Hamburg

Harburger Gesundheitsamt kämpft mit Personalmangel

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Lars Hansen
Im Harburger Rathaus gibt es derzeit viel Unruhe im Gesundheitsamt.

Im Harburger Rathaus gibt es derzeit viel Unruhe im Gesundheitsamt.

Foto: Riefenstahl / HA

Befristete Stellen laufen aus. Der neue Chef muss auch Fortgang seines Vorgänger aufarbeiten. Sozialdezernentin stellt Ultimatum.

Hamburg.  Ali Chahwand, der neue Leiter des Gesundheitsamts im Bezirk Harburg, steht zum Amtsantritt vor zwei großen Problemen. Er braucht, wie derzeit alle seine Amtskollegen in Deutschland, mehr Personal als üblich, um die Infektionslage im Auge zu behalten. Darüber sorgen sind die Umstände, unter denen sein Amtsvorgänger Robert Wegner als leitender Arzt zur Hamburger Polizei wechselte, immer noch für Aufregung.

Das Harburger Bezirksamt versucht, seine Reihen geschlossen zu halten. So wartet Ralf-Dieter Fischer, Fraktionsvorsitzender der oppositionellen CDU in der Bezirksversammlung, immer noch auf eine Antwort auf seine schriftliche Anfrage zu Wegners Stellenwechsel. Der war – ganz offensichtlich unfreiwillig – in einen langen Urlaub geschickt worden, bevor er zur Polizei wechselte. Eine ähnliche Bürgerschaftsanfrage der CDU-Abgeordneten Birgit Stöver hatte das Bezirksamt bereits mit dem Verweis auf die Vertraulichkeit von Personalangelegenheiten unbeantwortet gelassen.

Harburg: Fahndung nach Informationsleck im Gesundheitsamt

Harburgs Sozialdezernentin Anke Jobmann fahndet inzwischen offensiv in den Reihen des Gesundheitsamts nach einem Informationsleck. So hat sie eine E-Mail mit einem Ultimatum an die Mitarbeiter des Gesundheitsamts verschickt. Die werden darin aufgefordert, sich persönlich zu melden, wenn sie Amts-Interna an Politik und Presse weitergegeben haben.

Dabei geht es vor allem um Wegners Beurlaubung. Sollte sich niemand melden, will Jobmann direkt auf einzelne Mitarbeiter zugehen und sie zum Gespräch bitten, heißt es in dem Schreiben. Aus dem Gesundheitsamt ist zu hören, dass dieses Schreiben von vielen für „unangemessen und grotesk“ gehalten wird.

Zu wenig Personal für umfangreiche Aufgaben

Die Aufregung um den Stellenwechsel Wegners dürfte sich irgendwann legen. Das Personalproblem allerdings wird sich für den neuen Chef Ali Chahwand nicht so schnell lösen. Alle Gesundheitsämter haben wegen der Corona-Pandemie einen erhöhten Personalbedarf, denn sie sind es, die im Falle von Erkrankungen die Infektionsketten nachverfolgen, Kontaktpersonen ermitteln und Tests veranlassen sollen. Etwa 30 sind dafür in Harburg eingeplant. Zur Hälfte medizinisch geschultes Personal, zur Hälfte Verwaltungsleute.

Zum Höhepunkt der Pandemie im Frühjahr waren diese Stellen auch alle besetzt. Medizinstudenten hatten Semesterferien, Krankenhausstationen waren geschlossen, andere Abteilungen des Bezirksamts auf die notwendigsten Tätigkeiten heruntergefahren. Es gab genügend Personal für die befristeten Stellen. Mittlerweile ist es aber schwierig geworden, die Stellen zu besetzen, geht aus der Antwort auf eine weitere Anfrage Fischers hervor.

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Federführend sei für alle Hamburger Bezirke in dieser Angelegenheit das Bezirksamt Altona, mit dem man sich in Gesprächen befinde. „Ich finde das unbefriedigend“, sagt Fischer, „statt selbst aktiv zu werden, muss man auf ein anderes Amt warten! Außerdem wird nicht erklärt, woher die Fluktuation rührt, und was man dagegen zu tun gedenkt.“

Gesundheitsbehörde sorgt für zusätzliches Personal

Eine Antwort darauf gibt Bezirksamtssprecher Dennis Imhäuser: „Die Fluktuation ist durch das temporäre Beschäftigungsverhältnis und die originär anderen Tätigkeiten des Personals zu erklären.“ So hätten die Studierenden ihr Studium wieder aufgenommen befristet angestellte Mitarbeiter hätten sich auf feste Anstellungen beworben. Auch Verwaltungspersonal, das aus anderen Ämtern abgeordnet war, muss zurück in die ursprünglichen Ämter.

„Um ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich zu halten, haben die Gesundheitsämter durch die Steuerung der Gesundheitsbehörde zusätzliches Personal erhalten und auch die der medizinische Dienst der Krankenkassen hat an dieser Stelle die Gesundheitsämter unterstützt. Weitere Stellen wurden zentral ausgeschrieben“, sagt Imhäuser. „Darüber hinaus generiert das Bezirksamt aus eigenen Verfahren und Anstrengungen Personal für den Bedarf des Gesundheitsamtes.“

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