge gebe es mehrmals täglich.

In dem neuen Verkaufsraum sind zehn bis zwölf Sitzplätze geplant. Die Buchhändler und ihre vier Mitarbeiterinnen werden Kaffee und selbst gebackenen Kuchen bereit halten, „aber wir bleiben eine Buchhandlung!“, betont Katrin Schmitt. Es werden ein paar Spiele dazu kommen und ein bisschen Papeterie – Dinge, die zu Büchern passen. Auch eine kleine Genussecke mit Produkten der Senf Pauli Manufaktur, dem Bonscheladen und dem Kakao Kontor Hamburg wird es geben. Und natürlich auch endlich ausreichend Platz für die Kalender.