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Neu Wulmstorf: Eklat um geplantes Baugebiet

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Auf dem Waldgrundstück bei der Lutherische ist ein kleines Neubaugebiet geplant. Wie es aussehen soll, ist umstritten.

Auf dem Waldgrundstück bei der Lutherische ist ein kleines Neubaugebiet geplant. Wie es aussehen soll, ist umstritten.

Foto: Axel Tiedemann / AT

Planungsbüro brüskiert: SPD im Bauausschuss schwenkt plötzlich um und lehnt das Ergebnis einer zweijährigen Diskussion rundheraus ab.

Neu Wulmstorf.  Eigentlich schien alles klar zu sein: Seit Jahren schon gibt es immer neue Anfragen zur Bebauung eines kleinen Waldstücks an der Neu Wulmstorfer Lutherkirche und damit an markanter Stelle am südlichen Ortseingang der Wulmstorfer Straße. Seit zwei Jahren nun schon plant der Projektentwickler PGN ein knapp 14.000 Quadratmeter großes Neubaugebiet dort am „Kirchenhang“, es gab weitgehende Übereinstimmung mit der Kirchengemeinde, die einen kleinen Grundstücksteil beiträgt; die Verwaltung war eingebunden und auch die Kommunalpolitik.

Als PGN-Geschäftsführer Norbert Behrens jetzt im Bauausschuss des Gemeinderates das Konzept dazu vorstellte, erschien das weitere Procedere für eine notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes daher als reine Formsache. 48 Reihenhäuser sollen dort gebaut werden, für die es im Ort eine große Nachfrage gebe. Dazu noch ein dreigeschossiges Gebäude mit 18 teils besonders preisgünstigen Wohnungen.

SPD übt plötzlich harsche Kritik

Doch im Ausschuss überraschte dann SPD-Ratsherr Uwe Stockleben mit harscher Kritik an dem Projekt. Es fehle die „Vielfalt“, so Stockleben, der selbst Bauingenieur ist. „Städtebaulich“ wünsche sich die SPD-Fraktion an einer solchen markanten Stelle am Ortseingang etwas, das dieser Situation gerechter werde, krittelte er und sprach davon, dass dort möglicherweise lediglich 48 „immer gleiche“ Reihenhäuser gebaut würden. Die SPD schlage daher vor, die notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes nicht dem Investor zu überlassen, sondern einen eigenen Planer noch einmal damit zu beauftragen.

Projektentwickler ist verärgert

Das machte Projektentwickler und Architekt Behrens zunächst „sprachlos“, wie er sagte – und dann auch richtig sauer. „Ich bin ziemlich angefasst“, sagte er zu dem öffentlich in der ehemaligen Hauptschule tagenden Ausschuss. Alles sei besprochen, zwei Jahre habe man diskutiert und geplant und dann komme eine plötzliche Kehrtwende. Behrens: „So geht das nicht!“

Ausschussvorsitzender stimmt gegen seine eigene Partei

Betroffen von der SPD-Kehrtwende zeigte sich aber auch der Ausschuss-Vorsitzende Thomas Grambow, der selbst Mitglied der SPD-Fraktion ist. Er habe von dem „Meinungswechsel“ seiner Fraktion erst durch einen Telefonanruf am Nachmittag erfahren, sagte der SPD-Politik am Rande der Sitzung. Braungebrannt und mit neuem Vollbart ist er gerade aus dem Urlaub von der Zugspitze zurück und hatte an der jüngsten SPD-Fraktionssitzung nicht teilgenommen.

Streit um den Bürgermeisterposten

Hinter diesem internen Informationsdefizit dürfte auch eine ziemliche – vorsichtig ausgedrückt – Disharmonie innerhalb der Neu Wulmstorfer SPD stecken, die gleich zwei Platzhirsche in ihren Reihen weiß. Grambow, der auch Vize-Bürgermeister ist, wollte bei den Kommunalwahlen 2021 selbst eigentlich in seiner Gemeinde für den Bürgermeisterposten kandidieren. Doch der SPD Ortsverein präferierte dazu während einer Sitzung Anfang Mai offensichtlich Fraktionschef Tobias Handtke. Im Anschluss an die Sitzung verkündete ein ziemlich enttäuschter Grambow, dass er für die Neu Wulmstorfer SPD nicht mehr für ein politisches Amt kandidieren wolle. Nach 15 Jahren im Gemeinderat sei dann 2021 Schluss, sagte Grambow dem Abendblatt. Was aber nicht bedeute, dass er sich für seine Partei nicht an andere Stelle im Landkreis um eine Position bewerbe werde.

Offensichtlicher Zwist in der SPD Neu Wulmstorf

Dieser offensichtliche Zwist mit der örtlichen SPD zeigte sich dann auch folgerichtig im Abstimmungsverhalten. Mit einstimmiger Mehrheit stimmten die Mitglieder zwar für eine Änderung des Flächennutzungsplanes. Dass dies auf der Basis des vorgestellten PGN-Konzepts geschehen solle – dafür gab es dann am Ende aber nur eine hauchdünne Mehrheit, weil Grambow dafür und nicht wie die Rest-SPD und Grüne dagegen stimmte. Das letzte Wort in der Causa Kirchenhang hat aber nun der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss, der im Sommer noch zusammenkommt.

Und da könnte die SPD, die größte Fraktion im Rat ist, das Projekt doch noch mehrheitlich ablehnen – allerdings nur, wenn dann auch der SPD-Politiker und Ausschuss-Vorsitzende Grambow in die Ablehnungsfront seiner Fraktion mit einschwenkt. Doch zu so einer Kampfabstimmung wird es wohl nicht kommen. Nach Abendblatt-Information hat man nach der turbulenten Ausschusssitzung dann doch wieder Treffen mit Politik, Verwaltung, Kirche und Investoren vereinbart. „Und da hoffe ich jetzt darauf, dass wir doch noch eine breite Mehrheit für ein einvernehmliche Lösung bekommen“, sagt Grambow.

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