Wasserversorgung

Zu trocken – Niedersachsens Pegel sinken

Künstliche Beregnung eines Rübenackers. Die Pegelstände des Grundwassers sind zu niedrig.

Künstliche Beregnung eines Rübenackers. Die Pegelstände des Grundwassers sind zu niedrig.

Foto: Holger Hollemann / dpa

Wenig Grundwasser im Landkreis Harburg. Drei Jahre ohne ausreichende Niederschläge, erste Kommunen schränken Wasserkonsum ein.

Winsen/Hannover.  In Niedersachsens Gewässern sinken die Pegelstände. In den meisten Flüssen wird derzeit ein mittlerer bis niedriger Stand gemessen, das gilt laut Achim Stolz vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), für Hase, Hunte, Leine, Aller, Oker und Elbe. Die Tendenz gehe Richtung Niedrigwasser. Derzeit gebe es aber noch keine Rekordniedrigstände. Ulrich Peper, Leiter der Buchholzer Außenstelle der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sieht für die aktuelle Ernte keine Gefahr, warnt aber vor zu niedrigen Grundwasserständen im Landkreis Harburg.

Vor wenigen Tagen hatten Stadt und Landkreis Osnabrück wegen der niedrigen Wasserstände die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Bächen untersagt, weil es sonst zu ökologischen Schäden in den Lebensräumen für Tiere und Pflanzen kommen würde.

Talsperren melden geringeren Wasserstand als 2019

Auch die Harzwasserwerke merken das trockene Wetter. Die Talsperren insgesamt seien derzeit zu etwa 54 Prozent gefüllt, was einer Menge von 97,3 Millionen Kubikmetern Wasser entspreche. Die Trinkwassertalsperren hätten einen Füllstand von etwa 65 Prozent, entsprechend 55,3 Millionen Kubikmetern, sagte ein Sprecher: „Im Vergleich zu 2018 stehen wir dieses Jahr etwas besser da, aber schlechter als 2019.“ Versorgungsprobleme mit Trinkwasser gebe es derzeit nicht, die Menschen sollten aber sorgsam mit Wasser umgehen.

Für die Trinkwasserversorgung seien überwiegend die Grundwasservorkommen entscheidend, die in einigen Regionen bereits spürbar abgesunken seien, hieß es dazu von der Landesgruppe Niedersachsen des Verbandes kommunaler Unternehmen in Hannover. Zugleich sei der Wasserbedarf so hoch wie nie - das habe zum Beispiel für die Monate April und Mai in diesem Jahr gegolten. Die Systeme der Wasserversorger liefen auf Hochtouren und teilweise im Reservebereich.

Diesjährige Ernte ist nicht in Gefahr

„Die Trinkwasserversorgung im Landkreis Harburg gilt als gesichert“, sagt Ulrich Peper. Aus landwirtschaftlicher Sicht sei die Wasserversorgung zumindest für die diesjährige Ernte kein Thema. Die Kammer geht aktuell von einem gut durchschnittlichen Ertrag für 2020 aus. Mit Ausnahme von kurzen Trockenphasen habe der Niederschlag in der Vegetationszeit (seit März) ausgereicht, sodass die Ernte nicht beeinträchtigt werden dürfte – anders als noch 2018.

Auch die Winter sind zu trocken

Problematisch gestaltet sich laut dem Außenstellenbeauftragten aber die Grundwasserneubildungsrate. Hier habe der Landkreis immer noch mit einem Feuchtigkeitsdefizit aus dem extrem trockenen Jahr 2018 und dem mäßigen trocken 2019 zu tun. Der bestehenden Mangel konnte durch das als normal zu betrachtende Jahr 2020 noch nicht wieder ausgeglichen werden. Daher sei es im Landkreis Harburg aus landwirtschaftlicher Sicht tendenziell immer noch eher zu trocken, so Peper.

Hierbei wichtig zu beachten: Ob Grundwasser neu gebildet wird, entscheidet sich nicht im Sommer. Denn bei hohen Temperaturen verdunstet das Wasser, aber „im Winter geht es ins Erdreich“, erläutert Ulrich Peper. Es sei also entscheidend, wie viel Niederschlag der Landkreis Harburg im Winter verzeichnen und wie viel davon auch ins Erdreich gelangen kann. „Über die Jahre hinweg gab es trockene Winter“, sagt Peper. Es spreche daher alles dafür, dass im Gesamtsystem Wasser fehlt.

Die Rahmenbedingungen in diesem Jahr seien aber eher günstig, so der Vertreter der Landwirtschaftskammer: Gemäßigte Temperaturen und eine dadurch geringere Verdunstungsrate hätten dazu geführt, dass Pflanzen den vorhandenen Niederschlag gut nutzen konnten.

Viele Familien bleiben zu Hause und verbrauchen Wasser

Zu Wasserknappheit in den Kommunen trägt bei, dass viele Familien wegen der Coronapandemie zu Hause bleiben und deshalb in den Sommermonaten ihre Gärten bewässern und immer größere Gartenpools befüllen. Ein Rasensprenger verbrauche bis zu 800 Liter in der Stunde, der Tagesdurchschnittsverbrauch an Trinkwasser liege in Niedersachsen bei knapp 127 Litern.

Erste Einschränkungen für Binnenschifffahrt drohen

Die Binnenschiffer spüren ebenfalls die niedrigen Wasserstände. Derzeit gebe es für die Schifffahrt an der Weser leichte Einschränkungen, sagte eine Sprecherin der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Bonn. „Zurzeit wird der Wasserstand der Weser durch die Edertalsperre gestützt.“ Voraussichtlich ab dem 10. August könne wegen des dann fehlenden Wassers nicht mehr gestützt werden. Die Folge dürften deutlichere Einschränkungen für die Schifffahrt sein. Auch für die Elbe sei in den nächsten Tagen mit fallenden Wasserständen zu rechnen. Bei niedrigen Wasserständen können Schiffe mit bauartbedingt großen möglichen Tiefgängen nicht mehr vollbeladenen auf dem Fluss fahren.