Bezirk und Landkreis

Geburtshelfer beraten in Coronazeiten online

| Lesedauer: 6 Minuten
Hanna Kastendieck
Die Hebammen Ina Borgwardt, Katrin Wellen, Inga Pape (v.l.) kümmern sich im Krankenhaus Buchholz um die werdenden Mütter.

Die Hebammen Ina Borgwardt, Katrin Wellen, Inga Pape (v.l.) kümmern sich im Krankenhaus Buchholz um die werdenden Mütter.

Foto: Krankenhaus Buchholz / HA

Auch bei Entbindungen gelten derzeit besondere Regeln. Das geht von Besuchsverboten bis zu separaten Kreißsälen.

Harburg / Landkreis Harburg.  Die Corona-Epidemie stellt alle Bereiche der Gesundheitsversorgung vor enorme Herausforderungen. Infoabende, Gespräche mit Gynäkologen sowie die Hebammenhilfe für Schwangere, Wöchnerinnen und ihre neugeborenen Kinder können nicht mehr wie gewohnt angeboten werden. Um werdende Eltern dennoch optimal bei der Geburtsvorbereitung und während der Entbindung zu begleiten, haben die Kliniken in Harburg, Buchholz, Winsen, Buxtehude und Stade ihre eigene Ideen entwickelt. So setzt die Helios Mariahilf Klinik neuerdings auf digitalen Expertenrat, um den Kontakt für Schwangere zu Arzt und Hebamme im Vorwege einer Geburt zu erleichtern. Ab sofort stehen die Geburtshelfer und Gynäkologen Frauen und Schwangeren auch per Videoanruf zur Verfügung.

Video-Kurs zur Vorbereitung der Eltern

„Als die Geburtsklinik im Hamburger Süden liegt es uns besonders am Herzen, gerade jetzt für die Schwangeren im Süderelberaum verlässlich da zu sein“, erklärt Klinikgeschäftsführer Marc Baenkler. Neben dem Expertentelefon hat die Klinik auch einen digitalen Elterninformationsabend online gestellt und das Schwangerschafts-Yoga aus dem Elternzentrum wird per Video-Kurs angeboten. „Den Arztbesuch kann das Angebot natürlich nicht immer ersetzen“, sagt der Ärztliche Direktor Christopher Wenck. „Aber per Videoanruf können nun erste Fragen und Sorgen besprochen werden.“

Zumeist darf nur eine Person zu Mutter und Kind

Um den Schutz der jungen Familie und des Krankenhauspersonals während und nach der Geburt weiterhin zu gewährleisten, hat die Klinik in Harburg bereits vor einigen Wochen eine Besuchssperre verhängt. Demnach dürfen auch Frauen, die gerade ein Kind zur Welt gebracht haben, keinen Besuch mehr auf der Wochenstation empfangen – nicht einmal den des eigenen Partners. „Auf unserer Geburtenstation gilt ein striktes Besuchsverbot“, sagt Helios-Sprecherin Michaela Freund-Widder. „Auch Vätern können wir Besuche momentan leider nicht erlauben.“

Geburtshilfe im Kreißsaal läuft wie gewohnt weiter

Zwar laufe die Geburtshilfe im Kreißsaal wie gewohnt weiter, doch dürfe jede Geburt momentan nur von einer Person begleitet werden. „Diese Begleitperson darf während der Entbindung den Kreißsaal nicht verlassen und auch nicht wechseln“, so Freund-Widder. „Bei Kaiserschnitten darf keine Begleitperson mit in den OP.“

Buchholz nimmt Vater wird als Co-Patient auf

So wenig Kontakt gilt auch für die Geburtenstation im Krankenhaus Buchholz. Aus diesem Grund findet der sonst regelmäßig stattfindende Infoabend an der Klinik, bei dem regelmäßig rund 150 werdende Eltern ihre Fragen zu Geburt, Kreißsaal und Nachsorge stellen können, seit vielen Wochen nicht mehr statt. Fragen müssen telefonisch geklärt werden. Auch bei der Anmeldung zur Geburt wird das persönliche Gespräch durch ein Telefonat ersetzt. „Im Kreißsaal ist bei uns allerdings alles wie immer“, betont Dr. Friedemann Schulz, Chefarzt der Geburtenstation, auf der jährlich knapp 850 Babys auf die Welt kommen. Die Eltern gehen gemeinsam zur Geburt, Väter werden auch nach der Entbindung nicht ausgeschlossen. „Der Vater wird bei uns als Co-Patient aufgenommen und gilt daher nicht als Besuch“, so Schulz. Er beobachtet allerdings, dass Mütter kürzer in der Klinik verweilen und vermehrt unmittelbar nach der Entbindung die Klinik wieder verlassen, um bei ihrer Familie zuhause zu sein. Denn das Besuchsverbot gilt auch für Geschwisterkinder.

Im Krankenhaus Winsen versucht Chefarzt Johannes Klemm in der Geburtshilfe soviel Normalität wie möglich zu erhalten. „In einer digitalen Sprechstunde beantwortet das geburtshilfliche Team Fragen, die werdenden Eltern auf dem Herzen liegen“, sagt Johannes Klemm. „Auch die Geburtsanmeldungen werden vermehrt als Videosprechstunde durchgeführt. Die Eltern wollen wissen, ob sie weiterhin gefahrlos im Krankenhaus entbinden können und ob die Väter dabei sein dürfen.“

Die Antwort lautet „Ja.“ Der Partner dürfe bei der Geburt mit dabei sein, denn das schaffe Vertrauen und Sicherheit. „Und ja, die Mütter können weiterhin gefahrlos im Krankenhaus Winsen entbinden“, so Klemm. „Wenn sie sich telefonisch anmelden, können sie über einen separaten Eingang direkt in den Kreißsaal kommen.“ Väter dürfen Mütter und die Babys besuchen und auch im Familienzimmer übernachten. Anderen Familienmitgliedern ist der Besuch untersagt.

Kaiserschnitt mit Unterdruck-Klimaanlage

In den Elbe Kliniken Buxtehude und Stade gilt: Die Mutter und das Neugeborene darf von einer Person besucht werden. Ein Wechsel der Personen ist nicht möglich. Darüber hinaus müssen die Schwangeren und ihr Partner vor der Geburt einen speziellen Anamnesebogen ausfüllen und unterschreiben, in dem abgeklärt wird, ob die Personen Kontakt zu einer infizierten Person hatten, übliche Symptome wie Fieder oder trockenen Husten aufweisen oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben. „Für Schwangere mit typischen Symptomen gibt es einen Kreißsaal, welcher ausschließlich für diese Fälle vorgehalten wird“, sagt Thorsten Kokott, Chefarzt der Geburtenstation an der Elbe Klinik Stade. „Ein Kaiserschnitt würde in einem speziellen OP mit Unterdruckklimaanlage stattfinden.“

Für werdende Mütter, die Covid-19-Symptome zeigen, gibt es auch in der Helios Mariahilf Klinik sowie in den Krankenhäusern Winsen und Buchholz einen eigenen Kreißsaal, der abseits von den anderen Entbindungsräumen liegt. Dort ist ausreichend Schutzkleidung für die Schwangere und Geburtshelfer bereitgelegt. Die Schwangere muss während der Entbindung einen Mund-Nasen-Schutz tragen und die Geburtshelfer tragen ebenfalls Schutzkleidung. Während der Geburt findet zudem kein Personalwechsel statt. Nach der Entbindung werden die Mutter und das Neugeborene auf der Corona-Station isoliert betreut.

Die Abläufe sind allesamt in internen Richtlinien festgelegt und wurden mit dem Personal trainiert, um optimal auf Notfallsituationen vorbereitet zu sein und schnell handeln zu können. In Anspruch nehmen musste diese Option glücklicherweise bislang noch keine der Kliniken.

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