Teilausbau

Die Grundschule: Salzhausens größtes Projekt

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Rolf Zamponi

Die Samtgemeinde lässt inklusive barrierefreie Schulräume bauen. Kosten für das Projekt: 13 Millionen Euro.

Salzhausen.  Die Samtgemeinde Salzhausen hat am Donnerstag den Kurs für die Zukunft ihrer Grundschule festgeschrieben. Mit Vertretern des Generalunternehmers, einer Arbeitsgemeinschaft aus den Firmen August Reiners (Bremen) und Günter Effinger (Seevetal), hat Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause gestern in der Turnhalle der Grundschule die Verträge für ein Millionen-Projekt unterzeichnet. „Der Teilausbau der Schule ist eines der bedeutendsten Projekt der Samtgemeinde. In jedem Fall aber mit rund 13 Millionen Euro das teuerste seit ihrem Bestehen ab 1972“, sagte Krause dem Abendblatt.

Die erste Planungen begannen bereits vor fast fünf Jahren. Im Dezember 2017 stimmte der Samtgemeinderat dann dem Projekt grundsätzlich zu. Es folgte eine europaweite Ausschreibung für einen Teilnehmerwettbewerb. Schließlich forderte die Samtgemeinde Mitte 2019 drei Generalunternehmer auf, ihre Angebote abzugeben. Diese konnten in einer zweiten Runde noch einmal nachgebessert werden. Am 8. Juni beschloss der Samtgemeinderat dann die Auftragsvergabe. Vor dem endgültigen Abschluss wartete Bürgermeister Krause noch die Einspruchsfrist der weiteren beteiligten Anbieter ab. Seit Donnerstag hat er grünes Licht.

Mit der Wahl eines Generalunternehmers handelt sich Salzhausen eine besondere Finanzierung für den Ausbau ein. „Im Grunde haben wir bei der Arbeitsgemeinschaft den Schulausbau bestellt, den sie nun mit allen Gewerken realisieren muss“, so Krause. Das Projekt soll Ende 2022 fertiggestellt sein. Zahlen muss die Kommune erst nach der Bauabnahme. Damit werden ihre Schulden von sechs Millionen Euro derzeit auf 19 Millionen Euro steigen. Fördergelder erhält Krause nicht. Abgesehen von Mitteln aus der Schulbaukasse des Kreises, in die die Samtgemeinde jedoch selbst Beiträge einzahlen muss.

Für den Bau muss das Freilichttheater weichen

Die Investition ist eine Folge der Forderung des Landes Niedersachsen, barrierefreie inklusive Grundschulen anzubieten. Sie sollen nach den derzeitigen Planungen bis voraussichtlich 2025 zu Ganztagsschulen werden. Die alten Gebäude, zwischen deren Etagen immer wieder Stufen zu überwinden sind, sind für solche Anforderungen nicht geeignet.

Gebaut werden soll nun auf dem heutigen Platz des runden Freilichttheaters. Dort entsteht ein Anbau, vorgesehen für jeweils vier Klassen der ersten vier Jahrgänge mit insgesamt rund 400 Schülern. Die drei Etagen, die auch mit Aufzügen miteinander verbunden sein werden, sind untereinander versetzt. Der Baukörper wirkt so weniger massig. Laubengänge lassen zu, dass die Schüler von jedem Klassenraum ins Freie kommen.

Zu den Klassenzimmern kommen vor allem für den inklusiven Unterricht Räume, um die Klassen in einzelne Gruppen aufteilen zu können. Dazu sind eigene Bereiche für Schüler und Lehrer sowie das Unterrichtsmaterial vorgesehen. Das Gebäude wird eine Aula und einen Verwaltungstrakt beherbergen. Die Mitte bildet ein Lichthof. Die Energie für die Heizung soll eine private Biogasanlage liefern, die schon heute das Waldbad versorgt. Drei kommunale Kindertagesstätten sollen ebenfalls angeschlossen werden.

Um den Schulbetrieb nicht unnötig unterbrechen zu müssen, hatte Projektleiter Andreas Ristau aus der Samtgemeindeverwaltung den Anbau vorgeschlagen. Er soll den seit den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhundert genutzten Gebäudekomplex abschließen. Der architektonisch gelungene Teil der Schule aus den 50er-Jahren bleibt dabei erhalten, weil seine Bausubstanz noch immer gut ist. Dagegen wird der ohnehin wenig energieeffiziente und allenfalls teuer zu sanierende Teil aus den 60er-Jahren abgerissen. Im Anschluss an dieses Gebäude folgen die Turnhalle und ein weiterer Gebäudeteil, der 1999 fertig gestellt wurde. Beide können weiter genutzt werden. Als Abschluss wird der Neubau mit seinen 16 Klassen entstehen. Für die durch den Neubau frei werdenden Räume gibt es bereits die ersten Interessenten.

„Bei einem kompletten Neubau hätten wir den Schulbetrieb für zweieinhalb bis drei Jahre in Container verlagern müssen. Allein deren Miete hätte bis zu drei Millionen Euro gekostet“, sagt Projektleiter Ristau. Die kann die Samtgemeinde nun mit dem Anbau sparen, der Lehrer und Schüler nicht behindern wird.

Abgerissener Trakt wird einer Mensa Platz bieten

An die Stelle des nach der Fertigstellung des neuen Schulgebäudes abgerissenen Trakts aus den 60er-Jahren soll später die Mensa treten. Für sie gibt es erste Vorplanungen. Ristau rechnet mit einem Jahr Bauzeit. „Von 2024 an müssen wir unsere Planungen intensivieren.“ Eine Mensa gehört dabei zu den entscheidenden Voraussetzungen für Ganztagsschulen.

Zu Beginn der Planungen hatte man in der Samtgemeinde auch alternative Standorte für die Grundschule geprüft. „Doch einen besseren als den alten haben wir nicht gefunden“, sagte Krause. Kein Wunder: Liegt die Schule doch an der grünen Flanke des Paaschberg abgeschieden vom Verkehr, ruhig, fast idyllisch. Oben auf der Spitze des Bergs steht ein Aussichtsturm, von dem man weit über den Landkreis blicken kann. Doch auch von oben wird man von 2023 an kaum eine modernere inklusive, barrierefreie Grundschule erkennen können.

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