Neugraben

20 Meter: Das erste Stück der Veloroute im Süden ist fertig

| Lesedauer: 5 Minuten
Axel Tiedemann
Das erste Teilstück der Veloroute entstand jetzt zwischen Tempoweg und Altwiedenthaler Twiete in Neugraben-Fischbek

Das erste Teilstück der Veloroute entstand jetzt zwischen Tempoweg und Altwiedenthaler Twiete in Neugraben-Fischbek

Foto: Axel Tiedemann / AT

Bezirk vermeldet Fertigstellung eines „ersten Abschnitts“ der Veloroute 10. Für Radler bringt der Weg (noch) kaum Verbesserungen.

Hausbruch. Während das Hamburger Veloroutennetz an vielen Stellen der Stadt in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut wurde, hing der Bezirk Harburg damit lange weit zurück. Doch das hat sich jetzt geändert – jedenfalls ein bisschen.

So meldet die Harburger Bezirksverwaltung, dass der „erste Abschnitt“ der Veloroute 10 zwischen Harburg und S-Bahnhof Neugraben jetzt tatsächlich fertiggestellt ist. Mit einem neuen, drei Meter breiten Zweirichtungsradweg habe man zwischen Tempoweg und Altwiedenthaler Twiete in Hausbruch nun eine bisher fehlende Verbindung schaffen können.

„Dieses Mosaikstück bildet den Auftakt der Realisierung der Veloroute 10“, heißt es in einer Mitteilung dazu. Die Route soll einmal die Hamburger Innenstadt mit Neugraben verbinden.

Vor Ort entpuppt sich dieser erste Abschnitt allerdings als recht klein, geschätzte 20 Meter ist er lang. Und wer die noch nicht fertig ausgebaute Veloroute von Neugraben bis Harburg tatsächlich jetzt schon einmal auf den dafür vorgesehenen Seitenstraßen befahren will, wird eher an eine Schnitzeljagd als an einen zügigen Weg nach Harburg erinnert: Zumindest im gesamten Süderelbe-Abschnitt fehlen die Schilder dazu noch völlig. Die sollen nach Auskunft des Bezirksamts erst später nach der kompletten Fertigstellung montiert werden – auch um in der gesamten Stadt eine „einheitliche Beschilderung“ zu bekommen.

Auf die Schilder müssen Radler noch warten

Offensichtlich aber muss man als Radfahrer nur im Süderelbe-Bereich auf einheitliche Velorouten-Schilder warten, in Altona, in der Speicherstadt oder auch in Wilhelmsburg findet man sie längst. Kritik an diesem ersten Ausbau kommt zudem vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), der von einem „baulich sehr bescheidenen Abschnitt“ spricht. „Radwege über Gehwege hinweg zu führen oder ein drei Meter breiter Zweirichtungsradweg entspricht einfach auch nicht den Standards einer Veloroute, die sich die Stadt Hamburg selbst gegeben hat.“, sagt dazu der Hamburger ADFC-Sprecher Dirk Lau.

Aber bei diesem ersten Abschnitt allein wird es nicht bleiben, wie das Bezirksamt ebenfalls mit ankündigt. Weitere Streckenabschnitte der Harburger Veloroute 10 seien ebenfalls in Bau oder stünden kurz davor. So sieht die aktuelle Trassenführung jetzt folgenden Verlauf vor: Vom S-Bahnhof Neugraben soll sie nördlich der Bahn, aber meist dicht an den Gleisen bis zum S-Bahnhof Neuwiedenthal führen. Dann weiter auf dem vorhandenen Radweg am Striepenweg bis hin zum jetzt fertiggestellten Abschnitt am Tempoweg.

Hafenbahn muss gequert werden

Schließlich macht die Veloroute 10 einen kurzen Schlenker entlang der B 73 und führt dann bis „Zum Dubben“ an der Waltershofer Straße entlang – hier wird sowieso die Straße gerade neu gebaut und damit auch gleichzeitig ein neuer Radweg. Über die Straßen „Zum Dubben“ und „Dubben“ soll die Route dann weiter Richtung Harburg verlaufen. Kurz vor der Autobahn gibt es aber noch ein Problem, weil hier ein provisorischer Übergang der Hafenbahn gequert werden muss. Voraussichtlich 2023, so heißt es in internen Unterlagen, könnte dieser Übergang für die Veloroute ausgebaut und eine Verbindung zur Straße „Am Radeland“ geschaffen werden.

Auf dieser Straße kann man jetzt schon abseits – aber parallel mit der viel befahrenen B 73 – bis kurz vor den Harburger Binnenhafen gut radeln: Am Übergang gibt es für die Planer derzeit aber ein weiteres Problem, denn auch hier muss die Bahnstrecke im Bereich der Seehafenstraße überquert werden. Die Pläne sehen dort sogar den Standard eines Radschnellweges mit vier Metern Breite vor, der dann dort einen neuen beschrankten Übergang bekommt und eine Verbindung zwischen Seehafenstraße und Bostelbeker Hauptdeich schaffen soll.

Verkehrsexperte spricht von echtem Fortschritt

Derzeit laufe dazu ein Planfeststellungsverfahren, heißt es beim Bezirksamt. Der Bau könnte nach derzeitiger Einschätzung 2023, 2024 beginnen. Schneller wird es mit dem Ausbau der Veloroute aber zuvor im Harburger Binnenhafen gehen: Auch hier ist vom Bezirk der vier Meter breite Radschnellwegstandard geplant;. Die Route soll über die Blohmstraße, den Kanalplatz und dann über einen neuen Kreisel an der Schloßstraße bis zu einem zweiten Kreisel an der Neuländer Straße und weiter bis zur Alten Harburger Elbbrücke führen. Baubeginn im Bereich Blohmstraße soll bereits im Herbst dieses Jahres sein.

Angesichts dieser jetzt doch weit vorangeschrittenen Velorouten-Planung im Bezirk spricht der Harburger SPD-Politiker und ausgewiesene Verkehrsexperte Frank Wiesner von einem „echten Fortschritt“. Die lange Tatenlosigkeit in dieser Sache erklärt Wiesner zum einem mit lange fehlenden „Planerkapazitäten“ im Harburger Rathaus. Zum anderen habe es lange Diskussionen um die Trassenführung gegeben.

„Da mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten“, so Wiesner. Tatsächlich führte die ursprüngliche geplante Trasse auf weiten Abschnitten entlang der B 73 und auch über den Schwarzenberg – beides alles andere als attraktive Radlerstrecken.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg