Harburg

Heimfeld: Stadtteilarbeit in Gefahr

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Lars Hansen
Rainer Rißmann ist Geschäftsführer des Margaretenhorts in Heimfeld.

Rainer Rißmann ist Geschäftsführer des Margaretenhorts in Heimfeld.

Foto: xl

Der Margaretenhort will im Treffpunkthaus nur noch sein eigenes Angebot präsentieren, für die Koordination der Stadtteilarbeit fehlt das Geld.

Heimfeld.  Droht der vielfältigen Stadtteilarbeit in Heimfeld das Aus? Der sozialpädagogische Verein „Margaretenhort“ möchte im Heimfelder Treffpunkthaus nur noch seine eigenen Angebote vorhalten. Für die Koordination aller weiteren Stadtteilaktivitäten stehen Verein und Haus nicht mehr zur Verfügung. Vordergründig geht es bei dieser Entscheidung um Geld. Doch es geht auch um die grundsätzliche Zusammenarbeit im Quartier.

Treffpunkthaus ist der Nabel der Stadtteilaktivitäten

Kultur, Kinderhilfe, Kochen und Klönschnack: Das Treffpunkthaus in der Friedrich-Naumann-Straße ist der Nabel der sozialpädagogischen und der ehrenamtlichen Aktivitäten im Stadtteil. Zumindest war es das. Für Gegenwart und Zukunft ist das fraglich. Denn abgesehen davon, das derzeit Treffen und Vernetzung aufgrund der Coronaauflagen nur eingeschränkt möglich sind, hat der Margaretenhort als Hauptmieter des Hauses nun bekannt gegeben, dass er die Koordination der Stadtteilarbeit rückwirkend zum 30. April einstellt. „Die Mitteilung traf uns Anfang Mai sehr überraschend“, sagt Pastorin Anne Arnholz, Vorständin des Stadtteilbeirats Heimfeld, „Wir müssen erst einmal sehen, wie wir damit umgehen.“

Kein Personal für die Koordination der Stadtteilarbeit

Seine eigenen Angebote der Familienhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe will der Margaretenhort weiterhin im Treffpunkthaus vorhalten. Seine darüber hinaus gehende Funktion als Stadtteiltreff ist für das Treffpunkthaus jedoch fraglich: „Wir haben nicht mehr das Personal, die Stadtteilarbeit zu koordinieren und die Räume dafür zu verwalten“, sagt Rainer Rißmann, Geschäftsführer des Margaretenhort. „Wir haben keine Zusagen für weitere Gelder erhalten und konnten der Mitarbeiterin keine Perspektive bieten.“

Erst zehn Prozent der Zuschüsse sind geflossen

Mehr noch: Laut Rißmann sind auch die bis Ende April für die Stadtteilarbeit bewilligten Gelder nur zu einem geringen Teil geflossen: Von den beantragten 14.000 Euro sind lediglich knapp ein Zehntel auf dem Zuwendungsbescheid – quasi der Scheck der Stadt – gelandet. Sie sind ausdrücklich für Sach- und Raumkosten bestimmt. „Das Gehalt für die Teilzeitmitarbeiterin ist damit nicht gedeckt.“

So steht es allerdings auch im letzten Satz des Beschlusses, den die Bezirksversammlung im Januar fällte: Dort wird die Verwendung des Geldes für „längerfristig einzugehende Verpflichtungen“ – beispielsweise Arbeitsverträge – ausgeschlossen. „Ohne die Mitarbeiterin, die sich um die Stadtteilarbeit kümmert, können wir diese Arbeit auch nicht leisten“, sagt Rißmann, „den Pädagoginnen, die unsere Hilfsangebote im Treffpunkthaus vorhalten, können wir diese Arbeit nicht zusätzlich aufhalsen. Sie haben ohnehin mehr als genug zu tun, weil die Jugend- und Familienhilfe in Hamburg seit Jahren unterfinanziert ist.“

Bezirk strebt einheitliche Quartiersarbeit an

Hintergrund des Konflikts ist auch, dass die Bezirkspolitik die Stadtteilarbeit in allen Quartieren des Bezirks vereinheitlichen möchte. Die Quartiers- und Stadtteilbeiräte im Phoenix-Viertel, im Neuwiedenthal, Neugraben, Heimfeld, im Binnenhafen und demnächst in Eißendorf Ost sind oder waren alle aus Sanierungsprojekten entstanden, die teils schon ausgelaufen sind oder demnächst auslaufen.

Die Bezirkspolitiker wollen aber auch nach den Projekten nicht auf die Beiräte verzichten. Sie haben sich aus Sicht der Politik bewährt und tragen viel zur Lebensqualität in den Stadtteilen bei. Je nach Sanierungsprojekt haben diese Gremien aber ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen. „Um hier auch etwas Gerechtigkeit zu schaffen, haben wir einen runden Tisch der Stadtteilbeiräte eingerichtet, der bis Ende April ein einheitliches Konzept vorlegen sollte“, sagt Claudia Loss (SPD), scheidende Bezirksabgeordnete aus Heimfeld und selbst im Stadtteilbeirat aktiv, „deshalb auch der Beschluss, Geld nur bis Ende April zu bewilligen und es nicht für feste Stellen zur Verfügung zu stellen, denn die müsste man ja weiter bezahlen.“

Treffpunkthaus wurde vor 25 Jahren eröffnet

Das Treffpunkthaus wurde vor 25 Jahren eröffnet, als „Heimfeld Nord“ vom Problemviertel zu einem Stadtteil umgestaltet wurde, der junge Familien und Studenten anzieht. Gleichzeitig entstanden der Stadtteilbeirat, in dem sich Institutionen, Anwohner und Politiker aus dem Stadtteil miteinander austauschten. Der Beirat gibt einen monatlichen Newsletter heraus, der bislang vom Treffpunkthaus erarbeitet wurde. Auch das Treffpunkthaus und der Margaretenhort gehören dem Beirat an. Pastorin Arnholz hätte sich deshalb eine transparentere Kommunikation vom Margaretenhort gewünscht: „Uns Tage nach Ultimo mitzuteilen, dass man aufgehört hat, finde ich verstörend.“

Politikerin Claudia Loss ist zuversichtlich, dass die Heimfelder Stadtteilarbeit weitergeht. „Die vielen Vereine und Einrichtungen sind hier so gut vernetzt, dass das auch ohne den Margaretenhort läuft“, sagt sie „Und was die Nutzung des Hauses angeht, wird eine Lösung gefunden.“

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