Harburg

Bezirksamt sucht nach neuer Struktur

Auf Abstand: Der 13-köpfige Hauptausschuss kam im großen Sitzungssaal zusammen. Dort sitzen beim Plenum der Bezirksversammlung sonst 51 Abgeordnete plus Zuschauer.

Auf Abstand: Der 13-köpfige Hauptausschuss kam im großen Sitzungssaal zusammen. Dort sitzen beim Plenum der Bezirksversammlung sonst 51 Abgeordnete plus Zuschauer.

Foto: Lars Hansen / xl

Hauptausschuss der Bezirksversammlung diskutiert neue Arbeitsabläufe und eine stärkere Digitalisierung der Verwaltung.

Harburg.  Neben Gastronomie und Einzelhandel betreffen die vom Hamburger Senat beschlossenen Corona-Lockerungen auch das Bezirksamt, teilte Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen am Dienstag dem Hauptausschuss der Bezirksversammlung mit: Alle Dienststellen mit Publikumsverkehr sind ab Montag wieder grundsätzlich für das Publikum geöffnet sein. Allerdings soll es Einschränkungen geben. Auch die Jugendeinrichtungen im Bezirk dürfen wieder öffnen – ebenfalls unter Einschränkungen.

Nächste Bezirksversammlung erst Ende September

Die Bezirkspolitik wird hingegen in Harburg noch länger auf Sparflamme köcheln: Bis zur Sommerpause tagen weiterhin nur die wichtigsten Ausschüsse der Bezirksversammlung. Erst im September kommt die Bezirksversammlung wieder zusammen – und dann auch nicht im Ratsaal, sondern im Bürgerzentrum Süderelbe – mit Abstand und Publikumstribüne und wahrscheinlich immer noch ohne Videoübertragung.

Weniger Besucher in den Verwaltungsgebäuden

Bis Montag will die Bezirksverwaltung noch Konzepte erarbeiten, wie das Infektionsrisiko von Besuchern und Beamten minimiert werden kann. So wird es zum Beispiel Beschränkungen der Besucherzahl geben, je nach Gebäude unterschiedlich. Ein Wachdienst soll ein-und ausgehende Besucher zählen, und eventuell Klienten anhalten, draußen zu warten, wenn es innen zu voll ist.

„Wir freuen uns, das wir wieder persönlich für die Bürger da sein können“, sagte Fredenhagen, „allerdings möchten wir bitten, dass die Besucher sich weiterhin im Vorwege um Termine bemühen und sich generell auch überlegen, ob sie persönlich kommen müssen. Dann können wir die Sicherheit für alle am einfachsten gewährleisten.“

Sie betonte auch, dass die Dienststellen des Bezirksamts in der Zeit der verschlossenen Türen stets arbeitsfähig und erreichbar waren – per Telefon oder Email. Beispielsweise wäre die Zahl der Baugenehmigungen im März und April die gleiche gewesen, wie im Vorjahr. Das scheint jedoch nicht auf alle Behörden gleichermaßen zuzutreffen. So gab es auch Fälle, in denen beispielsweise Meldebescheinigungen mit Hinweis auf die Corona-Einschränkungen verweigert wurden.

Digitaler Dialog mit Bürger soll verstärkt werden

Generell soll der digitale Dialog mit dem Bürger und der Beamten untereinander jetzt ausgebaut werden. Das war schon vor Corona ein erklärtes Ziel der Verwaltung, „aber in den vergangenen Wochen haben wir zwangsweise alle neue Erfahrungen mit neuer Technologie gemacht und vieles, was wir vorher skeptisch sahen, zu schätzen gelernt“, sagte Verwaltungsdezernent Dierk Trispel. „Deshalb werden wir jetzt versuchen, das was gut war zu verstetigen. Nicht nur im Publikumsverkehr, sondern hauptsächlich auch in der internen Arbeitsorganisation.“

Als Beispiel nannte Trispel bezirksübergreifende Fachkonferenzen, beispielsweise der Jugendamtsleiter, die bislang auch in einem Stadtstaat stets mit einiger unproduktiver Reisezeit verbunden sind. „Hier haben wir in den letzten Wochen durch Videokonferenzen viel Zeit gewonnen“, sagt der Dezernent.

Möglichkeiten zur Telearbeit werden ausgebaut

Ebenfalls ausgebaut werden soll die Möglichkeit der Tele-Arbeit. Schon vor dem Hintergrund, dass die Bezirksverwaltung seit Jahren wächst, ist das zeitweise Auslagern von Arbeitsplätzen in die Wohnungen der Mitarbeiter eine günstige Alternative zu Neubau oder Anmietung weiterer Büroräume. „Und auch für den Publikumsverkehr wird für ganz Hamburg an neuen Software-Lösungen gearbeitet“, sagt Trispel.

Theoretisch bereits gestern konnten die Jugendzentren öffnen. Die Nachricht erreichte sie allerdings auch erst gestern. Und sie sollen ein Schutz- und Hygienekonzept erarbeiten und vorhalten. „Die Öffnung hängt nicht davon ab, ob das Konzept überprüft wurde“, sagt Sophie Fredenhagen. „Aber es muss vorhanden sein.“

Jugendeinrichtungen müssen Hygiene-Konzept vorlegen

Auf Verlangen muss die Jugendeinrichtung das Konzept vorlegen können und bei Bedarf nachbessern. Viele Jugendeinrichtungen sind ebenso erfreut, wie überrascht von der Entwicklung: „So schnell haben wir nicht damit gerechnet“, sagt Kirsten Szeremeta, Leiterin des Haus’ der Jugend Steinikestraße. „Von der Sozialbehörde soll noch eine Handreichung für das Konzept kommen. Danach werden wir uns besprechen und eines erarbeiten. Ich denke, spätestens Montag können wir aufmachen.“ Beim Erstellen des Hygienekonzepts werden sich die Jugendeinrichtungen laut Bezirksamtsleiterin Fredenhagen an den Vorgaben für Schulen und Kitas orientieren können. Dort heißt es: Maximal 15 Teilnehmer pro Gruppe und möglichst viel Abstand.