Harburg

Chancen für Corona-Testzentrum im Landkreis stehen schlecht

Das Corona-Testzentrum für Menschen aus dem Landkreis Harburg liegt in Rosche bei Uelzen.. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert eine Fahrt drei Stunden.

Das Corona-Testzentrum für Menschen aus dem Landkreis Harburg liegt in Rosche bei Uelzen.. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert eine Fahrt drei Stunden.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Standort liegt so, dass Einwohner aus dem Landkreis mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu drei Stunden brauchen.

Landkreis Harburg . Zwei Wochen nach der Eröffnung des Corona-Testzentrums in Rosche (Kreis Uelzen), das auch für Bewohner des Landkreises Harburg Anlaufstelle ist, hat die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) erste Zwischenbilanz gezogen. „Der Standort wird gut angenommen. Die Termine am vergangenen Wochenende waren ausgebucht“, sagt der stellvertretende KVN-Sprecher Uwe Köster. Die Befürchtungen, nach denen der Standort kaum zu erreichen und daher wenig genutzt würde, hätten sich nicht bestätigt. Kai Uffelmann, der Erste Kreisrat der Kreisverwaltung, hatte zuletzt die Wahl von Rosche „als die schlechteste Lösung von allen“ bezeichnet.

Grund: Der Standort liegt so, dass Einwohner aus dem Landkreis mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu drei Stunden brauchen, um ihn zu erreichen. Die FDP-Kreisratsfraktion forderte in einem Dringlichkeitsantrag Landrat Rainer Rempe auf, „umgehend mit dem Roten Kreuz (DRK) Verhandlungen zur Installation eines Testzentrum in gut erreichbarer Mitte des Kreises Harburg, an den Krankenhäusern Buchholz oder Winsen, aufzunehmen.“

Täglich sind mehr als 100 Tests möglich

Der Standort Rosche arbeitet jetzt an sieben Tagen der Woche. „Täglich sind mehr als 100 Tests möglich“, sagt der KVN-Sprecher. Seit Freitag 14 Uhr ist ein Online-Portal geschaltet, über das Termine für die Tests eingetragen werden können. Gebucht werden kann über die KVN-Homepage unter kvn.de/coronatest, ohne dass ein Hausarzt eingeschaltet werden muss. „Bislang reicht die Kapazität am Standort Rosche aus“, sagt Köster. „Wir beobachten die Lage. Nur wenn die Infektionszahlen weiter stark steigen, würden wir über einen Ausbau oder einen weiteren Standort nachdenken.“

Dies sei aber derzeit nicht der Fall. „Nach Rosche kommen Einwohner aus den Landkreisen, Lüneburg, Harburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen“, sagte der Geschäftsführer der KV-Bezirksstelle Lüneburg, Oliver Christoffers. Unter den Nutzern seien auch Bürger aus Hamburg und Plön. An beiden Tagen des Wochenendes habe es jeweils 120 Tests gegeben. Uffelmann, der zweite Mann an der Spitze der Kreisverwaltung, hatte darauf hingewiesen, dass der Kreis Harburg nicht nur der größte im Zuständigkeitsbereich der KVN-Bezirksstelle Lüneburg sei, sondern auch die höchste Zahl der Infizierten aufweise.

„Man kann das einen Skandal nennen!“

„Von den Urlaubsrückkehrern nutzen viele den Flughafen Hamburg oder die Hamburger Bahnhöfe“, so der Erste Kreisrat. Viele der zuletzt positiv Getesteten gehörten zu den Rückkehrern aus dem Ausland. Mit den beiden Zentren an den Krankenhäusern in Winsen und Buchholz habe man eine gute Lösung gehabt. Diese nun nach der Schließung Ende Juli „wegzuwerfen“, sei „ohne Sinn und Verstand.“ Uffelmann empfiehlt, beide Standorte oder zumindest einen der beiden wieder zu öffnen. Die Kreisverwaltung hielt am Montag an ihrer Kritik fest.

Auch Arno Reglitzky, der Sprecher der FDP-Kreistagsfraktion, erneuerte am Montag seine Kritik. „Den entferntesten und ungünstigsten Standort aus Sicht des Landkreises Harburg zu wählen, kann man einen Skandal nennen. Es fehlt an einer Strategie, um die Pandemie-Situation zu bewältigen“, sagte er dem Abendblatt. Die Proteste seien noch nicht zu Ende. „Wir müssen den politischen Druck erhöhen.“ rz