Landkreis Harburg

Klimaschutz: Kreis will Pakt mit Landwirten

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Rinder gelten als Klimakiller. Der Landkreis will mit den Landwirten gemeinsam Konzepte erarbeiten.

Rinder gelten als Klimakiller. Der Landkreis will mit den Landwirten gemeinsam Konzepte erarbeiten.

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Vorbild ist die Klimaallianz im Landkreis Oldenburg. Bessere Beratung für Landwirte. Ziel: weniger Treibhausgase.

Winsen.  Der Klimaschutz soll künftig im Landkreis Harburg eine deutlich höhere Bedeutung bekommen. Dafür soll noch in diesem Jahr die Landwirtschaft zum Schwerpunktthema werden. Die Kreisverwaltung plant eine zweitägige Auftaktveranstaltung für eine Klimaallianz der Betriebe auf zwei Höfen in Handeloh und Winsen für Oktober und November.

Künftig will der Kreis die Kosten für eine erste Beratung einzelner Betriebe übernehmen, damit sie mit einer angepassten Produktion den Ausstoß von Klimaschutzgasen reduzieren können. Die Ziele sind für Landrat Rainer Rempe klar: „Die Kreisverwaltung will mit der Klimaallianz wesentliche Impulse für eine klimaschonendere Landwirtschaft geben.“

Vorbild ist der Landkreis Oldenburg

Ausgangspunkt für die Initiative war ein Antrag der Grünen/Linken im Kreistag vom November 2018. Darin berief sich Elisabeth Bischoff (Grüne) auf einen Vortrag von Ansgar Lasar, dem Klimabeauftragten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der zuvor einen Vorstoß des Landkreises Oldenburg vorgestellt hatte. Darin hatte Lasar darauf hingewiesen, dass die Landwirte für Klimaschutzmaßnahmen offen seien, zumal sie sich auch wirtschaftlich rechneten. Bischoff empfahl daher der Kreisverwaltung, Kontakt mit der Landwirtschaftskammer und dem Vorreiter Kreis Oldenburg aufzunehmen und eine ähnliche Klimaallianz für den Kreis Harburg ins Leben zu rufen. Ihr Antrag wurde Anfang Dezember 2018 im Kreis-Umweltausschuss unverändert angenommen.

Neues Kapitel im Klimaschutz

In Winsen hatte sich Oliver Waltenrath, der Leiter der Kreis-Stabsstelle Klimaschutz, bei diesem Thema seit 2011 vor allem auf Haushalte und Gewerbetreibende konzentriert und als Partner die Verbraucherzentrale und die Klimaschutz und Energieagentur Niedersachsen gewonnen. „Mit den geplanten Veranstaltungen für die Landwirtschaft schlagen wir jetzt ein neues Kapitel auf“, sagt Waltenrath. Das liegt nahe. Denn während im Bundesgebiet acht Prozent der Treibhausgasemissionen auf die Landwirtschaft entfallen, sind es niedersachsenweit sogar 27 Prozent.

Methan und Lachgas als Klimakiller

Als Verursacher für die weiter ansteigenden Temperaturen auf der Erde gelten in der Agrarwirtschaft vor allem Methan und Lachgas. Das Methan gelangt über die Verdauung von Kühen in die Atmosphäre, Lachgas entweicht beim Düngen aus den Böden. Die Wirkung der beiden Gase auf die Erderwärmung ist dabei deutlich höher als beim Kohlendioxid. Methan wirkt 25 Mal stärker, für Lachgas wird sogar mit einem Faktor von 300 gerechnet. Dazu kommt: 2016 stammten nach Recherchen des Umwelt-Bundesamtes 59 Prozent des Methans und 80 Prozent des Lachgases bundesweit aus der Landwirtschaft. „Diese Werte dürften sich bis heute kaum verändert haben“, so Waltenrath.

Kammer, Landvolk und Landfrauen im Boot

Der Ansatz des Kreises für die nun geplante Kampagne bezieht neben der Landwirtschaftskammer auch Landvolk und Landfrauen sowie sämtlich Branchenvertreter ein. Voraussichtlich im Oktober sollen sich 50 Teilnehmer auf dem Hof Kröger in Handeloh-Wörme treffen. Geplant sind Vorträge und Foren zur Lebensmittelproduktion und Verschwendung sowie zur regionalen Vermarktung und zu Fördermitteln. Für das Thema Klimawandel hat Waltenrath erneut Ansgar Lasar von der Landwirtschaftskammer gewonnen. Er wird sich zu den Auswirkungen des veränderten Klimas, zu Anpassungen beim Pflanzenanbau, zu Risiken bei Trockenperioden und Starkregenfällen sowie zu den Chancen äußern, die verlängerte Vegetationsperioden bieten können.

Zwei Wochen nach dem ersten Termin soll auf dem Hof von Heiko Rieckmann in Winsen-Rottorf die Klimaschutzberatung für die einzelnen Betriebe vorgestellt werden. Rieckmann lässt sich als erster Landwirt vom Kreis ausrechnen, wie viel Treibhausgas auf seinem Hof mit Biogasanlage durch den Milchviehbetrieb entsteht. Nach dem zweiten Treffen können dann alle Betriebe eine Beratung beantragen. Deren Ziel scheint verlockend. Lasar hat ausgerechnet, dass sich über diesen Weg im Durchschnitt 50 Tonnen des Kohlendioxid-Äquivalents pro Betrieb und Jahr einsparen lassen. Dafür müssten 500 Bürger ihren Stromverbrauch um jährlich 20 Prozent senken.

Kosten für Erstberatung übernimmt der Landkreis

Die Kosten für die eintägige Beratung vor Ort wird der Landkreis übernehmen. Sie liegen bei 290 Euro plus Mehrwertsteuer. „Damit wollen wir die erste Hürde für den Einstieg in die Klimaallianz überwinden“, sagt Waltenrath. Die Berater kommen direkt von der Landwirtschaftskammer, sind also mit den Betrieben vertraut. Der Klimaschutzmanager des Landkreises geht davon aus, dass jährlich bis zu 25 Höfe ähnlich wie im Kreis Oldenburg Termine vereinbaren können. Informationen von Betrieben aus anderen Landkreisen sollen dabei helfen, eine passende Strategie einzuschlagen. „Wir unterstützen unsere landwirtschaftlichen Betriebe, damit sie noch kosteneffizienter arbeiten und zugleich ihre betriebliche Treibhausgasbilanz verbessern können“, sagt Kreisrat Josef Nießen.

Die aktuelle CO2-Bilanz für den Kreis will die Verwaltung im Umweltausschuss im November vorstellen. Die letzte liegt fünf Jahre zurück. Damals wurden 8,77 Tonnen pro Kopf und Jahr festgestellt. Der bundesweite Durchschnittswert liegt mit 9,4 Tonnen pro Kopf zwar höher. „Wir gehen auch davon aus, dass sich unser Ergebnis verbessert hat,“ sagt Waltenrath. Aber: Um bis zum Jahr 2050 bundesweit Klimaneutralität zu erreichen, müsste der Wert auf 1,5 bis 2,0 Tonnen pro Kopf sinken. Ein langer Weg. Der Landkreis Harburg geht jetzt die nächsten Schritte.

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