Freilichtmuseum am Kiekeberg

Knochenarbeit –Waschtag vor der Nissenhütte

Waschtage waren in der Nachkriegszeit echte Knochenarbeit.

Waschtage waren in der Nachkriegszeit echte Knochenarbeit.

Foto: petra diehl / FLMK

„Gelebte-Geschichte“-Darsteller zeigen den Gästen am Kiekeberg, wie hart die Hausarbeit noch vor Jahrzehnten war.

Ehestorf. Einweichen, Schrubben, Kochen – am Wochenende, 22. und 23. August, werden Besucher des Freilichtmuseums am Kiekeberg dabei zusehen können, wie ihre Vorfahren früher auf dem Land Wäsche wuschen: Die ehrenamtlichen „Gelebte-Geschichte“-Darsteller zeigen an beiden Tagen, wie immer historisch gekleidet, die harte Arbeit im Familienverbund der Bauern vor 200 Jahren, von Elbfischern vor 100 Jahren und in der Notzeit nach dem zweiten Weltkrieg von Flüchtlingen vor 75 Jahren. Die Vorführungen finden zwischen 10 und 18 Uhr den ganzen Tag über statt. Der Eintrittspreis beträgt 9 Euro; für Besucher unter 18 Jahren ist er frei.

Am Sonnabend und Sonntag erleben die Besucher einen Waschgang wie früher: Im Waschzuber reinigen die Bauern um 1804 ihre Kleidung mit Buchenasche. 100 Jahre später bringen die Elbfischer neben ihrem Waschbrett schon Kernseife zum Einsatz. In der Not der Nachkriegszeit erhöhten die Menschen mit Kastanien die Waschkraft. Besucher erkennen in jedem Zeitabschnitt, wie körperlich anstrengend und tagesfüllend diese Alltagsarbeit trotz kleiner Fortschritte war. Ein Waschtag war eben kein Spaß.

Bei weiteren Vorführungen sehen Besucher, wie der „Discher“ und „Hüssl“, plattdeutsch für Tischler und Häusling, genau wie vor 200 Jahren Sitzbänke, Holzlöffel, Werkzeugstiele, Holzschuhe oder auch schon einmal eine Leiter herstellen. Währenddessen versorgt der Bauer seine Schweine und Rinder und mistet den Stall aus.

Obst wird eingekocht wie vor 100 Jahren

Nebenan erleben die Besucherinnen und Besucher eine Fischerfamilie, die ihre Netze knüpft und im Einsatz zerrissene Netze flickt. Die Mutter kocht Obst und Gemüse wie vor 100 Jahren ein und backt Waffeln auf dem gusseisernen Herd.

In der Notunterkunft Nissenhütte führen Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten einen kargen Alltag: Sie flicken ihre zerschlissene Kleidung und ernten Bohnen, Erbsen und Zwiebeln im improvisierten Garten. Zudem sammeln sie Eicheln und Brennnesseln, um daraus auf der „Kochhexe“ eine bescheidene Mahlzeit zuzubereiten.

All das wird gespielt von Darstellern der „Gelebten Geschichte“, und wer dabei zuschaut, fühlt sich um viele Jahrzehnte, sogar um Jahrhunderte zurückversetzt.