Landkreis Harburg

Marode Brücke in Buchholz muss abgerissen werden

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Rolf Zamponi
Der Leiter des Betriebs Kreisstraßen Uwe Karsten (M.) besichtigt mit seinen Mitarbeitern Peter Behr und Robert Panusch die Brücke.

Der Leiter des Betriebs Kreisstraßen Uwe Karsten (M.) besichtigt mit seinen Mitarbeitern Peter Behr und Robert Panusch die Brücke.

Foto: Rolf Zamponi

Bauwerk über die Bendestorfer Straße wird durch Lkws viel beansprucht. Der Landkreis plant Ersatz für rund 2,5 Millionen Euro.

Buchholz.  Die Brücke an der Bendestorfer Straße am Rande der Innenstadt von Buchholz muss abgerissen werden. Damit wird dieser Zugang zur Nordheidehalle sowie zum Frei- und Hallenbad der Stadt für Monate abgeschnitten. Auch die Feuerwache liegt hinter der 41 Meter langen Eisenbahnbrücke. Die Entscheidung für den Abriss hat der Kreisausschuss, das zweithöchste politische Gremium des Kreises, getroffen.

Sanierung wäre nicht mehr wirtschaftlich

Das Bauwerk von 1955 lässt sich nach wirtschaftlichen Kriterien nicht mehr sanieren. „Wir stehen noch ganz am Anfang der Planungen. Die Bauarbeiten könnten aus heutiger Sicht aber im Jahr 2025 beginnen“, sagte Uwe Karsten, der Leiter des zuständigen Betriebs Kreisstraßen, bei einer Besichtigung vor Ort. Die Kosten dürften nach bislang vorliegenden Schätzungen drei Millionen Euro betragen. Buchholz Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse ist sicher: „Das wird ein Riesenthema für die Stadt.“

Erste Hinweise gab es vor zwei Jahren

Erste Hinweise auf Schäden erhielten der Bau-Ingenieur Peter Behr und der Bautechniker Robert Panusch, die beim Betrieb Kreisstraßen für das Brückenprojekt zuständig sind, 2018. Ein Mitarbeiter des beauftragten Ingenieurbüros, das die alle sechs Jahre vorgeschriebenen Hauptprüfungen vornimmt, wies darauf hin. Die Statik ist zwar noch in Ordnung, bietet aber keine Reserven mehr.

Im Beton gibt es bereits mehrere Risse

„Wir haben im Oktober ein Riss-Kataster angelegt, für das Kunststoffmarken in die Querträger gesetzt wurden“, sagt Panusch. Die Marken sollen zeigen, ob es Bewegungen am Material gibt. Eine erste Prüfung ergab das noch nicht. Die nächste steht im Juli an. „Wir werden in diesem Jahr im jedem Quartal nachsehen“, versichert Panusch.

Tragkraft wird immer geringer

Klar ist: Die Brücke ist nicht zu halten. Schon Risse im Beton von mehr als 0,2 Millimetern gelten für Brücken als Schaden. An der Bendestorfer Straße aber treten an dem Bauwerk, das die zweigleisige Bahnhauptstrecke zwischen Hamburg und Bremen überquert, zwei Millimeter große Risse auf. Durch solche Risse dringt Wasser unter den Betonmantel und lässt den Bewehrungsstahl rosten. Das sprengt wiederum weiteren Beton ab und führt dazu, dass weitere Stahlteile nicht mehr geschützt sind. Mit dem Rost wird der Stahl dünner und die einwirkenden Kräfte wirken auf einen immer kleiner werdenden Durchmesser der Spanndrähte. Ein schleichender Prozess, der die Tragkraft von Brücken immer weiter einschränkt.

Neun Brücken im Kreis müssen saniert werden

Die Brücke in Buchholz ist nur eine von derzeit neun größeren Brücken im Landkreis Harburg, die bis zur Mitte des Jahrzehnts saniert oder erneuert werden müssen. Hintergrund dafür ist zum einen, dass die Ummantelung von Brücken während der Wirtschaftswunderjahre nach dem 2. Weltkrieg oft zu dünn kalkuliert wurde. Dazu kommt die starke Zunahme von Transporten per Lkw, deren zulässige Achslast im Schwerverkehr Ende der 1990er-Jahre von elf auf zwölf Tonnen erhöht wurde. Schon zuvor aber galt: Ein Lkw wirkt sich so stark aus wie das Passieren von 10.000 bis 15.000 Pkw.

Nachdem klar wurde, dass die alte Brücke an der Kreisstraße 54 nicht bleiben kann, hat nun die Vorbereitung für eine neue begonnen. Für solche Bauten wird heute für den Überbau mit der Straße mit 90 Jahren, für die Widerlager, also die äußersten, massiven Stützen, mit 110 Jahren kalkuliert. Ein Ingenieurbüro aus Hannover hat die reinen Baukosten von 2,5 Millionen Euro einschließlich des Abbruchs bislang grob kalkuliert. Der Landkreis wird, sobald genauere Planungen vorliegen, Fördergelder beim Land beantragen. Nach dem Gemeinde-Verkehrsfinanzierungs-Gesetz sind Zuschüsse von 60 Prozent möglich.

In einigen Wochen steht fest, wer die Planung machen soll

Anfang der Woche hat die Kreisverwaltung überregional Büros als Planer angefragt. In acht bis neun Wochen soll feststehen, wer den Auftrag erhält. „Wir richten uns nach dem wirtschaftlichsten Angebot“, sagt Karsten. Auf die Entscheidung folgen Fragen nach dem Typ der Brücke, die voraussichtlich schon wegen der neuen Maße für Fußwege breiter werden muss. Möglich wäre auch, künftig Wege für Fußgänger und Radfahrer auf beiden Seiten einzurichten, wenn die Stadt sich dafür ausspricht. Die Planfeststellung muss laufen und es ist nicht ausgeschlossen, dass Flächen zugekauft werden müssen. Mit der Bahn müssen zudem Sperrzeiten für Züge vereinbart werden. Das alles erfordert Zeit. So denkt die Bahn eher in Zeiträumen von Jahren.

Wie wird die Verkehrsführung während der Bauphase?

Besonders wichtig wird die Verkehrsführung für die monatelangen Bauarbeiten sein. „Eine Behelfsbrücke einzusetzen wird für uns das letzte Mittel sein“, sagt Karsten. Zu diesem Vorgehen hatte sich die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lüneburg für die Bundesstraße 3 bei Sprötze entschlossen. Schließlich muss nach dem Grundsatzbeschluss noch einmal der Kreistag über die Gestaltung der Buchholzer Brücke entscheiden. Natürlich wird der Kreis die Stadt Buchholz als Verkehrsbehörde in das Projekt einbeziehen. „Die Bendestorfer Straße“, weiß auch Bürgermeister Röhse, „ist von ungeheurer Bedeutung für die Stadt.“

Immerhin: Die Feuerwehr kann noch in Richtung Am Langen Sal über einen Hinterausgang ausweichen. Für die Nutzer der Nordheidehalle, zu denen der Verein Blau-Weiß Buchholz, viele Schulen und die gerade in die erste Liga aufgestiegenen Damen der Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten gehören, wird es jedoch eng. „Die Halle ist tagsüber ausgebucht“, sagt Röhse. „Wir werden uns weitgehende Gedanken machen müssen, wie wir die neue Lage zufriedenstellend bewältigen können.“

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