Stöckte

Jungstorch in letzter Minute aus der Elbe gerettet

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Der junge Storch hat sich in einem Strauch Wasser-Kreuzkraut am Elbufer verheddert. Allein konnte sich das Tier nicht befreien.

Der junge Storch hat sich in einem Strauch Wasser-Kreuzkraut am Elbufer verheddert. Allein konnte sich das Tier nicht befreien.

Foto: Tom "Hawk" Sauerland / HA

Spaziergänger entdecken das hilflose und erschöpfte Tier. Storchenbetreuer Tom Sauerland befreit es aus einem Strauch am Flussufer.

Laßrönne/Winsen.  Es war wohl eine Rettung in letzter Minute – für einen erst in diesem Jahr geschlüpften Jungstorch. Storchenbetreuer Tom Sauerland konnte ihn aus einem Strauch Wasser-Kreuzkraut am Elbufer befreien, zum Tierarzt bringen und schließlich am Freitagnachmittag mit seinen Kollegen wieder in die Freiheit entlassen. „Der Storch hat sich offensichtlich nicht verletzt, so dass wir ihn wieder auswildern konnten“, sagte Sauerland am Freitag dem Abendblatt.

Aufmerksame Spaziergänger schlugen Alarm

Die Rettung beginnt mit aufmerksamen Spaziergängern, die sich am Donnerstagnachmittag über den Naturschutzbund (Nabu) bei Sauerland in Stöckte meldeten. Sie hatten gesehen, dass der Vogel auf der Höhe von Laßrönne in der Elbe treiben würde und beschrieben den Platz an einer Buhne genau. So konnte Sauerland das entkräftete Tier rasch auffinden. Bei auflaufendem Wasser im Fluss zog er seine Schuhe aus, krempelte die Hose hoch und befreite den Storch aus seiner misslichen Lage. Allein hätte das Tier das wohl nicht mehr schaffen können.

Der Tierarzt checkte den Jungstorch durch

Der nächste Schritt war ein Besuch bei der Tierarztpraxis Beecken in Stöckte. Dort stellte Hendrik Beecken eine Unterkühlung fest, zudem hatte der Storch reichlich Wasser geschluckt. „Wir haben ihn mit einer Wärmematte versorgt und gegen eine mögliche Lungenentzündung hat er ein Antibiotikum bekommen“, sagte Beecken dem Abendblatt. „Der Storch hat insgesamt einen guten Eindruck gemacht und sich rasch erholt“, so der Tierarzt. Er wog vier Kilogramm und war insgesamt gut genährt. „Wir können uns nicht erklären, wie der Jungstorch, der wohl im März geschlüpft ist, in diese Lage gekommen ist.“ Störche haben unter normalen Umständen eine Körpertemperatur um die 40 Grad. Männchen und Weibchen sind ohne eine eingehende Untersuchung nicht zu unterscheiden.

Der Vogel ist jetzt wieder in Freiheit

Am frühen Donnerstagabend holte Sauerland den Patienten dann bei der Praxis wieder ab und brachte ihn zu sich nach Hause. Die Nacht zum Freitag verbrachte der Vogel in einer Voliere auf dem Grundstück des Betreuers in Stöckte. Von dort ging es dann wieder ins Freie. „Eine solche Rettung habe ich zum ersten Mal erlebt. Sie ist auch nicht typisch für Störche“, sagt Sauerland, der seit drei Jahren ehrenamtlich als Betreuer arbeitet und dabei Hans Steinert abgelöst hat.

Storchenbetreuer erwartet hohe Zahl bei besetzten Nestern

Nach dem Rekordjahr für Störche 2019 erwartet Sauerland für dieses Jahr eine noch höhere Zahl von besetzten Nestern. Allerdings werde es wohl insgesamt weniger Nachwuchs geben. Im vergangenen Sommer hatten 46 Paare Nester in den einzelnen Gemeinden bezogen. Das war nach 40 Paaren 2018 genauso ein neuer Rekord wie die Zahl der mehr als 80 geschlüpften Jungstörche von 36 Paaren. 2018 hatten 32 Paare gebrütet und 77 Junge groß gezogen. Als einen Hintergrund für die steigenden Zahlen bei den Vögeln gilt ein Umweltfrevel: Es handelt sich um die offenen Müllkippen in Spanien. Denn zwischen dem Unrat finden die Tiere Nahrung. So wählen immer mehr von ihnen bei ihrem Zug nach Süden die westliche Route und bleiben über den Winter in Spanien.

Störche nehmen westliche Zugrouten

„Da die Route kürzer ist als nach Osten über die Türkei bis Südafrika drohen den Tieren weniger Gefahren. Zudem bleiben weniger erschöpft auf der Strecke“, weiß Sauerland. Waren vor wenigen Jahren noch zwei Drittel der Tiere auf der Ostroute unterwegs, zieht inzwischen die Hälfte der Vögel nach Westen.

Nester stehen unter strengem Schutz

Wer Störchen in Zuhause bieten will, kann Nisthilfen auf Stämmen, Bäumen, Masten oder Dächern anbringen. Wer sich für eine solche Brutstätte für die streng geschützten Vögel entscheidet, sollte jedoch vor allem eines bedenken: Sobald sich ein Storchenpaar auf die Brut vorbereitet, erhält das Netz einen Schutzstatus und darf daher nicht wieder abgenommen werden. Ansprechpartner bei Fragen sind die Storchenbetreuer über www.stoerche-LKHarburg.de.

Tom Sauerland, der seit 2017 Mitglied des Nabu ist, fand Störche schon immer spannend. Nachdem er vor fünf Jahren ein Haus für seine Familie in Stöckte gekauft hatte, stellte er einen zehn Meter hohen Mast auf. Den hatten die Stadtwerke Winsen ausrangiert und ihm gespendet. Schon 2017 siedelte sich ein Storchenpaar dort an und zog zwei Junge auf. Auch in diesem Jahr wurde wieder gebrütet. Der Storchenbetreuer ist so auch zu Hause den großen Vögeln immer ganz nah.

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