Urlaubsrückkehrer

Elf neue Corona-Testzentren für Niedersachsen

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Rolf Zamponi
Kreispolitikerin Ursula Caberta und die Winsener Stadträtin Brigitte Netz hatten einen Offenen Brief ans Ministerium geschrieben.

Kreispolitikerin Ursula Caberta und die Winsener Stadträtin Brigitte Netz hatten einen Offenen Brief ans Ministerium geschrieben.

Foto: Stadt Winsen

Nachdem die Diagnosezentren in Buchholz und Winsen geschlossen worden waren, steuert die Kassenärztliche Vereinigung um.

Landkreis Harburg.  Nachdem die beiden Corona-Diagnosezentren an den Krankenhäusern Buchholz und Winsen am vergangenen Freitag geschlossen worden waren, steuert die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) als Betreiber jetzt um. Innerhalb der kommenden Tage sollen, nachdem die Zentren auch landesweit weitgehend ihre Testarbeit eingestellt hatten, nun wieder elf Testzentren neu öffnen.

„Als in der vergangenen Woche die Diskussion über die Urlaubsheimkehrer einsetzte, konnten wir nicht mehr die Notbremse ziehen“, sagt Uwe Köster, der stellvertretende Sprecher der KVN. „Jetzt stellen wir die Organisation auf eine neue Grundlage.“ Die KVN hatte uns zugesagt, dass sie die Zentren wenn nötig „in kürzester Zeit wieder hochfahren kann“, versichert Stefanie Geisler, die Sprecherin des Sozialministeriums.

Schon zuvor hatte die SPD Winsen in einem Offenen Brief Sozialministerin Carola Reimann (SPD) aufgefordert, „die Entscheidung der KVN sofort rückgängig zu machen.“ Die Ministerin solle mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auf die KVN einwirken, dass dieses schnell geschehe.

Jetzt muss eiligst Personal gefunden werden

Unterschrieben haben den Brief, der dem Abendblatt und inzwischen auch dem Ministerium vorliegt, die Winsener Stadträtin Brigitte Netz und die Kreistagsabgeordnete Ursula Caberta Y Diaz.

Die neuen Testzentren sollen nun in den nächsten Tagen aufgebaut werden, versicherte Köster. Das erste hat bereits am gestrigen Montag in Hannover seine Arbeit aufgenommen. Die Einwohner des Landkreises Harburg, die aus dem Urlaub heimkehren, können sich entweder an ein geplantes Zentrum im Kreis Lüneburg oder ein weiteres wenden, dass in der Nähe von Stade vorgesehen ist. Jetzt gehe es darum, ärztliches und medizinisches Personal zu finden, sagte Köster.

Er verweist dazu auf Ärzte im Ruhestand oder auf Krankenhausärzte, die sich im Urlaub befinden und sich für die Arbeit bereitstellen könnten. „Der Zugriff auf niedergelassene Ärzte wird schwieriger, weil sie im Gegensatz zum Beginn der Pandemie nun ihre Praxen wieder eröffnet haben“, erklärte der KVN-Sprecher.

Tests sind freiwillig und für die Betroffenen jeweils kostenlos

Grundsätzlich gilt für die Zentren: Urlauber, die aus dem Ausland zurückkommen, können sich innerhalb von 72 Stunden testen lassen, auch wenn bei ihnen keine Symptome auftreten. Dasselbe gilt für Menschen, die sich innerhalb Deutschlands erholt haben, wenn sie sich dabei in einem Risikogebiet oder in der Nähe eines Infektions-Hotspots aufgehalten haben. Die Tests sind freiwillig und für die Betroffenen jeweils kostenlos. „Mit ihnen lässt sich in jedem Fall auf Nummer sicher gehen“, sagt Köster.

In ihrem Brief hatten die beiden SPD-Politikerinnen aus dem Landkreis die Schließung der Testzentren als „verantwortungslos“ bezeichnet. „Zentraler Punkt bei allen Maßnahmen zur Bekämpfung und Eindämmung der Corona-Pandemie ist es, die Situation vor Ort so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen. Dem wird die Entscheidung der KVN in keiner Weise gerecht“, heißt es in dem Schreiben.

Umgehend beim Hausarzt oder beim Kreisgesundheitsamt melden!

„Jeder weiß doch, wie schwer es ist, einen Arzttermin zu bekommen.“ Allein dies werde in vielen Fällen dazu führen, dass ein Test – und damit die Feststellung, ob eine Infektion vorliegt oder nicht – zeitverzögert erfolge. „Liebe Carola Reimann, es reicht nicht, die Bevölkerung immer wieder daran zu erinnern, die Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung weiter zu befolgen. Es muss von der Politik in Hannover mehr geschehen“, mahnen die Kommunalpolitikerinnen. Sie werden nun zeitnah eine Antwort erhalten. „Das gilt für alle Briefe, die uns erreichen“, so Reimanns Sprecherin Geisler.

Für alle Bürger, die von ihrer Corona-App gewarnt werden, dass ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht, bleibt es dabei: Sie sollen sich umgehend bei ihrem Hausarzt oder beim Kreisgesundheitsamt melden. Sie haben Anspruch auf ärztliche Beratung und einen Corona-Test. Falls der Test positiv ausfällt, werden Betroffene informiert und können die Ansteckung über die App anonymisiert für andere App-Nutzer sichtbar machen. Das Testlabor informiert außerdem das zuständige Gesundheitsamt. Es folgt eine 14-tägige Quarantäne, auch bei leichten Krankheitsverläufen oder wenn keine Symptome auftreten.

Positive Corona-Befunde werden dem Kreisgesundheitsamt gemeldet

Tests ohne medizinischen Anlass fallen jedoch nicht unter die Kassenleistungen. Personen, die nicht Covid-19 krankheitsverdächtig und keine Kontaktpersonen sind und nicht in der Verordnung zum Anspruch auf Testungen aufgeführt sind, haben keinen Anspruch darauf, dass eine Krankenkasse für einen Corona-Test aufkommt, den etwa Arbeitgeber, ein Einreiseland oder Urlaubshotels verlangen könnten. Die Kosten für solche Tests müssen sie selbst tragen.

Positive Corona-Befunde werden dem Kreisgesundheitsamt gemeldet. Die Erkrankten werden so schnell wie möglich angerufen. Das Gesundheitsamt versucht, Kontaktpersonen zu ermitteln. An Covid-19 erkrankte Personen sowie deren direkte Kontaktpersonen müssen in häusliche Quarantäne.

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