Landkreis Harburg

Getreideernte knapp über dem Durchschnitt

| Lesedauer: 5 Minuten
Corinna Panek
Der Ramelsloher Landwirt Hermann Hartig (links) beginnt in diesen Tagen mit der Wintergetreide-Ernte. Seine Söhne Christian (oben, links) und Hendrik arbeiten mit im Betrieb. Wilhelm Neven (Landvolk, zweiter von links), Landwirtschaftskammer-Geschäftsführer Ulrich Peper, Kreislandwirt Willy Isermann und sein Stellvertreter Martin Peter informierten gestern über die Ernteerwartungen im Landkreis Harburg.

Der Ramelsloher Landwirt Hermann Hartig (links) beginnt in diesen Tagen mit der Wintergetreide-Ernte. Seine Söhne Christian (oben, links) und Hendrik arbeiten mit im Betrieb. Wilhelm Neven (Landvolk, zweiter von links), Landwirtschaftskammer-Geschäftsführer Ulrich Peper, Kreislandwirt Willy Isermann und sein Stellvertreter Martin Peter informierten gestern über die Ernteerwartungen im Landkreis Harburg.

Foto: Corinna Panek

Die Landwirte rechnen mit einem ordentlichen Ertrag – Grünflächen bringen weniger als erwartet – immer mehr Rapsanbau.

Buchholz/Ramelsloh.  Sobald es das Wetter zulässt, voraussichtlich kommende Woche, beginnt im Landkreis Harburg die Getreideernte. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erwartet für 2020 eine mindestens durchschnittliche Ernte – auch, weil Extremwettersituationen bisher ausgeblieben sind. Dennoch besteht immer die Gefahr, dass die Ernte sprichwörtlich verhagelt wird – so geschehen vor kurzem im Raum Hollenstedt. Die Dürre vor zwei Jahren hat bei vielen Landwirten zu Verunsicherung geführt, da die wirtschaftlichen Folgen noch längst nicht bei allen überstanden seien, so die Landwirtschaftskammer.

Bei der Wintergerste liegt der Ertrag unter dem Vorjahr

Je nach Art der angebauten Pflanzen hat sich das Wetter seit dem vergangenen Herbst unterschiedlich ausgewirkt – was für Getreide förderlich ist, vertragen Hackfrüchte schlechter, oder umgekehrt. Überdurchschnittlich viel Regen im Herbst und eine Trockenperiode zum Jahreswechsel erwiesen sich als ungünstig für das Wintergetreide: Hier wird der Ertrag unter Vorjahresniveau liegen. Dafür bestand kaum Gefahr von Frostschäden. Die Trockenheit im April machte es möglich, den Fungizid-Einsatz zu reduzieren. Auch der erste Schnitt beim Grünland im Mai brachte unbefriedigende Erträge. Gerade auf den ersten Schnitt komme es jedoch für die Milchviehhalter an, da dieses junge Gras besonders eiweiß- und nährstoffhaltig ist, sagte Landwirtschaftskammer-Geschäftsführer Ulrich Peper bei der Vorstellung der Erntebilanz in Buchholz.

Landwirte kaufen besonders viel Heu – aus Vorsicht

Dafür war der zweite Grünschnitt hervorragend: „Wir hatten sogar Hamsterkäufe“, sagte der Landvolkvorsitzende Wilhelm Neven. Da aufgrund der Trockenheit in den Jahren zuvor das Heu knapp geworden war, hätten die Landwirte jetzt aus Vorsicht besonders viel gekauft. Für Kartoffeln, Rüben und Mais waren die Bedingungen deutlich besser: Die bis Mitte Mai andauernde Trockenheit schaffte optimale Aussaatbedingungen, der Wasserbedarf dieser Pflanzen steigt erst mit zunehmendem Wachstum, sodass Niederschläge im Juni und ansteigende Temperaturen genau zur rechten Zeit kamen.

Der Landkreis Harburg ist nicht nur geprägt durch die drei unterschiedlichen Landschaften Heide, Geest und Marsch, sondern auch dadurch, dass das Wetter sich lokal ausgesprochen unterschiedlich zeigen kann – hier muss beregnet werden, dort reichten die Niederschläge bisher aus.

56.000 Hektar Anbaufläche im Landkreis

Die Ernte der Wintergerste beginnt in diesen Tagen, in etwa drei Wochen werden Winterraps, Roggen, Weizen und Sommergetreide folgen. Die Anbaufläche im Landkreis Harburg beträgt 56.000 Hektar, ihr Bestand ist in den vergangenen zehn Jahren um etwa 500 Hektar zurückgegangen. Ein Drittel ist Grünland, vornehmlich in der Marsch, zwei Drittel sind Ackerland. Die Anteile der Anbaufrüchte haben sich verändert: Auf 14.000 Hektar wird in diesem Jahr Getreide angebaut, vor einem Jahr waren es noch 16.000 Hektar. Dafür stieg die Anbaufläche für Mais, vor allem für Biogasanlagen. Auch der Rapsanbau sank: von 1430 auf 1080 Hektar. Kartoffeln haben leicht zugelegt, die Hackfruchtproduktion liegt bei 4100 Hektar. Hinzu kommen 5000 Hektar Sonderkulturen wie Obst und Gemüse, Baumschulen oder Rollrasen. 2120 Hektar liegen brach, etwa die Hälfte davon ist als Blühfläche zum Schutz der Insekten, Bodenbrüter und Kleinsäuger angelegt.

Gründe für die Veränderungen sind in erster Linie die schlechteren wirtschaftlichen Ertragsaussichten. Eine Ausnahme scheinen Kartoffeln zu sein: „Mit 40 Euro je 100 kg ist die Frühkartoffel durchaus interessant“, so Kreislandwirt Willy Isermann. Jedoch gebe es derzeit einen „Pommes-Berg“, da die für Pommes frites vorgesehenen Kartoffeln aufgrund der Restaurantschließungen während der Corona-Hochzeit nicht abgenommen wurden.

Getreidepreise auf Vorjahresniveau

Die Getreidepreise werden voraussichtlich auf Vorjahresniveau liegen – ein Nachteil für deutsche Landwirte, da die ausländische Konkurrenz unter weniger strengen Auflagen und somit günstiger produzieren kann. Ausschlaggebend für die Erlöse sind jedoch die Weltmarktpreise. Weltweit wird eine Weizenernte von 770 Millionen Tonnen erwartet, in den Lagern liegen noch 300 Millionen Tonnen, somit dürften die Preise stabil bleiben. Je nach Fruchtart, Verfügbarkeit und Qualität liegen sie zwischen 13,50 und 17,50 Euro je Dezitonne (100 kg), bei Raps sind leicht höhere Erlöse von 36 bis 38 Euro (Vorjahr 34 bis 36 Euro) zu erwarten. Raps ist weltweit als Ölpflanze gefragt und hat somit eine Zukunft. „Allerdings ist der Landkreis Harburg kein vorzüglicher Standort für den Rapsanbau“, erläuterte Ulrich Peper.

Corona sorgt für verhaltene Stimmung

Die Stimmung in der Landwirtschaft ist insgesamt verhalten. Corona hat die Handelsketten unterbrochen, die Erlöse für Milch liegen derzeit bei höchsten 32 Cent je Liter, teilweise auch unter 30 Cent. Rentabel wäre die Milcherzeugung ab 35 Cent. Die Schweinepreise waren bis zum Jahreswechsel gut, dann kam Corona. „Derzeit legen wir pro Schwein 25 Euro drauf“, rechnete Willy Isermann vor. Dem Obstbau machte zum Teil der Frost im Frühjahr zu schaffen. Etwa ein Drittel der Ackerfläche wird beregnet, mit steigender Tendenz. Im Landkreis Harburg ist aber eine Wasserbevorratung oder -speicherung kein Thema.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Harburg