Blütenfest fällt aus

Wo die Heidekönigin zum Kanu-Kino bittet

Heidekönigin Leonie Laryea und Initiator Matthias Schrenk freuen sich auf die Premiere des Kanu-Kino auf dem Lopausee.

Heidekönigin Leonie Laryea und Initiator Matthias Schrenk freuen sich auf die Premiere des Kanu-Kino auf dem Lopausee.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Statt des traditionellen Heideblütenfestes in Amelinghausen gibt es das weltweit erste Kino für Kanuten auf dem Lopausee

Amelinghausen. Eigentlich hätte Leonie Laryea an diesem Wochenende den Startschuss zum 71. Heideblütenfest in Amelinghausen geben müssen. Die Heidekönigin, die seit August 2019 im Amt ist, hätte weit über tausend Gäste auf der Seebühne am Lopausee begrüßt und mit Lichtershow und Livemusik das Aufblühen der Region gefeiert. Doch in diesem Jahr fallen die traditionelle Eröffnungsveranstaltung sowie die gesamte Festwoche aufgrund der Corona-Pandemie aus. Gefeiert aber wird dennoch in der Lüneburger Heide: auf dem Wasser, mit ausreichend Abstand und mit einer neuen Idee, die den Heideort überregional in die Schlagzeilen bringen soll.

Am Sonnabend, den 15. August, ist es soweit. Dann findet auf dem Lopausee östlich von Amelinghausen das – laut Veranstalter – „weltweit erste Kanu-Kino“ statt. Während sich die Besucher in der Abenddämmerung mit Kissen und Picknickkorb in einem Kanu auf dem Wasser treiben lassen, wird ihnen auf einer 72 Quadratmeter großen Leinwand Kino vom Feinsten präsentiert – an frischer Luft und mit ausreichend Abstand.

Die Idee, den See zum Kinosaal und das Ufer zur Bühne zu machen, stammt von Matthias Schrenk. Der 55-Jährige, der mit seiner Frau Susanne in Oldendorf wohnt, betreibt einen Kanuverleih an Luhe, Seeve und Ilmenau. 65 Boote hat er dort im Einsatz. Doch gerade, als die Saison losgehen sollte, kamen Corona und der Lockdown. Die Kanuvermietung musste vorerst eingestellt werden.

Was auf dem Land funktioniert, muss doch auch auf dem Wasser gehen

Matthias Schrenk nutzte die Zeit, um weitere Geschäftsideen zu entwickeln, weil er ein Mensch ist, der Spaß daran hat, neue Dinge anzugehen. „Als ich gesehen habe, wie durch die Pandemie die Autokinos eine regelrechte Renaissance erfuhren, habe ich gedacht, was auf dem Land funktioniert, muss doch auch auf dem Wasser gehen.“ Schrenk, der sich neben seiner Tätigkeit als Kanuverleiher auch in Winsen als Mitarbeiter der Stabsstelle Kultur für die lokale Kultur- und Gemeinwesenarbeit einsetzt, entwickelte ein Konzept, das alle Corona-Regeln umfasste.

Im Rahmen des Vereins Klick e.V., der sich um die Förderung von Kultur, Begegnung, Kommunikation und Bildung in der Winsener Region kümmert und zu dessen Gründern Matthias Schrenk zählt, nahm dieser Kontakt zum Landkreis auf. Anfang Juli erhielt er die Genehmigung.

Zur Finanzierung der Veranstaltung wandte sich der Initiator an die lokalen Unternehmen, generierte innerhalb von einer Woche 4000 Euro. Zeitgleich nahm er Kontakt zum Heideblütenfestverein e.V. auf, der die traditionsreiche Heideblütenfestwoche im August organisiert. „Wir sitzen doch alle in einem Boot“, sagt er zum Vorsitzenden Christian Kremer. „Das sollten wir der Welt da draußen zeigen.“

Alle Großveranstaltungen mussten abgesagt werden

Kremer, der seit Februar an der Vereinsspitze steht, war von der Idee begeistert. „Corona hat dafür gesorgt, dass unser Heideblütenfest in diesem Jahr nicht stattfinden kann“, sagt er. „Alle Großveranstaltungen mussten abgesagt werden. Um so erfreuter sind wir, dass wir jetzt dennoch ein besonderes Event anbieten können. Die Kanu-Kino-Veranstaltung ist eine tolle Alternative zur Eröffnungsveranstaltung ‚Der See brennt!‘, bei der jedes Jahr weit über 1000 Menschen anreisen. Sie ist überschaubar und besinnlich und passt in diese Zeit, in der Großveranstaltungen und Menschenansammlungen verboten sind.“

Innerhalb von vier Wochen haben die Organisatoren die neue Veranstaltung auf die Beine gestellt. Statt sechsköpfiger Band und Laser-Pyrotechnik-Show gibt es nun Hape Kerkeling und „Der Junge muss an die frische Luft“ sowie einen Videogruß von Ex-Heidekönigin Jenny Elvers samt Sonnenuntergang – alles vom Wasser aus zu genießen. 70 bis 100 Boote sollen zu Wasser gelassen werden. In jedem Boot dürfen zwei Personen mitfahren.

Für die Filmauswahl ist Regentin Leonie Laryea verantwortlich

Für die Filmauswahl ist die amtierende Regentin Leonie Laryea verantwortlich, die die Veranstaltung am kommenden Sonnabend persönlich eröffnen wird. Sie hatte Initiator Matthias Schrenk zufällig bei einer Kanutour mit Heidebock Falko Gardlo kennengelernt und ist von der Idee begeistert. „Mit diesem Angebot können wir generationsübergreifend und unter geltenden Abstands- und Hygieneregeln die Leute vor Ort begeistern“, sagt sie. „Das Kanu-Kino ist ein toller Ersatz für das ausgefallene Heideblütenfest 2020.“

Vereinsvorstand Christian Kremer geht sogar noch einen Schritt weiter. „Ich kann mir gut vorstellen, die Geschichte des Amelinghausener Kanu-Kinos weiterzuschreiben und das Angebot dauerhaft in unser Festprogramm aufnehmen“, sagt er. „Quasi als ein neues Angebot für einen kleinen elitären Kreis, der, statt Remmidemmi an Land, Ruhe und Romantik auf dem Wasser sucht.“

Auch für die restliche Heidefestwoche haben sich die Amelinghausener in diesem Jahr etwas einfallen lassen, um die Heideblüte wenigstens in kleinem Rahmen zu feiern. Statt eines Festumzuges mit Motivwagen durch den Ort, haben die Wagenbaugruppen Fahrzeuge in Bollerwagengröße gebaut und festlich dekoriert. Sie werden die Hauptstraße des Ortes schmücken. In den Geschäften gibt es eine Ausstellung mit historischen Fotos zum Heideblütenfest seit 1951. Und Heidekönigin Leonie Laryea bittet am 15., 16. und 22. August am Kronsberg zur Audienz unter freiem Himmel.