Corona-Beschränkungen

Fischbeker Segelflieger fühlen sich schikaniert

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Axel Tiedemann
Der traditionsreiche Segelflugplatz in der Fischbeker Heide

Der traditionsreiche Segelflugplatz in der Fischbeker Heide

Foto: Axel Tiedemann / AT

Nach zahlreichen Lockerungen beharren die Behörden in Hamburg weiter auf die strenge Corona-Regelung für die Hobbyflieger in Fischbek und Boberg

Fischbek . Auf dem traditionsreichen Segelfluggelände in der Fischbeker Heide herrscht an schönen Tagen des Frühsommers normalerweise Hochbetrieb: Flugschüler aber auch erfahrene Scheininhaber heben dann mit Fluglehrern ab, um gezielt zu trainieren. Auch für erfahrene Piloten ist ein solcher „Überprüfungsflug“ nach der längeren Winterpause zum Saisonstart wichtig, um ihre Lizenzen zu behalten.

Doch in Corona-Zeiten war das wegen des engen Abstands in den kleinen, zweisitzigen Maschinen nicht möglich. Aber auch jetzt nach zahlreichen Lockerungen der Beschränkungen beharren die Behörden in Hamburg weiter auf die strenge Regelung für die Hobbyflieger wie in Fischbek oder auch in Boberg im Bezirk Bergedorf. Trotz mehrfacher Anfragen bekamen die Fischbeker Flieger abschlägige Bescheide per Post, wie aus Schriftwechseln hervorgeht, die dem Abendblatt vorliegen.

Von „Schikane einer Randgruppe“, spricht daher der Erste Vorsitzende des Fischbeker Segelflug-Clubs Jens-Arne Reumschüssel mittlerweile verärgert, weil er seit Wochen schon versucht, gegen diese „Ungleichbehandlung“ zu intervenieren. Flugschulen müssten genauso behandelt werden wie Fahrschulen, die ihren Betrieb wieder aufnehmen durften, fordert er.

Fahrschulen der Lüfte

„Wir sind eben Fahrschulen der Lüfte.“ Doch während Fahrlehrer kürzlich mit lautem Hupen und einem Autokorso um die Alster auf ihr Anliegen wirksam aufmerksam gemacht haben, zeigen sich die Hamburger Behörden gegenüber den Segelfliegern bisher hart. Wohl auch, weil davon nur eine relativ kleine Gruppe betroffen ist: Der Fischbeker Verein hat gerade mal 80 Mitglieder.

Aber dieses Beharren auf einmal aufgestellte Regeln mutet in diesem Fall grotesk an und dürfte die Akzeptanz solcher Vorschriften auch allgemein eher untergraben, wenn sie wie in anderen Fällen auch schon nicht bundeseinheitlich geregelt sind. Denn in Niedersachsen dürfen Flugschüler und Fluglehrer seit 11. Mai wieder gemeinsam in einen Flieger steigen – mit Maskenpflicht.

Mancher Fischbeker Segelflieger weicht daher schon auf den Platz in Holtorfsloh in der Gemeinde Seevetal aus, um zu üben. „Das ist aber nur etwas für die ganz Verzweifelten, weil Aufwand und Kosten viel größer sind“, sagt der Fischbeker Vereinsvorsitzende und fragt nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Insel-Lösung im Infektionsschutz.

Erinnerungen an Baumarkt-Tourismus in die Hansestadt

Die unterschiedlichen Flugschulen-Regeln in benachbarten Bundesländern erinnern dabei an die Posse mit den Baumärkten. In Zeiten mit vieler größerer Infektionsrate ließ Hamburg seine Baumärkte geöffnet, Niedersachsen aber nicht. Was dann aber zu einem regelrechten Baumarkt-Tourismus in die Hansestadt führte. Niedersachsen zeigte daher Einsicht und öffnete seine Baumärkte bald wieder.

Doch nach soviel Einsicht in Sachen Fliegerei sieht es in Hamburg derzeit nicht aus: „In der aktuellen Version der Hamburgischen Fassung vom 26. Mai 2020, zuletzt geändert am 8. Juni 2020, ist eine Gleichstellung von Flugschulen zu den Bestimmungen in § 17 „Fahrschulen“ Hmb SARS-CoV-2-EindämmungsVO nicht enthalten“, heißt es beispielsweise in einer Antwort der Behörde für Gesundheit- und Verbraucherschutz vom 12. Juni an den Fischbeker Verein.

Man sei da „im Vollzug an den Wortlaut gebunden“. Mit anderen Worten: Weil die Verordnung keine Gleichbehandlung vorsieht, gibt es aus Behördensicht auch keine Gleichheit. Und wenn man das anders sehe, könne man ja noch versuchen, Anliegen und Argumente auf dem Rechtsweg einzubringen, heißt es weiter in dem Schreiben.

„Hochalbernes Kindergartengehabe“

Eine Antwort, die den Fischbeker Segelflug-Vorsitzenden verwundert zurücklässt. „Warum kann Hamburg nicht einfach etwas ändern, wenn man sieht, dass der Rest der Republik zu einer völlig anderen Einschätzung kommt“, fragt er. So aber komme das Beharren auf dieser Nischenregel einem „hochalbernen Kindergartengehabe gleich, nach dem man Fehler weder zugeben noch zu berichtigen bereit ist, sondern sich lieber weg duckt“, schreibt er in einer Antwort zurück.

Zumindest für Ende des Monats deutet sich nun möglicherweise eine Entspannung auch für die Segelflieger an. „Wir passen die Lockerungen Schritt für Schritt an das Infektionsgeschehen an“, sagt dazu der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Dennis Krämer, auf Abendblatt-Anfrage. Für Fahrschulen habe man in Hamburg früher eine Freigabe gegeben, weil mehr Menschen und viele davon auch beruflich betroffen gewesen seien. Eine Öffnung der Flugschulen sei nun aber mit der nächsten angepeilten Rechtsverordnung für weitere Lockerungen zum 30. Juni möglich. Krämer: „Wir haben das dann im Blick.“

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